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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet
Restitutionsforderungen als mögliches kulturpolitisches Soft-Power-Instrument
(insgesamt 26 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Auswärtiges Amt
Datum
25.01.2022
Antwortdauer
14 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
BT20/38111.01.2022
Restitutionsforderungen als mögliches kulturpolitisches Soft-Power-Instrument
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming,
Matthias Moosdorf, Petr Bystron, Eugen Schmidt und der Fraktion der AfD
Restitutionsforderungen als mögliches kulturpolitisches Soft-Power-Instrument
Die Diskussion um die Restitution von Kulturgut aus kolonialen Kontexten
wird mit der beabsichtigten Rückgabe eines Großteils der in deutschen Museen
befindlichen Benin-Bronzen und anderer Artefakte aus dem historischen
Königreich Benin eine neue Stufe erreichen (https://www.dw.com/de/absichtserkl
%C3%A4rung-deutschland-will-benin-bronzen-an-nigeria-zur%C3%BCckgebe
n/a-59510103, letzter Abruf: 3. Dezember 2021). „Bis spätestens März 2022“
sollen hierfür laut Medienberichten die vertraglichen Grundlagen geschaffen
sein. Allerdings ließen „die noch fehlenden vertraglichen Voraussetzungen für
die Rückgabe […] Zweifel an den ambitionierten Zeitplänen aufkommen“,
merkte die „Welt“ kritisch an (Matthias Busse: Der Wille ist da, aber die
Unterschrift fehlt, Welt Online, https://www.welt.de/kultur/plus235591716/Benin-Br
onzen-Der-Wille-ist-da-aber-die-Unterschrift-fehlt.html, letzter Abruf: 13.
Dezember 2021). Die offizielle Sprachregelung sieht hierin einen Akt der
„Gerechtigkeit“, sollen diese Artefakte im Rahmen einer britischen Strafexpedition
im historischen Königreich Benin doch mittels „Plünderung“ zusammengerafft
und große Teile dann meistbietend verkauft worden sein (https://www.tagesspie
gel.de/kultur/eine-frage-der-gerechtigkeit-maas-spricht-sich-fuer-restitution-de
r-benin-bronzen-aus/27036910.html, letzter Abruf: 2. Dezember 2021).
Die sich daran anschließende „Verbringung“ etlicher Benin-Artefakte nach
Deutschland mittels Ankauf durch deutsche Museen widerspreche „unserem
heutigen Wertesystem“, so die Staatsministerinnen für Kultur und Medien
sowie die Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik Mitte Dezember 2018
(Gastbeitrag von Michelle Müntefering und Monika Grütters in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung: Eine Lücke in unserem Gedächtnis, 15. Dezember 2018,
https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/muentefering-gruetters-faz/217
2172, letzter Abruf: 3. Dezember 2021).
Was hier als Ausdruck historischer Gerechtigkeit daherkommt, folgt aus Sicht
der Fragesteller einem außenpolitischen Kalkül, zu dessen Instrumentenkasten
auch die Restitution von Kulturgut aus kolonialen Kontexten als Mittel der Soft
Power gehört. Die Linie hierfür gab Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
Ende 2017 in seiner vielzitierten Rede in Burkina Fasos Hauptstadt
Ougadougou vor (vgl. Restitution – what’s really going on?, https://www.theartnewspap
er.com/2021/09/28/restitutionwhats-really-going-on, letzter Abruf: 2.
Dezember 2021), die europa-, ja sogar weltweit ausstrahlte und zu einer Veränderung
der Bewertung vor allem von afrikanischem Kulturgut aus kolonialen
Kontexten führte. Emmanuel Macron forderte, die Bedingungen für eine Rückgabe
afrikanischen Kulturguts zu schaffen (ebd.). Seitdem hat sich die Rückgabe von
Kulturgut als Mittel der Wiedergutmachung kolonialen Unrechts als fester Be-
Deutscher Bundestag Drucksache 20/381
20. Wahlperiode 11.01.2022
standteil kulturpolitischer Diskurse etabliert und zieht immer weitere Kreise
(ebd.).
Dass es Emmanuel Macron nicht nur um Wiedergutmachung geht, sondern vor
allem um die Behauptung der französischen Einflusssphäre im frankophonen
Afrika, hat unter anderem Alexander Herman, Stellvertretender Direktor am
Institute of Art and Law in Großbritannien, deutlich gemacht (ebd.).
Der französische Präsident hat, dieser Eindruck drängt sich den Fragestellern
auf, ganz offensichtlich auf einschlägige chinesische Initiativen reagiert,
geraubtes oder anderweitig verlorengegangenes chinesisches Kulturgut in der Zeit
des „Jahrhunderts der Schande“ (ebd.) von Mitte des 19. bis Mitte des 20.
Jahrhunderts zurückzuerlangen.
Für das Ziel, Restitutionsforderungen gegenüber den ehemaligen
Kolonialmächten geltend zu machen, wird seitens China auch die Seidenstraße-Initiative
instrumentalisiert, wie Alexander Herman deutlich macht (ebd.). Ein Beispiel
hierfür, das Alexander Herman anführt, ist das Anfang Dezember 2018 in der
senegalesischen Hauptstadt Dakar eröffnete ethnologische und kunsthistorische
„Museum der schwarzen Zivilisationen“, das maßgeblich von China
mitfinanziert wurde. Senegal fordert alle Kunstwerke von Frankreich zurück, die in der
Zeit der Kolonisation „geraubt worden seien“ (https://www.lemonde.fr/afrique/
article/2018/12/05/le-senegal-inaugure-un-musee-des-civilisations-noires-a-dak
ar_5392879_3212.html, letzter Abruf: 3. Dezember 2021).
Es ist vor diesem Hintergrund aus Sicht der Fragesteller nicht überraschend,
dass Senegal das erste westafrikanische Land war, das sich im selben Jahr der
chinesischen Seidenstraße-Initiative anschloss. Der Einfluss der ehemaligen
Kolonialmacht Frankreich werde dort hingegen „immer kritischer betrachtet“,
stellte die Konrad-Adenauer-Stiftung im Juli 2018 in einem „Länderbericht“
zum Senegal fest (https://www.kas.de/de/web/senegal/laenderberichte/detail/-/c
ontent/chinesische-festspiele-in-dakar, letzter Abruf: 3. Dezember 2021).
Ein weiteres Beispiel, das Alexander Herman nennt (ebd.), ist der
Griechenlandbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping 2019. Dabei sicherte Xi
Jinping Griechenland Unterstützung im Hinblick auf die Rückgabe der „Elgin
Marbles“ (Parthenon-Friesteile) seitens des British Museums in London zu
(https://edition.cnn.com/style/article/xi-jinping-greece-marbles-intl-hnk-scli/ind
ex.html, letzter Abruf: 1. Dezember 2021). Alexander Herman (s. o.)
bezeichnet das Agieren des chinesischen Staatspräsidenten als „diplomatisch raffinierte
Art, sich bei seinen Gastgebern einzuschmeicheln“; schließlich sei der in
chinesischem Besitz befindliche Hafen von Piräus ein „wichtiger Dreh- und
Angelpunkt für Chinas Handel mit Europa“.
Olga Grimm-Weissert kommt deshalb im „Handelsblatt“ zu dem Ergebnis, dass
das „‚Soft Power‘-Thema der Restitutionen […] in erster Linie wirtschaftlichen
Interessen“ diene. Benin habe „Goldreserven, die Frankreich und Europa nicht
der Achse ‚Chinafrika‘ allein zur Ausbeutung überlassen möchten“ (https://ww
w.handelsblatt.com/arts_und_style/kunstmarkt/franzoesischer-kolonialismus-w
arum-emmanuel-macron-den-schatz-von-benin-zurueckgibt/27768126.html?tic
ket=ST-1296049-QhXYo4DV52nPWeyj2Xky-cas01.example.org, letzter
Abruf: 3. Dezember 2021).
Die Fragesteller schließen aus diesem Befund, dass kulturhistorisch bedeutende
Artefakte, für deren Erhalt und Einordnung in Deutschland erhebliche
kuratorische und wissenschaftliche Arbeit aufgewendet wurde – wie zum Beispiel die
Benin-Bronzen, deren Wert im Milliardenbereich geschätzt wird (https://www.l
vz.de/Nachrichten/Kultur/Kultur-Regional/Rueckgabe-der-Benin-Bronzen-Heil
ung-historischer-Wunden, letzter Abruf: 3. Dezember 2021; https://www.wel
t.de/kultur/plus235591716/Benin-Bronzen-Der-Wille-ist-da-aber-die-Unterschr
ift-fehlt.html, letzter Abruf: 13. Dezember 2021) – als Manövriermasse
eingesetzt werden, um außenpolitischen Einfluss abzusichern oder außenpolitische
Ziele zu erreichen. So konstatierte der „Raubkunst-Experte“ Dr. Lutz Mükke,
dass „sicher auch der Image-Gewinn“ locke, „den Deutschland in Afrika und
den südlichen Ländern durch Restitution erfahren“ werde (https://www.lvz.de/
Nachrichten/Kultur/Kultur-Regional/Rueckgabe-der-Benin-Bronzen-Heilung-h
istorischer-Wunden, letzter Abruf: 3. Dezember 2021).
Flankiert wird dieses Agieren durch „einzelne Wissenschaftler“, die „einseitige
Meinungen“ im Sinne des Restitutionsnarrativs vertreten (http://www.kunst-un
d-kontext.de/texte/kunst_und_kontext_22_kurz.pdf, letzter Abruf: 3. Dezember
2021, S. 2), nichtsdestoweniger aber als Meinungsführer in der öffentlichen
Meinungsbildung einen erheblichen Einfluss ausüben.
Die Fragesteller halten es deshalb für angezeigt, seitens der Bundesregierung in
Erfahrung zu bringen, ob und inwieweit die geplante Rückgabe der Benin-
Bronzen diesem Kalkül folgt und wie sie diese Instrumentalisierung von
Kulturgut aus kolonialen Kontexten für politische Zwecke ggf. rechtfertigt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sind der Bundesregierung Medienberichte bekannt, in denen davon die
Rede ist, dass das „‚Soft Power‘-Thema der Restitutionen […] in erster
Linie wirtschaftlichen Interessen“ diene?
Wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus für
ihr eigenes Handeln (https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/kunstm
arkt/franzoesischer-kolonialismus-warum-emmanuel-macron-den-schatz-v
on-benin-zurueckgibt/27768126.html?ticket=ST-1296049-QhXYo4DV52
nPWeyj2Xky-cas01.example.org, letzter Abruf: 3. Dezember 2021)?
2. Kann die Bundesregierung aus eigenem Wissen oder ggf. auch aus
Gesprächen mit Vertretern anderer europäischer Regierungen bestätigen, dass es
eine Korrelation zwischen dem deutlichen Anstieg von
Restitutionswünschen seitens afrikanischer Staaten an die Adresse ehemaliger
europäischer Kolonialstaaten und der zunehmenden Präsenz Chinas auf dem
afrikanischen Kontinent gibt, dies dieses Thema befeuert (https://edition.cn
n.com/style/article/xi-jinping-greece-marbles-intl-hnk-scli/index.html,
letzter Abruf: 1. Dezember 2021)?
a) Wenn ja, begreift die Bundesregierung vor diesem Hintergrund das
Thema Restitution von Kulturgut aus kolonialen Kontexten als
legitimes Mittel der Interessensicherung seitens ehemaliger europäischer
Kolonialstaaten?
b) Wenn nein, wie erklärt sich die Bundesregierung dann die Tatsache,
dass Chinas Staatspräsident Xi Jinping in Staaten, mit denen China
z. B. mit Blick auf das Seidenstraßen-Projekt aktiv ist, direkte
Unterstützung in Restitutionsfragen anbietet (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
3. Sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund der beiden
vorhergehenden Fragen mit Blick auf die Restitution von Kulturgütern aus kolonialen
Kontexten auch einen „Image-Gewinn“, den Deutschland in Afrika
erfährt?
Wenn ja, kann die Bundesregierung konkretisieren, worin dieser „Image-
Gewinn“ besteht (https://www.lvz.de/Nachrichten/Kultur/Kultur-Regional/
Rueckgabe-der-Benin-Bronzen-Heilung-historischer-Wunden, letzter
Abruf: 3. Dezember 2021)?
4. Begreift die Bundesregierung die avisierte Donation „substanzieller
Rückgaben“ der in deutschen Museen gesammelten Artefakte aus dem
historischen Königreich Benin an Nigeria auch als Mittel außenpolitischer
Interessenwahrung auf dem afrikanischen Kontinent (Erklärung zum Umgang
mit den in deutschen Museen und Einrichtungen befindlichen Benin-
Bronzen [Erklärung], 29. April 2021, S. 1, https://www.auswaertiges-amt.de/de/
newsroom/benin-bronze/2456786, letzter Abruf: 3. Januar 2022)?
a) Wenn ja, kann die Bundesregierung Argumente dafür angeben, welche
außenpolitischen Ziele genau hier im Raum stehen?
b) Wenn nein, kann die Bundesregierung bestätigen, dass die avisierte
Rückgabe von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin an
Nigeria nur und ausschließlich deshalb erfolgen soll, weil deren
Erwerb „unserem heutigen Wertesystem“ widerspreche (Gastbeitrag von
Michelle Müntefering und Monika Grütters in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung: Eine Lücke in unserem Gedächtnis, 15. Dezember
2018, https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/muentefering-gr
uetters-faz/2172172, letzter Abruf: 3. Dezember 2021)?
5. Erblickt die Bundesregierung in der avisierten Donation eines
„substanziellen Teiles“ der in deutschen Museen gesammelten Artefakte aus dem
historischen Königreich Benin an Nigeria eine generelle Blaupause für
Rückgabeforderungen aus ehemaligen Kolonien an die Adresse
Deutschlands (https://www.sueddeutsche.de/kultur/restitutionsdebatte-museum-in-
washington-gibt-benin-bronzen-zurueck-1.5457649, letzter Abruf: 3.
Dezember 2021)?
a) Wenn ja, kann die Bundesregierung hierfür die Gründe darlegen?
b) Wenn nein, kann die Bundesregierung die Gründe dafür darlegen,
warum Nigeria in dieser Frage bevorzugt behandelt wird?
6. Treffen Medienberichte zu, nach denen die in den vorhergehenden Fragen
angesprochene geplante Rahmenvereinbarung zum Inhalt haben soll, die
Eigentumsübertragung der sich in deutschen Museen befindlichen
Artefakte aus dem historischen Königreich Benin an Nigeria zu vollziehen?
Wenn ja, wären von dieser Eigentumsübertragung alle Artefakte betroffen,
die auf den Netzseiten der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen
Kontexten in Deutschland (Kontaktstelle) aufgeführt sind (Matthias Busse:
Auf Augenhöhe verhandeln, Sächsische Zeitung, 25. November 2022,
S. 7; https://www.cp3c.org/benin-bronzes/, letzter Abruf: 3. Dezember
2021)?
7. Ist der Bundesregierung der Beschluss des Hamburger Museums am
Rothen-baum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK) bekannt,
sämtliche Artefakte aus dem historischen Königreich Benin, die sich in seiner
Sammlung befinden, nach Nigeria zu restituieren (Nicola Kuhn, Von
Hamburg lernen, Der Tagesspiegel, 22. Dezember 2021, S. 21)?
Wenn ja, hat sich die Bundesregierung dazu vor dem Hintergrund der noch
ausstehenden Rahmenvereinbarung mit Nigeria positioniert (bitte ggf.
auch die wesentlichen Eckpunkte dieser Positionierung erläutern)?
8. Wer genau soll durch das geplante Rahmenabkommen zwischen Nigeria
und Deutschland zum neuen Eigentümer der Artefakte aus dem
historischen Königreich Benin, die seitens deutscher Museen restituiert werden
sollen, werden (https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/beni
n-die-beute-bronzen-15359996.html, letzter Abruf: 3. Januar 2022; wenn
die Artefakte an Nigeria zurückgegeben werden sollen, bitte erläutern,
warum diese nicht an den nigerianischen Bundesstaat Edo, in dem das
Königtum Benin heute liegt, oder an den Oba von Benin, den Nachfahren jenes
Königs, in dessen Palast die Briten 1897 die Artefakte aus dem
historischen Königreich Benin konfisziert hatten, zurückgegeben werden)?
9. Kann die Bundesregierung Auskunft darüber geben, ob im Rahmen der
geplanten Rahmenvereinbarung Vorsorge dafür getroffen werden soll, dass
die zur Restitution anstehenden Artefakte aus dem historischen Königreich
Benin aus deutschen Museen, die einen Milliardenwert darstellen, seitens
des neuen Eigentümers nicht auf dem Kunstmarkt veräußert werden dürfen
(https://www.welt.de/kultur/plus235591716/Benin-Bronzen-Der-Wille-ist-
da-aber-die-Unterschrift-fehlt.html, letzter Abruf: 13. Dezember 2021)?
a) Wenn ja, kann die Bundesregierung Auskunft über die bisherige
inhaltliche Ausgestaltung des einschlägigen Passus in der geplanten
Rahmenvereinbarung geben?
b) Wenn nein, warum sind mit Blick auf den nigerianischen
Vertragspartner diesbezüglich keine Verpflichtungen im Gespräch?
10. Kann die Bundesregierung Angaben darüber machen, wie weit die
Verhandlungen im Hinblick auf ein Rahmenabkommen zwischen Nigeria und
Deutschland darüber gediehen sind, ob und in welchem Umfang Benin-
Bronzen als Leihgaben in deutschen Museen verbleiben können (Matthias
Busse: Der Wille ist da, aber die Unterschrift fehlt, Welt Online, https://w
ww.welt.de/kultur/plus235591716/Benin-Bronzen-Der-Wille-ist-da-aber-d
ie-Unterschrift-fehlt.html, letzter Abruf: 13. Dezember 2021)?
a) Wenn ja, konnten hierfür bereits die rechtlichen Grundlagen
ausgehandelt werden (bitte auch angeben, ob bei evtl. Leihgaben auch
Leihgebühren, und wenn ja, in welche Höhe, von nigerianischer Seite im
Gespräch sind)?
b) Wenn nein, muss daraus geschlossen werden, dass die
Bundesregierung über diesen Punkt noch nicht verhandelt hat?
11. Kann die Bundesregierung Angaben darüber machen, in welcher Form
sich die Bundesregierung am Bau des Edo Museum of West African Art
(EMOWAA) beteiligt (vgl. die in Frage 4 genannte Erklärung, 29. April
2021, S. 1; bitte auch ausführen, wie die Bundesregierung diese Zusage
vor dem Hintergrund der Tatsache beurteilt, dass es bisher mit Nigeria kein
Rahmenabkommen für die Rückgabe von Artefakten aus dem historischen
Königreich Benin gibt)?
12. Kann die Bundesregierung Angaben darüber machen, wie weit die
Bauarbeiten an dem ersten Bauteil (Pavillon mit speziellen Schaudepots) des
EMOWAA vorangeschritten sind, in dem bereits 2022 Artefakte aus dem
historischen Königreich Benin zu sehen sein könnten, „die sich heute noch
in Berlin befinden“ (https://www.smb.museum/nachrichten/detail/benin-br
onzen-gespraeche-mit-nigerianischer-delegation-in-berlin/, letzter Abruf:
15. Dezember 2021; bitte auch angeben, wann mit der Eröffnung des
ersten Bauteils des EMOWAA bzw. mit dem vollständig fertiggestellten
EMOWAA gerechnet werden kann)?
13. Kann die Bundesregierung Medienberichte bestätigen, nach denen
Vertreter aller deutscher Museen, in deren Sammlungen sich Artefakte aus dem
historischen Königreich Benin befinden, an „einen Tisch“
zusammengebracht werden sollen (https://www.zeit.de/news/2021-12/10/rueckgaben-v
on-benin-bronzen-roth-bringt-museen-zusammen?utm_referrer=https%3A
%2F%2Fwww.google.com%2F, letzter Abruf: 15. Dezember 2021)?
Wenn ja, was genau ist das Ziel dieser Gesprächsrunde?
14. Treffen Medienberichte zu, nach denen die Bundesregierung dem
Deutschen Archäologischen Institut (DAI) für den Aufbau eines
„archäologischen Zentrums“ in Benin City 4,5 Mio. Euro zugesagt hat (Matthias
Busse: Der Wille ist da, aber die Unterschrift fehlt, Welt Online, https://w
ww.welt.de/kultur/plus235591716/Benin-Bronzen-Der-Wille-ist-da-aber-d
ie-Unterschrift-fehlt.html, letzter Abruf: 13. Dezember 2021)?
Wenn diese Berichte zutreffen, kann die Bundesregierung Angaben
darüber machen, wie dieses „archäologische Zentrum“ in Benin City
ausgestaltet werden soll (bitte ggf. erläutern)?
15. Was waren die Gründe dafür, mit Blick auf die Artefakte der in
Deutschland befindlichen Sammlungen aus dem historischen Königreich Benin
eine „umfassende Transparenz“ herzustellen (vgl. die in Frage 4 genannte
Erklärung, 29. April 2021, S. 1)?
a) Kann die Bundesregierung bestätigen, dass die in der „Erklärung“
bekräftigte Bereitschaft, „umfassende Transparenz“ herstellen zu wollen,
vor allem dem Zweck der Rückgabe dient (ebd.; wenn ja, bitte die
Gründe hierfür aufführen)?
b) Ist die auf den Netzseiten der „Kontaktstelle“ einsehbare Auflistung
von Benin-Artefakten in deutschen Sammlungen so zu verstehen, dass
damit der nigerianischen Seite die Möglichkeit eröffnet werden soll,
sich nach eigenem Ermessen Objekte auszuwählen, die sie restituiert
sehen möchte (https://www.kulturstiftung.de/kontaktstelle-sammlungsg
ut-koloniale-kontexte-aufstellung-benin-bronzen; wenn ja, bitte die
Gründe hierfür aufführen)?
16. Kann die Bundesregierung die Gründe dafür angeben, warum exklusiv für
die Benin-Artefakte in deutschen Sammlungen eine digitale
„Kontaktstelle“ geschaffen wurde, nicht aber für andere Sammlungen oder Artefakte
aus kolonialen Kontexten (https://www.kulturstiftung.de/kontaktstelle-sam
mlungsgut-koloniale-kontexte-aufstellung-benin-bronzen)?
Wenn ja, welche Gründe sind das (bitte auch angeben, ob für andere
Sammlungen oder Artefakte aus kolonialen Kontexten weitere digitale
„Kontaktstellen“ geplant sind)?
17. Gibt es seitens der Bundesregierung eine Zusammenarbeit mit der
Ernstvon-Siemens-Kunststiftung, die im Rahmen des Projekts „Digital Benin“
die „weltweit verstreuten Benin-Sammlungen ab 2022 in einer zentralen
Online-Plattform“ zusammenführen soll (https://digital-benin.org/;
Erklärung, 29. April 2021, S. 2; wenn ja, bitte die Art und Form dieser
Zusammenarbeit beschreiben)?
18. Ist die Bundesregierung mit Blick auf das Engagement der Siemens AG in
Nigeria, und zwar insbesondere im Rahmen des über 3 Mrd. Euro
budgetierten „Fahrplans für die Elektrifizierung Siemens/Nigeria (NER)“, der
auf Initiative der ehemaligen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel „in
Nigeria am 31. August 2018 ins Leben gerufen“ worden sein soll,
diplomatisch im Vorfeld der Unterzeichnung dieses „Fahrplans“ im September
2021 unterstützend tätig geworden (https://www.german-energy-solution
s.de/GES/Redaktion/DE/Publikationen/Marktanalysen/2020/zma_nigeria_
2020_energieversorgung-erneuerbare-energien-industrie-inkl-mini-grids.p
df?__blob=publicationFile&v=3; https://www.iass-potsdam.de/de/blog/20
21/09/nigerias-roadmap-zur-elektrifizierung-eine-zweijahres-bilanz, letzter
Abruf: 3. Dezember 2021; https://www.german-energy-solutions.de/GES/
Redaktion/DE/Publikationen/Marktanalysen/2020/zma_nigeria_2020_ener
gieversorgung-erneuerbare-energien-industrie-inkl-mini-grids.pdf?__blo
b=publicationFile&v=3, letzter Abruf: 6. Dezember 2021, S. 33; https://w
ww.iass-potsdam.de/de/blog/2021/09/nigerias-roadmap-zur-elektrifizierun
g-eine-zweijahres-bilanz, letzter Abruf: 6. Dezember 2021)?
Wenn ja, in welcher Form wurde diese Unterstützung gewährt?
19. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob der in der Frage 18
angesprochene Fahrplan das Engagement der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung
im Hinblick auf das Projekt „Digital Benin“ (siehe Frage 11) mit
beeinflusst hat?
Wenn ja, kann die Bundesregierung hierzu nähere Angaben machen (bitte
ggf. ausführen)?
20. Kann die Bundesregierung angeben, ob im Rahmen des Programms
TheMuseumsLab, das auch dem „Wissensaustausch für afrikanische und
europäische Museumsnachwuchskräfte“ dienen soll, im „Pilotprogramm“
des Jahres 2021 nigerianische Kuratoren beteiligt sind oder waren, die mit
dem Aufbau des Edo Museum of West African Art in Verbindung stehen?
Wenn ja, wie viele Kuratoren aus Nigeria sind oder waren an diesem
Pilotprogramm insgesamt beteiligt (https://themuseumslab.org/uploads/202105
10%20Pressedossier%20TheMuseumsLab.pdf, letzter Abruf: 3. Dezember
2021, S. 1), und wenn nein, warum nicht?
21. Wie genau wird die Botschaft von Nigeria bei ihrer Unterstützung der
„Bemühungen des deutschen Auswärtigen Amts um die Koordinierung einer
strukturierten Rückgabeinitiative, die unter anderem das Vorhaben des
Legacy Restoration Trusts (LRT) zur Errichtung des Edo Museum of West
African Art (EMOWAA) und das online-Lehrangebot des MuseumLab
einschließt“ tätig (https://themuseumslab.org/uploads/20210510%20Presse
dossier%20TheMuseumsLab.pdf, letzter Abruf: 3. Dezember 2021, S. 2)?
a) Was ist vor dem Hintergrund, dass es zwischen Nigeria und
Deutschland hierfür noch keine vertraglichen Grundlagen gibt, in diesem
Zusammenhang unter einer „strukturierten Rückgabeinitiative“ (s. o.) zu
verstehen?
b) In welcher Art und Weise sind hier das Legacy Restoration Trust zur
Errichtung des Edo Museum of West African Art und das Online-
Lehrangebot des MuseumLab eingebunden?
22. Wie genau spiegelt sich in der Arbeit des MuseumsLab der
„Kulturaustausch bei der Aufarbeitung unserer Kolonialgeschichte“ wider (https://the
museumslab.org/uploads/20210510%20Pressedossier%20TheMuseumsLa
b.pdf, letzter Abruf: 3. Dezember 2021, S. 2; bitte als Aspekte dieses
„Kulturaustauschs“ aufzählen)?
23. Welche Aspekte der deutschen Kolonialgeschichte werden im Museums-
Lab (s. o.) wie thematisiert und aufgearbeitet?
Inwieweit werden hier auch die gewinnbringenden Seiten der deutschen
Kolonialgeschichte thematisiert?
24. Kann die Bundesregierung erläutern, was genau sie meint, wenn sie davon
spricht, dass wir eine „Dekolonialisierung unseres Denkens, unserer
Sprache, eine Sensibilisierung mit Orten, wo Erinnerungskultur auch in diesem
Bereich überhaupt erst mal beginnt“, brauchen (https://www.zeit.de/news/
2021-12/10/rueckgaben-von-benin-bronzen-roth-bringt-museen-zusamme
n?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F, letzter Abruf:
15. Dezember 2021; bitte ausführen)?
a) Welche konkreten Konsequenzen folgen aus der Feststellung, dass wir
eine „Dekolonialisierung unseres Denkens“ und „unserer Sprache“
brauchen (s. o.; bitte auch angeben, ob die Bundesregierung eine
entsprechende sprachliche Handreichung plant)?
b) Welche Orte hat die Bundesregierung im Blick, an denen
„Erinnerungskultur überhaupt erst einmal“ beginnen soll (bitte auch angeben,
warum die ethnologischen Sammlungen deutscher Museen für die hier
ins Auge gefasste Erinnerungskultur offenbar nicht infrage kommen)?
25. Welche Konsequenzen folgen aus der Aussage der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien Claudia Roth, dass es bisher
„keine Räume“ dafür gebe, um sich mit den Menschen auseinanderzusetzen,
„deren Wurzeln in den Regionen […] dieser Welt [sind], wo auch der
deutsche Kolonialismus viele Wunden geschlagen hat, die bis heute offen sind“
(https://www.zeit.de/news/2021-12/10/rueckgaben-von-benin-bronzen-rot
h-bringt-museen-zusammen?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.googl
e.com%2F, letzter Abruf: 15. Dezember 2021; bitte angeben, was unter
diesen „Räumen“ konkret zu verstehen ist, und ob die Bundesregierung
plant, derartige „Räume“ zu schaffen)?
26. Muss die Aussage der Kulturstaatsministerin Claudia Roth, dass es „einen
heilenden Effekt“ habe, „wenn Kulturgüter oder Objekte zurückkommen,
die geraubt worden sind“ und es „deswegen „so wichtig“ sei, „dass wir da
weitermachen bei der Rückgabe von Raubkunst“, so verstanden werden,
dass die Rückgabe der Artefakte aus dem historischen Königreich Benin
nur den Auftakt für weitere umfassende Restitutionen darstellen (https://w
ww.zeit.de/news/2021-12/10/rueckgaben-von-benin-bronzen-roth-
bringtmuseen-zusammen?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com
%2F, letzter Abruf: 15. Dezember 2021; bitte auch angeben, ob aus der
Aussage der Kulturstaatsministerin Claudia Roth geschlossen werden
muss, dass rechtliche Schranken oder die Frage der Verjährung von
Ansprüchen im Hinblick auf Restitutionsfragen für die Bundesregierung
keine Rolle mehr spielen, sondern ausschließlich moralische Erwägungen)?
Berlin, den 4. Januar 2022
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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