Krisenfeste Berufsausbildung
der Abgeordneten Dr. Birke Bull-Bischoff, Dr. Petra Sitte, Jan Korte, Doris Achelwilm, Simone Barrientos, Matthias W. Birkwald, Susanne Ferschl, Sylvia Gabelmann, Nicole Gohlke, Jan Korte, Jutta Krellmann, Pascal Meiser, Sören Pellmann, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Für das Jahr 2020 ergibt sich aufgrund der Auswirkungen der Pandemie ein substanzieller Rückgang der dualen Ausbildungsaufnahmen um 11 Prozent, was bedeutet, dass zum Stichtag 30. September 2020 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge erstmals unter die 500 000-Marke fiel (467 500) (vgl. https://www.bibb.de/dokumente/pdf/ab11beitragausbildungsmarkt-2020.pdf; https://www.arbeitsagentur.de/datei/arbeitsmarktbericht-dezember-2020_ba146814.pdf).
Für das Jahr 2020 (Stand: Dezember 2020) ist bezüglich der Passungsprobleme (vgl. Betriebliche Ausbildung in Deutschland – Unbesetzte Ausbildungsplätze und vorzeitig gelöste Verträge erschweren Fachkräftesicherung, iab.de) am Ausbildungsmarkt zu konstatieren, dass „wie in den Vorjahren die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen die der gemeldeten Bewerber/-innen überstieg. Neben den bereits aus den Vorjahren bekannten regionalen, berufsfachlichen und qualifikatorischen Ungleichgewichten hat die Corona-Pandemie seit April 2020 den Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt deutlich beeinträchtigt und die Ausgleichsprozesse stark verlangsamt. So waren Ende September 2020 deutlich mehr Bewerber/-innen unversorgt sowie Ausbildungsstellen unbesetzt als im letztjährigen September“ (vgl. https://www.arbeitsagentur.de/datei/arbeitsmarktbericht-dezember-2020_ba146814.pdf). Die Krise verstärkt somit das auch zuvor weiterhin hohe Niveau der unbesetzten Stellen. 20 Prozent der Betriebe haben aufgegeben, überhaupt Ausbildungsplätze zu stellen. Für 2021 werden noch weniger Ausbildungsplätze prognostiziert.
Die Hälfte der vorgesehenen Prüfungen werden seit 2020/2021 durch die Pandemie verschoben, mehr als ein Drittel der Ausbildungsinhalte konnten durch Homeoffice und Distanzunterricht nicht vermittelt werden. Eine Berufsorientierung ist in der Pandemie auch nicht mehr gewährleistet, was zu weniger Ausbildungsbewerberinnen und Ausbildungsbewerbern führt. Die Bundesagentur für Arbeit zeigt dennoch rund 28 000 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsplätze allein im Januar 2021 an (vgl. Jeder zehnte ausbildungsberechtigte Betrieb könnte im kommenden Ausbildungsjahr krisenbedingt weniger Lehrstellen besetzen – IAB-Forum, iab-forum.de). Praktika sind vielfach ausgefallen, Auslandesaufenthalte konnten nicht angetreten werden, Qualifikationsziele nicht von allen in gleicher Form erreicht werden (vgl. Ergebnisse der Studie JuCo und KiCo: Befragungen von jungen Menschen und Eltern während der Corona Pandemie).
Das Programm „Ausbildungsplätze sichern“, welches u. a. Ausbildungsprämien für Betriebe vorsieht, die weiter und stärker ausbilden, läuft eher schleppend an und zeigt noch nicht die erforderliche Wirkung (vgl. Die Mehrheit der förderberechtigten Betriebe wird das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ nutzen – IAB-Forum, iab-forum.de). Ein neuer Schutzschirm für Ausbildung wurde nun aufgespannt, um die Betriebe mit höheren Prämien zur Einrichtung von Ausbildungsplätzen zu bewegen.
Die derzeitige Ausbildungssituation birgt viele Unsicherheiten für Bewerberinnen und Bewerber, Auszubildende, zu Prüfende und Absolventinnen und Absolventen. Insofern ist die zentrale Fragestellung, welchen Kenntnisstand die Bundesregierung über die derzeitige Lage hat und welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die jungen Menschen und die Betriebe zu unterstützen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Wie viele Auszubildende verloren wegen der Pandemie ihren Ausbildungsplatz, und wie viele Ausbildungsverträge konnten anderweitig fortgesetzt werden (bitte aktuelle Übersicht nach Auszubildenden und Betrieben, Branchen sowie öffentlicher Unterstützung seit Beginn der Pandemie 2020 bis heute auflisten)?
Wie hat sich die Pandemie auf den Zeitpunkt des Berufsausbildungsabschlusses ausgewirkt, und wie viele Ausbildungsverträge wurden deshalb wegen Prüfungsverschiebungen verlängert (bitte aktuelle Übersicht nach Zahlen und Branchen im Vergleich zu Vorjahren seit Beginn der Pandemie 2020 bis heute auflisten)?
Wie sehen die Absolventenzahlen aus, und wie hat sich die Übernahme in Beschäftigung nach der Berufsausbildung aktuell verändert (bitte aktuelle Übersicht nach Zahlen und Branchen im Vergleich zu Vorjahren seit Beginn der Pandemie 2020 bis heute auflisten)?
Wie ist der Mittelabfluss im Programm „Ausbildungsplätze sichern“ (bitte aktuelle Übersicht nach Zahlen und Branchen seit Programmbeginn bis heute auflisten)?
Welche Gründe hat der hohe Anteil an Antragsablehnungen im Programm „Ausbildungsplätze sichern“ (bitte aktuelle Übersicht nach Zahlen und Branchen seit Programmbeginn bis heute auflisten)?
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um Antragsverfahren und Mittelabfluss im Programm „Ausbildungsplätze sichern“ bürokratisch zu vereinfachen und zu optimieren (bitte aktuelle Übersicht mit Differenzierung nach Antrag, Bewilligung, Auszahlung auflisten)?
Welche Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Beratung im Programm „Ausbildungsplätze sichern“ wurden unternommen, um es mehr Betrieben bekannt zu machen (bitte aktuelle Übersicht der branchenspezifischen Maßnahmen und zahlenmäßige Erfolge seit Programmbeginn bis heute auflisten)?
Wie wird der Ausbildungsplatzverlust durch Verbundausbildung und außerbetriebliche Ausbildung kompensiert (bitte aktuelle Übersicht nach Zahlen und Branchen und öffentlichen Ausgaben im Vergleich zu Vorjahren seit Beginn der Pandemie 2020 bis heute auflisten)?
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung durchgeführt, um die Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt zu vermindern (bitte aktuelle Übersicht nach Branchen, Regionen und öffentlichen Ausgaben im Vergleich zu Vorjahren seit Beginn der Pandemie 2020 bis heute auflisten)?
Welche Maßnahmen sind – neben dem Programm „Ausbildungsplätze sichern“ von 2020 und 2021 – zusätzlich getroffen worden, um jedem Ausbildungsplatzbewerber und jeder Ausbildungsplatzbewerberin einen Ausbildungsplatz zu garantieren und die Freiheit der Berufswahl abzusichern (bitte aktuelle Übersicht nach Branchen und öffentlichen Ausgaben im Vergleich zu Vorjahren seit Beginn der Pandemie 2020 bis heute auflisten)?