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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Tierische Proteine als Futtermittel

(insgesamt 7 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

14.07.2021

Antwortdauer

13 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/3130501.07.2021

Tierische Proteine als Futtermittel

der Abgeordneten Nicole Bauer, Frank Sitta, Dr. Gero Clemens Hocker, Carina Konrad, Karlheinz Busen, Dr. Christoph Hoffmann, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marcus Faber, Dr. Christopher Gohl, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Dr. Martin Neumann, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Stephan Thomae, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Im Jahr 2001 wurde im Zuge der BSE-Krise die Verfütterung tierischer Proteine an Nutztiere vollständig verboten. Dank der erfolgreichen Bekämpfung von BSE erlaubt das EU-Recht mittlerweile wieder den Einsatz von genusstauglichen tierischen Proteinen von Nichtwiederkäuern sowie von verarbeiteten Insekten als Futtermittel für Tiere in Aquakultur. Derzeit arbeitet die EU-Kommission an Plänen, verarbeitetes tierisches Protein von Schweinen für die Geflügelfütterung sowie allgemein die Verfütterung von Insekten an Nutztiere zuzulassen (Insektenproteine in der Fütterung von Nutztieren, Deutscher Verband Tiernahrung e. V., 5. Juli 2019, https://www.dvtiernahrung.de/fileadmin/Dokumente_ab_07_2013/Presse/2019_07_05_DVT-Position_Insekten_als_Futtermittel.pdf, letzter Aufruf: 8. März 2021, 16.45 Uhr)

Sofern gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ausgeschlossen werden können, wären derartige Lockerungen des Verfütterungsverbots von tierischen Proteinen aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller sehr zu begrüßen.

Denn genusstaugliche Nebenprodukte, die bei der Schlachtung anfallen und lediglich aus kulturellen und kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden (Insektenproteine in der Fütterung von Nutztieren, Deutscher Verband Tiernahrung e. V., 5. Juli 2019, https://www.dvtiernahrung.de/fileadmin/Dokumente_ab_07_2013/Presse/2019_07_05_DVT-Position_Insekten_als_Futtermittel.pdf, letzter Aufruf: 8. März 2021, 16.45 Uhr), müssten dann nicht mehr entsorgt werden, sondern könnten zu hochwertigen Futtermitteln weiterverarbeitet werden. Nach Ansicht der Fragesteller könnten dadurch zum einen Nährstoffkreisläufe geschlossen werden und zum anderen könnten die tierischen Proteine einen Teil der sog. Eiweißlücke, die aktuell größtenteils durch Sojaimporte aus Übersee gedeckt wird (Eiweißlücke in Deutschland, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 3. Juli 2019, https://www.wochenblatt-dlv.de/maerkte/eiweissluecke-deutschland-554976), schließen. Damit ließen sich nach Auffassung der Fragesteller sowohl die CO2-Emissionen als auch der Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche im Ausland für die Produktion von Eiweißfuttermitteln reduzieren. Somit könnte ganz im Sinne des „Green-Deals“ der EU-Kommission ein aktiver Beitrag zu mehr Klima- und Umweltschutz geleistet werden.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen7

1

Wie schätzt die Bundesregierung das Risiko der Übertragung Transmissibler spongiformer Enzephalopathien (TSE) bei der Verfütterung von Schweineprotein an Geflügel und Geflügelprotein an Schweine ein, und welche entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen liegen der Bundesregierung vor?

2

Welchen Standpunkt vertritt die Bundesregierung bei den Verhandlungen auf EU-Ebene über die künftige Zulassung von Schweineprotein für die Geflügelfütterung?

3

Setzt sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für weitere Ausnahmen vom Verbot der Verfütterung tierischer Proteine an Nutztiere wie Schwein und Geflügel ein, und wenn ja, wie bringt sie sich ein?

4

Hat sich die Bundesregierung eine Meinung gebildet, ob die sog. Eiweißlücke, die momentan mit Sojaimporten gedeckt werden muss, geschlossen werden könnte, wenn sämtliche genusstauglichen tierischen Nebenprodukte von Nichtwiederkäuern zu Futtermitteln weiterverarbeitet und als solche eingesetzt würden, und wenn ja, in welchem Umfang?

5

Welche Forschungsprojekte fördert die Bundesregierung zum Thema Herstellung und Verfütterung von verarbeiteten tierischen Proteinen (bitte Projekte mit jeweiligem Umfang der Förderung aufschlüsseln)?

6

Wie schätzt die Bundesregierung die Akzeptanz bei Landwirten und anderen Tierhaltern gegenüber dem Einsatz von tierischen Proteinen als Futtermittel ein, und hält sie gezielte Imagekampagnen zur Aufklärung über wissenschaftliche Erkenntnisse für notwendig?

7

Hält die Bundesregierung eine finanzielle Anschubförderung für Unternehmen, die bei entsprechender Anpassung der Rechtslage in die Produktion von Futtermitteln aus tierischen Proteinen einsteigen wollen, für sinnvoll und notwendig, und plant die Bundesregierung eine derartige Förderung?

Berlin, den 23. Juni 2021

Christian Lindner und Fraktion

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