Artefakte aus dem historischen Königreich Benin in Sammlungen nigerianischer Museen
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Im Juli 2021 erklärte der Direktor der Nigerianischen Kommission für Museen und Denkmäler (NCMM), Prof. Abba Isa Tijani, dass das geplante neue Edo Museum of West African Art (EMOWAA), das Kunstwerke aus dem historischen Königreich Benin, die sich derzeit noch „in internationalen [und damit auch deutschen, Anmerkung der Fragesteller] Sammlungen“ befinden, „wieder zusammenführen“ soll, für Nigeria „die Rückgewinnung“ kultureller Identität symbolisiere. „Viele Nigerianer haben diese Objekte in ihrem Leben noch nie gesehen“, betonte Prof. Abba Isa Tijani. „Es wird wirklich eine große Errungenschaft in ihrem Leben sein.“ (https://www.dw.com/de/raubkunst-benin-bronzen-rueckgabe/a-58192697; letzter Zugriff: 1. Februar 2022).
Diese Auskunft ist nach Ansicht der Fragesteller deshalb erstaunlich, weil sich in den Museen Nigerias laut den Ausführungen des englischen Publizisten Barnaby Phillips (in seinem Buch „Loot. Britain and the Benin Bronzes“ [Loot], 2021, S. 233 f.) rund 500 Benin-Bronzen (ca. 270 allein im Nationalmuseum Lagos) befinden (in den 80er-Jahren katalogisiert); Zehntausende von Artefakten lagerten in Archiven, allerdings unter nicht sachgemäßen Bedingungen (Stand: 2018/2019; Loot, S. 234, FN S. 329). Diese Sammlungen wurden in den 50er- und 60er-Jahren vor allem von britischen Kuratoren aufgebaut (Loot, S. 217 ff.). Insbesondere der britische Archäologe Kenneth C. Murray trug dazu bei, „eine bemerkenswerte Sammlung aufzubauen, die heute zu den besten weltweit zählt“ (Barbara Plankensteiner, The Benin Treasures. Difficult legacy and contested heritage, S. 133 bis 155, hier: S. 141; in: Brigitta Hauser-Schäublin, Lyndel V. Prott, Cultural Property and Contested Ownership. The trafficking of artefacts and the quest for restitution, 2016; Übersetzung durch die Fragesteller).
Vor diesem Hintergrund ist nach Auffassung der Fragesteller die o. g. Aussage des Direktors der NCMM zumindest bemerkenswert, es gehe mit Blick auf die im Raum stehende Rückgabe der Benin-Bronzen um „die Rückgewinnung“ kultureller Identität. Jedem Nigerianer ist es jetzt bereits möglich, sich anhand der Sammlungen im eigenen Land ein Bild von dem kulturellen Erbe des historischen Königreichs Benin zu machen. Diese Möglichkeit aber wird offenbar nur sehr spärlich wahrgenommen, wie die nigerianische Tageszeitung „Guardian“ im Mai 2019 berichtete: „Abgesehen von den kleinen Schildern, die am Hauptgebäude des Museums angebracht sind, und den wenigen der in Kunst- und Kulturangelegenheiten Eingeweihten, könnte man den Ort [ Nationalmuseum in Lagos, Anmerkung der Fragesteller], an dem sich Nigerias größte Artefaktensammlung befindet, durchaus mit einem Friedhof verwechseln“ (https://guardian.ng/news/with-300-items-on-display-47000-in-store-national-museum-lagos-begs-for-attention/; letzter Zugriff: 1. Februar 2022; Übersetzung durch die Fragesteller).
Zu diesem in diesem Artikel festgestellten allgemeinen Desinteresse passt nach Auffassung der Fragesteller auch der Zustand des Nationalmuseums in Lagos, über das der „Guardian“ im selben Artikel berichtete: „Als ,The Guardian‘ letzte Woche anlässlich des Internationalen Museumstages das Museum besuchte, wurde festgestellt, dass die drei Flügel der 1957 errichteten Galerie undichte Dächer hatten und das Wasser nach einem Regenschauer auf den Boden tropfte. Auch die Bibliothek, in der sich Tausende von Büchern befinden, wurde von der Fäulnis nicht verschont. Das Trio aus Archiv-, Bibliotheks- und Museumsbereich war noch nicht digitalisiert worden.“
Dr. Kolawole Oseni, Direktor des Lagos State Records and Archives Bureau, wird in diesem Artikel (s. o.) abschließend mit folgenden Worten zitiert: „Ich habe in anderen Teilen der Welt Museen besucht, und normalerweise ist es der erste Ort, an den mich mein Gastgeber mitnimmt. Diese Museen sind wie ein Kompass oder ein GPS. Sie geben Orientierung in der Geschichte des Landes und der Gemeinschaft […] Weist irgendeines unserer Museen in Nigeria diese Qualitäten auf? Nein.“
Die Rückgabe von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin aus europäischen Sammlungen dürfte demnach keineswegs „eine große Errungenschaft“ im Leben „vieler Nigerianer“ sein (vgl. https://www.dw.com/de/raubkunst-benin-bronzen-rueckgabe/a-58192697). Das gilt offenbar nur für eine kleine Schicht von Interessierten, denen in westlichen Medien nach Ansicht der Fragesteller aber viel Aufmerksamkeit zuteilwird.
Dessen ungeachtet hat die Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth am 11. Januar 2022 in einer Videokonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern von Museen und Einrichtungen sowie des Auswärtigen Amts, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände nochmals bekräftigt, Benin-Bronzen aus deutschen Museumssammlungen zurückgeben zu wollen (https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/konferenz-zum-umgang-mit-den-benin-bronzen-kulturstaatsministerin-roth-rueckgaben-sind-ausgangspunkt-fuer-kuenftige-kooperationen--1995926; letzter Zugriff: 1. Februar 2022), und zwar vor dem Hintergrund „der historischen Verantwortung, die sich aus der Zeit des deutschen Kolonialismus“ ergebe (Antwort zu Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 20/478). Geplant sind „substanzielle Rückgaben“ (https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/aktuelles/bund-laender-und-kommunale-spitzenverbaende-sprechen-sich-fuer-eine-fortfuehrung-des-kulturpolitischen-spitzengespraechs-aus-undverstaendigen-sich-auf-weiteres-vorgehen-zu-benin-bronzen-1965812; letzter Zugriff: 1. Februar 2022).
Mit Blick auf die geplante Eigentumsübertragung von Benin-Bronzen an Nigeria erklärte die Bundesregierung, dass nach erfolgter Rückgabe „ausschließlich die nigerianische Seite“ darüber entscheide, „an wen […] die Benin-Bronzen zurückgegeben“ werden und es ihr auch allein obliege, „Sorge für die Objekte zu tragen“ (Antworten zu den Fragen 8 und 9 auf Bundestagsdrucksache 20/478). Mit anderen Worten: Die Bundesregierung beabsichtigt hinsichtlich der Eigentumsfragen in Nigeria eine bedingungslose Rückgabe wertvoller Kunstschätze aus deutschen Sammlungen an Nigeria. Ein intensiver „Dialog auf Augenhöhe mit den Herkunftsgesellschaften“ sieht aus Sicht der Fragesteller anders aus (https://www.preussischer-kulturbesitz.de/schwerpunkte/provenienzforschung-und-eigentumsfragen/alle-news-provenienzforschung-und-eigentumsfragen/news-detail-provenienzforschung/artikel/2021/03/24/spk-stiftungsrat-zum-umgang-mit-benin-bronzen.html; letzter Zugriff: 1. Februar 2022).
Stattdessen muss sich die Bundesregierung von nigerianischer Seite sogar noch vorwerfen lassen, die Rückgabe nicht unbürokratisch genug zu betreiben. So hielt der nigerianische Botschafter in Berlin, Yusuf Tuggar, der Bundesregierung „Pedanterie“ vor, die „keine angemessene Antwort auf kolonialen Diebstahl“ sei und forderte sie laut Medienberichten zu „mehr Beweglichkeit“ auf (https://www.tagesspiegel.de/politik/diplomatisches-verwirrspiel-um-die-benin-bronzen-nigeria-wirft-bundesregierung-pedanterie-im-raubkunst-streit-vor/26792676.html; letzter Zugriff: 1. Februar 2022).
Aus Sicht der Fragesteller ist es aus diesen Gründen dringend angezeigt, in den Verhandlungen mit Nigeria über eine Eigentumsübertragung von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin in deutschen Sammlungen von einer hinsichtlich der Eigentumsfragen in Nigeria bedingungslosen Rückgabe abzusehen und sie dahin gehend noch einmal grundsätzlich zu überdenken, ob es nicht andere Formen – wie z. B. befristete Leihgaben an das geplante EMOWAA – gibt, der „historischen Verantwortung“ (Antwort zu Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 20/478), mit der die Bundesregierung die hinsichtlich der Eigentumsfragen in Nigeria bedingungslose Rückgabe begründet, gerecht zu werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen19
Kann die Bundesregierung bestätigen, dass sich in Nigeria eine der heute weltweit „besten Sammlungen“ (Barbara Plankensteiner, S. 141, siehe Vorbemerkung der Fragesteller) mit Artefakten aus dem historischen Königreich Benin, darunter 500 Benin-Bronzen, befindet (bitte erläutern, warum die Bundesregierung diese Einschätzung teilt oder nicht teilt)?
Kann die Bundesregierung zu den ca. 500 Benin-Bronzen, die sich in nigerianischen Museumssammlungen befinden, nähere Angaben machen (bitte in diesem Zusammenhang auch erläutern, sofern die Bundesregierung hierüber Kenntnisse hat, wie viele dieser Benin-Bronzen vor 1897, dem Ende des historischen Königreichs Benin, entstanden sind)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, dass zehntausende Artefakte in Archiven des Nationalmuseums in Lagos nicht sachgemäß gelagert würden (https://guardian.ng/news/with-300-items-on-display-47000-in-store-national-museum-lagos-begs-for-attention/; letzter Zugriff: 1. Februar 2022)?
Wenn ja, hat die Bundesregierung hieraus Schlussfolgerungen im Hinblick auf die beabsichtigte Rückgabe der Benin-Bronzen gezogen (bitte ggf. erläutern, welcher Art diese Schlussfolgerungen sind)?
Hat die Bundesregierung den Zustand in den Lagern nigerianischer Museen auch mit Blick auf die beabsichtigte Zwischenlagerung zurückgegebener Artefakte in den bisherigen Verhandlungen mit Nigeria thematisiert?
Wenn ja, kann die Bundesregierung darlegen, wie die nigerianische Seite hierauf reagiert hat (bitte auch erläutern, ob die nigerianische Seite glaubhaft machen konnte, dass die Artefakte, die nach dem Willen der Bundesregierung zurückgegeben werden sollen, sachgemäß gelagert werden)?
Kann die Bundesregierung angeben, ob im Rahmen des Programms TheMuseumsLab, das auch dem „Wissensaustausch für afrikanische und europäische Museumsnachwuchskräfte“ dienen soll und an dem nach Auskunft der Bundesregierung vier nigerianische Museumsexperten beteiligt waren (Antwort zu Frage 20 auf Bundestagsdrucksache 20/478), die Zustände in nigerianischen Museen ein Thema waren?
a) Wenn ja, in welcher Form wurden die Zustände in nigerianischen Museen thematisiert?
b) Wenn nein, kann die Bundesregierung Angaben darüber machen, warum die Zustände in nigerianischen Museen nicht thematisiert wurden (bitte ausführen)?
Kann die Bundesregierung erläutern, in welchem Zusammenhang mit dem deutschen Kolonialismus der Erwerb von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin Ende des 19. Jahrhunderts durch deutsche Museen steht (Antwort zu Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 20/478; bitte auch erläutern, ob die Bundesregierung in dem Ankauf dieser Artefakte durch deutsche Museen eine unrechtmäßige Handlung sieht, und wenn ja, aufgrund welcher Argumente)?
Kann die Bundesregierung erläutern, aufgrund welcher Prämissen aus der „historischen Verantwortung“, von der die Bundesregierung spricht, eine hinsichtlich der Eigentumsfragen in Nigeria bedingungslose Rückgabe von über 1 000 Artefakten aus dem historischem Königreich Benin in deutschen Museumssammlungen abzuleiten ist (Antwort zu Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 20/478; bitte in diesem Zusammenhang auch erläutern, warum die Bundesregierung die über 100-jährige kuratorische Arbeit, die in Deutschland mit Blick auf die Artefakte aus dem historischen Königreich Benin geleistet wurde, nicht als Verpflichtung empfindet, in der geplanten Rahmenvereinbarung zumindest ein Mitspracherecht im Hinblick auf den weiteren Umgang mit diesen wertvollen Objekten nach einer Rückgabe sicherzustellen, vgl. Antwort zu Frage 9 auf Bundestagsdrucksache 20/478)?
Kann aus der Auskunft der Bundesregierung, dass die „Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit (…) Teil einer aktiven, demokratischen und glaubwürdigen Politik innerhalb Deutschlands und gegenüber ihren internationalen Partnern“ ist, geschlossen werden, das hiermit auch die hinsichtlich der Eigentumsfragen in Nigeria bedingungslose Rückgabe von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin in deutschen Museumssammlungen begründet wird (Antwort zu Frage 3 auf Bundestagsdrucksache 20/478; bitte auch erläutern, warum die hinsichtlich der Eigentumsfragen in Nigeria bedingungslose Rückgabe der o. g. Artefakte ein Kriterium „glaubwürdiger Politik“ ist)?
Sieht die Bundesregierung einen Widerspruch zwischen der avisierten hinsichtlich der Eigentumsfragen in Nigeria bedingungslosen Rückgabe der Artefakte aus dem historischem Königreich Benin aus deutschen Museen und ihrer Ankündigung, einen „Dialog auf Augenhöhe mit den Herkunftsgesellschaften“ führen zu wollen (https://www.sueddeutsche.de/politik/kulturpolitik-deutschlands-koloniale-verantwortung-dpa.urn-newsml-dpacom-20090101-180716-99-172607; letzter Zugriff: 1. Februar 2022)?
Wenn nein, kann die Bundesregierung erläutern, was sie unter einem „Dialog auf Augenhöhe“ versteht?
Kann die Bundesregierung darlegen, warum sie vor dem Hintergrund der Absicht, einen „Dialog auf Augenhöhe mit den Herkunftsgesellschaften“ (siehe Frage 9) führen zu wollen, keinen Einfluss darauf zu nehmen gedenkt, an wen genau die Benin-Bronzen in Nigeria zurückgegeben werden (bitte hier auch erläutern, aus welchen Gründen heraus die Frage des Umgangs mit den Benin-Bronzen nach erfolgter Rückgabe „ausschließlich durch die nigerianische Seite zu klären ist“, vgl. Antwort zu Frage 8 auf Bundestagsdrucksache 20/478)?
Ist der Bundesregierung ein Bericht auf den Internetseiten des Goethe-Instituts bekannt, nach der britische Museumskuratoren wie auch ihre Kollegen in Museen in Europa und den USA erkannt haben, „dass ihnen das nötige Rüstzeug fehlt, um die Feinheiten des politischen Systems in Nigeria zu durchdringen, in dem der Oba von Benin, die Regierung des Bundestaats Edo und die nigerianische Bundesregierung jeweils eigene Positionen verfolgen, die nicht immer miteinander übereinstimmen“ (https://www.goethe.de/ins/ng/de/kul/mag/22450380.html; letzter Zugriff: 25. Februar 2022)?
Wenn ja, welche Schlussfolgerungen hat die Bundesregierung hieraus im Hinblick auf die Rückgabeverhandlungen gezogen (bitte auch erläutern, warum die Bundesregierung dennoch der Meinung ist, dass die Frage des Umgangs mit den Benin-Bronzen nach erfolgter Rückgabe „ausschließlich durch die nigerianische Seite zu klären ist“, vgl. Antwort zu Frage 8 auf Bundestagsdrucksache 20/478)?
Wenn nein, beabsichtigt die Bundesregierung, dieses Thema gegenüber der nigerianischen Seite zur Sprache zu bringen?
Ist der Bundesregierung die Aussage von Omotayo Adeboye, der Kuratorin des Nationalmuseums Lagos, bekannt, wonach das Nationalmuseum von der nigerianischen Regierung nicht ausreichend finanziert werde und die nigerianische Öffentlichkeit an historischen Vorgängen eher uninteressiert sei (https://guardian.ng/news/with-300-items-on-display-47000-in-store-national-museum-lagos-begs-for-attention/; letzter Zugriff: 1. Februar 2022; bitte auch erläutern, ob hier ein Grund dafür vorliegt, dass die Bundesregierung beabsichtigt, sich an der „Förderung der musealen Infrastruktur in Benin-City zu beteiligen“, vgl. Antwort zu Frage 11 auf Bundestagsdrucksache 20/478)?
Wie begründet die Bundesregierung ihre Absicht, sich an der „Förderung der musealen Infrastruktur in Benin-City zu beteiligen“ (Antwort zuf Frage 11 auf Bundestagsdrucksache 20/478), vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Nigeria ein Erdölförderland ist, das mit Blick auf die notwendigen Finanzmittel selbst ggf. in der Lage wäre, seinem Kulturerbe ein entsprechendes museales Umfeld zu schaffen (https://www.heise.de/tp/features/Nigerias-Erdoel-4333089.html; letzter Zugriff: 10. Februar 2022)?
Kann die Bundesregierung vor dem Hintergrund, einen „Dialog auf Augenhöhe“ führen zu wollen (siehe Frage 8), darlegen, ob und ggf. in welcher Form sich Nigeria, die größte Volkswirtschaft Afrikas (https://de.statista.com/infografik/26430/afrikanische-laender-mit-dem-hoechsten-bip/#:~:text=Nigeria%20ist%20innerhalb%20der%20letzten,%2C3%20Milliarden%20US%2DDollar), an den einschlägigen kostenintensiven Provenienzforschungen im Zusammenhang mit den Benin-Bronzen beteiligt (https://www.monopol-magazin.de/gelder-fuer-provenienzforschung-von-benin-bronzen; letzter Zugriff: 1. Februar 2022)?
(wenn sich Nigeria beteiligt, bitte erläutern, in welcher Form das geschieht, wenn nicht, bitte die Gründe dafür nennen)?
Ist der Bundesregierung bekannt, ob es in Nigeria eine Aufarbeitung jener Phasen in der jüngsten Geschichte dieses Staates gibt, in der es – u. a. im Nachgang zum Biafra-Krieg – einen derart massiven Diebstahl von Kulturgütern (auch aus Museen) gab, dass der damalige nigerianische Kulturminister Walter Ofonagoro 1996 die Sorge äußerte, dass „wir unser kulturelles Erbe in einem so alarmierenden Tempo“ verlören, „dass wir unseren Nachkommen möglicherweise keine kulturellen Werte mehr hinterlassen können“ (Barnaby Phillips, „Loot. Britain and the Benin Bronzes“, 2021, S. 231), und Frank Willet, der ehemalige Direktor des Hunterian Museum in Glasgow, im Jahre 2000 davor warnte, Artefakte nach Nigeria zu restituieren, weil die „Korruption im Land endemisch“ sei (https://www.theartnewspaper.com/2000/10/01/dont-return-artefacts-to-nigeria-says-expert; letzter Zugriff: 2. Februar 2022; Übersetzung durch die Fragesteller)?
a) Wenn ja, kann die Bundesregierung die Form der Aufarbeitung und die Konsequenzen, die mit Blick auf die Bewahrung des kulturellen Erbes Nigerias hieraus bisher gezogen wurden, erläutern (bitte auch erläutern, inwieweit diese Phase des Verlustes von Kulturerbe Thema in den nigerianischen Leitmedien ist)?
b) Wenn nein, beabsichtigt die Bundesregierung, dieses Thema gegenüber der nigerianischen Seite zur Sprache zu bringen?
Ist der Bundesregierung vor dem Hintergrund der in der Frage 15 thematisierten Verluste von nigerianischem Kulturgut durch Diebstahl in der jüngsten Geschichte Nigerias bekannt, ob es Rückgabe- oder Entschädigungsforderungen an die Adresse jener gab, die finanziell vom Diebstahl von Kulturgut profitierten?
a) Wenn ja, kann die Bundesregierung in diesem Zusammenhang konkret Fälle nennen?
b) Wenn nein, beabsichtigt die Bundesregierung, die nigerianische Seite hierauf anzusprechen?
Wie beurteilt die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Frage 16 die heutige Sicherheitslage nigerianischer Museen, und zwar auch im Hinblick auf die beabsichtigte Restitution von Artefakten aus deutschen Sammlungen, die von „unschätzbarem Wert“ sind (https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2021/04/benin-bronzen-berlin-humboldt-forum-nigeria-stiftung-preussischer-kulturbesitz.html; letzter Zugriff: 25. Februar 2022)?
(bitte auch erläutern, ob die Sicherheitslage nigerianischer Museen Gegenstand bisheriger Verhandlungen war)?
Gab es nach Kenntnis der Bundesregierung bisher seitens der nigerianischen Verhandlungspartner Anfragen nach historischen Foto- oder Audioaufnahmen in den Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die im Zusammenhang mit dem historischen Königreich Benin stehen und damit von Interesse im Hinblick auf die kulturelle Identität Nigerias sein könnten?
Wenn ja, kann die Bundesregierung präzisieren, was genau hier für die nigerianischen Verhandlungspartner von Interesse war?
Hat die Bundesregierung in ihren Verhandlungen mit der nigerianischen Seite über eine Rückgabe von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin in deutschen Museumssammlungen die Möglichkeit ins Spiel gebracht, diese Artefakte als befristete Leihgaben für das geplante EMOWAA zur Verfügung zu stellen und keine Eigentumsübertragung an Nigeria vorzunehmen?
a) Wenn ja, kann die Bundesregierung darlegen, wie die nigerianische Seite hierauf reagiert hat (bitte darlegen)?
b) Wenn nein, kann die Bundesregierung darlegen, warum sie diese Option bisher in den Verhandlungen nicht thematisiert hat (bitte entsprechend ausführen)?