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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Wissensstand, Versorgungsangebote und Forschungsbemühungen zu Long-COVID

(insgesamt 41 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

13.04.2021

Antwortdauer

33 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2750411.03.2021

Wissensstand, Versorgungsangebote und Forschungsbemühungen zu Long-COVID

der Abgeordneten Maria Klein-Schmeink, Kordula Schulz-Asche, Kai Gehring, Dr. Janosch Dahmen, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Dr. Anna Christmann, Erhard Grundl, Ulle Schauws, Charlotte Schneidewind-Hartnagel, Margit Stumpp, Beate Walter-Rosenheimer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Corona-Pandemie begleitet uns seit über einem Jahr. Inzwischen sind laut Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 2 334 561 Menschen in Deutschland an COVID-19 erkrankt, 2 119 100 davon gelten als wieder genesen (Stand: RKI, Situationsbericht vom 14. Februar 2021). Immer mehr Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren, leiden jedoch auch nach der COVID-19-Erkrankung unter langwierigen Genesungszeiten oder langanhaltenden Spätfolgen, auch Long-COVID oder Post-COVID-19-Zustand (vgl. https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2020/block-u00-u49.htm#U07) genannt. Patientinnen und Patienten berichten dabei unter anderem von ausgeprägter Müdigkeit und Erschöpfung, die über einen langen Zeitraum anhält, über Schmerzen in der Brust, Muskelbeschwerden, neurologische Probleme wie Kopfschmerzen, Lähmungserscheinungen oder Geschmacks- und Geruchsverlust (vgl. https://www.deutschlandfunk.de/long-covid-was-wir-ueber-langzeitfolgen-von-covid-19-wissen.2897.de.html?dram:article_id=492315).

Die Anzahl an Betroffenen ist bisher unklar, da laut dem Robert Koch-Institut Spätfolgen nicht regulär im Meldesystem erfasst werden. Auch insgesamt gibt es nach Ansicht der fragestellenden Fraktion zu wenige gesicherte Erkenntnisse zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Erste, beunruhigende Befunde liegen beispielsweise aus China oder Großbritannien vor. Eine chinesische Studie kommt zu den Ergebnissen, dass mehr als drei Viertel der in der Studie erfassten COVID-19-Erkrankten auch noch ein halbes Jahr nach ihrer Erkrankung mindestens ein Symptom aufweisen – darunter auch Patientinnen und Patienten mit milden Verläufen sowie junge und körperlich vitale Menschen (vgl. https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-langzeitfolgen-genesen-und-noch-sechs-monate-spaeter-symptome-a-d8f39ae0-ba9b-4831-9efe-e02de6e2e4e0) In einer britischen Studie wurden vermehrt psychische Folgen wie Depressionen und Angststörungen als Folge einer COVID-19-Erkrankung festgestellt (vgl. https://www.dw.com/de/jeder-f%C3%BCnfte-covid-19-patient-kann-psychische-probleme-bekommen/a-55563846#:~:text=Angstst%C3%B6rungen%2C%20Depressionen%20und%20Schlaflosigkeit%20sind%20h%C3%A4ufige%20Langzeitfolgen.,f%C3%BCnften%20an%20COVID%2D19%20Erkrankten).

Die Datenlage ist nach wie vor begrenzt, dennoch zeigen die ersten Studien einander ähnelnde und besorgniserregende Tendenzen auf.

Auch in Deutschland deuten die Einrichtung von Post-COVID-Ambulanzen und die bundesweiten Gründungen von Selbsthilfegruppen auf vermehrte Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung hin. Es kommt nun nach Ansicht der fragestellenden Fraktion darauf an, das Wissen darüber in Deutschland zu erhöhen und weltweit den Wissensaustausch zu fördern. Aber auch adäquate Versorgungsangebote von Long-COVID-Patientinnen und -Patienten gilt es, verstärkt in den Blick zu nehmen. Die fragestellende Fraktion will deshalb Auskunft darüber erhalten, welche Erkenntnisse der Bundesregierung bereits zu Spät- und Langzeitfolgen von COVID-19-Erkrankungen in Deutschland vorliegen, welche Versorgungsangebote bereits existieren oder in Planung sind und welche weiteren forschungs- und versorgungsrelevanten Bemühungen seitens der Bundesregierung unternommen werden, um Long-COVID zu begegnen und entgegenzuwirken.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen41

1

Wie viele COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten in Deutschland leiden nach Kenntnis der Bundesregierung nach einer COVID-19-Erkrankung an Spät- und Langzeitfolgen, und wie lange dauern diese ab Erkrankungsbeginn im Durchschnitt an (bitte nach Geschlecht und Altersgruppe aufschlüsseln)?

2

Wie viele COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten in Deutschland leiden nach Kenntnis der Bundesregierung nach einer schweren COVID-19-Erkrankung (beispielsweise mit der Notwendigkeit intensivmedizinischer Beatmung, Krankenhausaufenthalt o. Ä.) an Spät- und Langzeitfolgen, und wie lange dauern diese ab Erkrankungsbeginn im Durchschnitt an (bitte nach Geschlecht und Altersgruppe aufschlüsseln)?

3

Wie viele COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten in Deutschland leiden nach Kenntnis der Bundesregierung nach einem milden Verlauf einer COVID-19-Erkrankung an Spät- und Langzeitfolgen, und wie lange dauern diese ab Erkrankungsbeginn im Durchschnitt an (bitte nach Geschlecht und Altersgruppe aufschlüsseln)?

4

Wie viel Prozent der COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten entwickelten in Deutschland, in Europa und weltweit nach Kenntnis der Bundesregierung infolge ihrer COVID-19-Erkrankung Spät- und Langzeitfolgen (bitte aufschlüsseln)?

5

In welchen Altersgruppen kommt es in Deutschland, in Europa und weltweit besonders häufig nach einer COVID-19-Erkrankung zu Langzeit- und Spätfolgen (bitte aufschlüsseln)?

6

Existiert nach Kenntnis der Bundesregierung eine einheitliche Definition für das sog. Long-COVID oder Post-COVID-19-Syndrom, und wenn ja, wie lautet diese?

7

Welche Spät- und Langzeitfolgen und welche konkreten Symptome treten nach Kenntnis der Bundesregierung in welcher Häufigkeit bei COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten in Deutschland, in Europa und weltweit auf (bitte aufschlüsseln)?

8

Wie lange treten diese Symptome nach Kenntnis der Bundesregierung durchschnittlich auf (bitte nach einzelnen Symptomen aufschlüsseln)?

9

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung hinsichtlich der Häufigkeit, Symptomatik und Schwere von Spät- und Langzeitfolgen einen Unterschied, ob jemand schwer (beispielsweise mit der Notwendigkeit intensivmedizinischer Beatmung, Krankenhausaufenthalt o. Ä.) oder leicht an COVID-19 erkrankt war?

10

Hat die Bundesregierung belastbare Informationen über beeinflussbare Faktoren, die Spät- und Langzeitfolgen unwahrscheinlicher machen? Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus für die Prävention von Long-COVID?

11

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Fatigue-Symptome oder die Entwicklung einer chronischen Fatigue infolge einer COVID-19-Erkrankung?

12

Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Symptomatik von Spät- und Langzeitfolgen bei COVID-19-Erkrankten von einem chronischen Fatigue-Syndrom oder anderen Erkrankungen mit Fatigue-Symptomen abzugrenzen?

13

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über mögliche Effekte einer COVID-19-Erkrankung auf das Gehirn und neuronale System sowie deren mögliche mittel- und langfristigen Folgen?

14

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über das Auftreten von Endotheliitis im Zusammenhang mit COVID-19-Erkankungen sowie deren mittel- und langfristige Folgen?

15

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zu kardiovaskulären Spätfolgen von COVID-19-Erkrankungen?

16

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über mögliche psychische Folgen nach oder durch eine COVID-19-Erkrankung?

17

Wie werden nach Kenntnis der Bundesregierung mögliche Spät- und Langzeitfolgen von COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten in Deutschland erfasst?

18

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine systematische Erfassung von Long-COVID in Deutschland?

a) Wenn ja, wie, und wo wird dies erfasst?

b) Wenn nein, hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, aus welchen Gründen eine systematische Erfassung bisher nicht erfolgt?

19

Plant die Bundesregierung eine zentrale und systematische Erfassung von Long-COVID oder ein Register, das dezentrale Erkenntnisse aus den Bundesländern zu Forschungszwecken zusammenführt?

20

Plant die Bundesregierung, sich für einen stärkeren Daten- und Informationsaustausch zu Vorkommen, Symptomatiken, Behandlung und Spätfolgen von Long-COVID-Erkrankungen auf europäischer Ebene einzusetzen?

21

Plant die Bundesregierung, sich dafür einzusetzen, Informationen zu den mittel- und langfristigen gesundheitlichen Folgen einer COVID-19-Erkrankung in den Versichertendaten der gesetzlichen Krankenkassen gesondert zu erfassen und unter datenschutzrechtlichen Maßgaben der Forschung zur Verfügung zu stellen?

22

Wie lange werden nach Kenntnis der Bundesregierung schwer erkrankte COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten (beispielsweise mit der Notwendigkeit intensivmedizinischer Beatmung, Krankenhausaufenthalt o. Ä.) im Durchschnitt nachversorgt? Woraus besteht nach Kenntnis der Bundesregierung in der Regel die Nachversorgung bei diesen Patientinnen und Patienten?

23

Wie lange werden nach Kenntnis der Bundesregierung leicht erkrankte COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten im Durchschnitt nachversorgt? Woraus besteht nach Kenntnis der Bundesregierung in der Regel die Nachversorgung bei diesen Patientinnen und Patienten?

24

Wie lange sind Patientinnen und Patienten nach Kenntnis der Bundesregierung im Durchschnitt aufgrund einer COVID-19-Erkrankung krankgeschrieben?

25

Welche konkreten Ursachen für Spät- und Langzeitfolgen nach einer COVID-19-Erkrankung sind der Bundesregierung bekannt?

26

Welche Studien zu Long-COVID und Spätfolgen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bereits in Deutschland?

27

Welche Studien zu Long-COVID und Spätfolgen werden derzeit von der Bundesregierung gefördert (bitte nach Institution und jeweiliger Fördersumme aufschlüsseln)?

28

Welche Untersuchungen finden im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Netzwerks Universitätsmedizin zu Long-COVID statt, und welche Erkenntnisse liegen daraus bereits vor?

29

Welche internationalen Studien sind der Bundesregierung zum Thema Long-COVID bekannt (bitte auflisten)?

30

Welche Ergebnisse und Erkenntnisse sind der Bundesregierung aus vorliegenden Studien zu Long-COVID bekannt, und welche Konsequenzen zieht sie daraus?

31

Welche Versorgungsformen sind nach Kenntnis der Bundesregierung international erfolgreich bei der Vorbeugung oder Behandlung von Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung?

32

Gibt es seitens der Bundesregierung einen länderübergreifenden Austausch zu Spät- und Langzeitfolgen?

a) Wenn ja, in welcher Form?

b) Wenn nein, ist dies geplant?

33

Sind weitere Studien zu Spät- und Langezeitfolgen von COVID-19 seitens der Bundesregierung geplant oder sollen finanziert werden?

a) Wenn ja, welche?

b) Wenn nein, warum nicht?

34

Wie viele Post-COVID-Ambulanzen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung inzwischen, und wie viele sind noch in Planung (bitte jeweils nach Bundesländern auflisten)?

35

Erkennt die Bundesregierung in diesem Zusammenhang Versorgungslücken in bestimmten Regionen? Wenn ja, in welchen Regionen, und wie wird diesen entgegengewirkt?

36

Welche Leistungen werden in solchen Post-COVID-Ambulanzen erbracht, und welche Berufsgruppen sind in Post-COVID-Ambulanzen vertreten?

37

Wie viele Patientinnen und Patienten wurden und werden bereits in einer Post-COVID-Ambulanz in Deutschland behandelt, und für wie lange (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

38

Welche Informationen über Wartezeiten in den Post-COVID-Ambulanzen liegen der Bundesregierung vor (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

39

Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Heilmittelversorgung von COVID-19-Erkrankten geregelt, und wie hoch ist der Bedarf nach einer COVID-19-Erkrankung?

40

Sieht die Bundesregierung es als erforderlich an, das Behandlungsangebot im Bereich von Post- und Long-COVID auszubauen, und wenn ja, welche Maßnahmen hat sie in diesem Bereich bereits ergriffen?

41

Wie viele gegründete Selbsthilfegruppen zu Long-COVID sind der Bundesregierung bekannt, wo gibt es diese Angebote, und werden diese von der Bundesregierung gefördert?

Berlin, den 23. Februar 2021

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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