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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Begleitende Ernährungsbildung in Deutschland durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

(insgesamt 19 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

31.03.2022

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 20/90303.03.2022

Begleitende Ernährungsbildung in Deutschland durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Bereits im Kindes- und Jugendalter können Übergewicht und Fettleibigkeit das Risiko erhöhen, im späteren Erwachsenenleben negative gesundheitliche Beeinträchtigungen wie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und oder eine Stoffwechselerkrankung zu entwickeln (https://publications.aap.org/pediatrics/article/146/2/e20193666/36843/Body-Mass-Index-From-Early-to-Late-Childhoodand).

Laut einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) des Robert Koch-Instituts (RKI) aus den Jahren 2014 bis 2017 waren zur damaligen Zeit 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig, wobei 6 Prozent dieser Kinder und Jugendlichen bereits eine Adipositas, also eine Fettleibigkeit entwickelt hatten (https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/Journal-of-Health-Monitoring_01_2018_KiGGS-Welle2_erste_Ergebnisse.pdf?__blob=publicationFile).

Während sich unter den Teilnehmern zwischen Jungen und Mädchen keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Körpergewichts ergaben, zeigte sich jedoch, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien rund viermal häufiger stark übergewichtig waren als Gleichaltrige mit hohem sozialökonomischem Status (ebd. RKI, KiGGS Welle 2).

Vergleiche mit der ersten Datenerhebung zur Kinder- und Jugendgesundheit in Deutschland (KiGGS Basiserhebung, 2003 bis 2006) zeigten, dass zehn Jahre danach genauso viele Kinder und Jugendliche übergewichtig und fettleibig waren und die Werte sich somit auf einem hohen Niveau stabilisiert hatten (https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Kiggs/Basiserhebung/Ergebnisbroschuere.pdf?__blob=publicationFile). Da der Sozialstatus einer Person unter anderem mit der schulischen und beruflichen Bildung korreliert, bestand die Annahme, dass das deutsche Bildungssystem erhebliche Defizite im Bereich der Ernährungsbildung aufzeigte. Demzufolge gab das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Jahr 2016 eine Studie in Auftrag, die den damaligen Stand der ernährungsbezogenen Bildungsarbeit in Einrichtungen der Kindes- und Jugendbetreuung analysieren und bewerten sollte (https://www.nqz.de/fileadmin/nqz/publikationsdateien/StudieErnaehrungsbildunglang.pdf).

Die Ergebnisse der Studie „Ernährungsbezogene Bildungsarbeit in Kitas und Schulen“ zeigten zwar, dass die Themen Essen und Ernährung in den Bildungsplänen für Kita und Schulen verankert waren, das Angebot an Fortbildungen für Erzieher und Lehrende aber häufig nicht ausreichte, um den Mangel in der Ausbildung zu kompensieren (https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/152-studie-ernaehrungsbildung.html;jsessionid=03CC9111DA14A433A01850C6DA273A08.live921). Zudem wiesen Lehrbücher häufig fachliche Mängel auf (ebd.). Infolgedessen schuf die ehemalige Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner ein eigenes Referat Ernährungsbildung in der ihr nachgeordneten Behörde der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit dem Ziel, die Bundesländer bei der Verankerung der Ernährungsbildung in Ausbildung und Schullaufbahn begleitend zu unterstützen (https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/235-konzept-ernaehrungsbildung.html).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen19

1

Wie viele Bildungseinrichtungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung die Fortbildungsangebote des Referats Ernährungsbildung seit der Gründung in Anspruch genommen (bitte nach Jahr, Bildungs- und Betreuungseinrichtung, Anzahl der Teilnehmer und Art der Fortbildung aufschlüsseln)?

2

Plant die Bundesregierung eine fortwährende Erweiterung der Angebote des Referats Ernährungsbildung, und wenn ja, welche Schwerpunkte sollen zusätzlich realisiert werden, und wann sollen diese integriert werden?

3

Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung gezielt nach Bekanntwerden der Ergebnisse der Studie „Ernährungsbezogene Bildungsarbeit in Kitas und Schulen“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) ins Leben gerufen?

4

In welcher Höhe belaufen sich die finanziellen Mittel, die seit der Gründung des Referats Ernährungsbildung innerhalb des Kompetenz- und Kommunikationszentrums für Ernährungsfragen (BZfE) als Untereinheit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bereitgestellt wurden (bitte nach Jahr, Zweck und Höhe der Ausgaben aufschlüsseln)?

5

Wie viele Beschäftige stehen dem Referat Ernährungsbildung nach Kenntnis der Bundesregierung zur Verfügung?

6

Welche weiteren Ziele verfolgt das Referat Ernährungsbildung in der 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages?

7

Beabsichtigt die Bundesregierung, eine Folgestudie zur ernährungsbezogenen Bildungsarbeit in Kitas und Schulen in Auftrag zu geben, um die Wirksamkeit der Angebote des Referats Ernährungsbildung zur Stärkung der Ernährungsbildung im Setting Kita und Schule zu evaluieren?

a) Wenn ja, welche Institution soll mit der Durchführung der Studie beauftragt werden, und wann soll damit begonnen werden?

b) Wenn nein, wie soll stattdessen die Effektivität der Qualifizierung von Pädagogen im Bereich der Ernährungsbildung bestimmt werden?

8

Wie hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten Jahren nach Erhebung der Daten zur KiGGS Welle 2 entwickelt (bitte nach Merkmalen wie Geschlecht, Alter, sozioökonomischer Familienstatus und Migrationshintergrund aufschlüsseln)?

9

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele der Kinder und Jugendlichen in Frage 8 eine Begleiterkrankung in Form einer Herz-Kreislauf- und oder Stoffwechselerkrankung infolge des Übergewichts entwickelt haben, und wenn ja, wie hoch sind die absoluten Zahlen der Komorbiditäten im Verhältnis zur Grunderkrankung, und welche Art der Folgeerkrankung ist hier zu nennen?

10

Welche Aufklärungs- und Informationskampagnen hat die Bundesregierung zum Thema „Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen“ in den letzten Jahren nach Erhebung der Daten zu KiGGS Welle 2 ggf. initiiert und oder mitfinanziert (bitte nach Zielgruppen, Höhe der Förderung und Haushaltstitel aufschlüsseln)?

11

Welche Aufklärungs- und Informationskampagnen plant die Bundesregierung zum Thema Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in der aktuellen 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages durchzuführen?

12

Mit welchen Partnern in der Wirtschaft und Industrie kooperiert die Bundesregierung zum Thema „Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen“ ggf. (bitte auch die Kooperationsvereinbarung, Beginn, Ende, etc. mitbenennen)?

13

Mit welchen Partnern aus der Bildung kooperiert die Bundesregierung zum Thema „Übergewicht bei Jugendlichen und Kindern“ (bitte auch die Kooperationsvereinbarung, Beginn, Ende, etc. mitbenennen)?

14

Wie viele Erwachsene gelten nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland aktuell als übergewichtig, und wie haben sich die Zahlen der übergewichtigen Menschen in Deutschland innerhalb der Corona-Pandemie seit dem Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt (bitte nach Zeit, Altersgruppen der Erwachsenen, Geschlecht, sozioökonomischem Status und Migrationshintergrund aufschlüsseln)?

15

Wie viele Erwachsene gelten nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland derzeit als adipös, und wie haben sich die Zahlen der adipösen Menschen in Deutschland innerhalb der Corona-Pandemie seit dem Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt (bitte nach Zeit, Altersgruppen der Erwachsenen, Geschlecht, sozioökonomischem Status und Migrationshintergrund aufschlüsseln)?

16

Wie viele Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene mit einer diagnostizierten Adipositas befanden sich nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2019 in einer stationären Einrichtung (bitte nach Alter, Geschlecht, Dauer des Aufenthalts aufschlüsseln)?

17

Wie viele Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene mit einer diagnostizierten Adipositas befanden sich nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2019 in einer Rehabilitationsmaßnahme (bitte nach Alter, Geschlecht, Dauer des Aufenthalts aufschlüsseln)?

18

Welche Maßnahmen gegen Übergewicht und Fettleibigkeit hat die Bundesregierung in der zurückliegenden 19. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages ergriffen?

a) Welche dieser Maßnahmen war dabei gezielt an Kinder und Jugendliche mit Übergewicht gerichtet?

b) In welcher Höhe belaufen sich die finanziellen Mittel, die dafür aufgewendet wurden?

c) Welche Erfolge konnte die Bundesregierung durch die angewendeten Maßnahmen in der 19. Legislaturperiode verzeichnen?

19

Welche Maßnahmen gegen Übergewicht und Adipositas beabsichtigt die Bundesregierung in der 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages zu ergreifen?

a) Welche dieser Maßnahmen sind dabei explizit an Kinder und Jugendliche mit Übergewicht gerichtet?

b) Wie hoch sind die finanziellen Mittel, die die Bundesregierung für die beabsichtigten Maßnahmen insgesamt bereitstellen möchte?

c) Wie hoch sind die finanziellen Mittel, die die Bundesregierung für Maßnahmen gegen Übergewicht und Fettleibigkeit aufwenden möchte und gezielt an Kinder und Jugendliche gerichtet sind?

Berlin, den 2. März 2022

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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