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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Disability Studies in Deutschland

(insgesamt 12 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

24.03.2022

Antwortdauer

14 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 20/95310.03.2022

Disability Studies in Deutschland

der Abgeordneten Sören Pellmann, Dr. André Hahn, Nicole Gohlke, Gökay Akbulut, Clara Bünger, Anke Domscheit-Berg, Jan Korte, Ina Latendorf, Cornelia Möhring, Petra Pau, Dr. Petra Sitte, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Die Corona-Pandemie und die darauf reagierenden Maßnahmen erschwerten die Teilhabebedingungen am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit Behinderungen stark. Viele von ihnen fallen unter die „vulnerablen Gruppen“. Andere gehen wegen der Ansteckungsgefahr „freiwillig“ in eine Art Selbstisolation. Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen unterlagen mehreren, strengen Kontaktbeschränkungen. Selbstbestimmt in der eigenen Wohnung lebende Menschen mit Behinderungen haben große Schwierigkeiten, pandemiekonforme Arbeitsbedingungen herzustellen bzw. geeignete Assistenzpersonen zu finden.

All diese aktuellen Umstände sowie die Geschichte des Lebens mit Behinderungen, die Emanzipation vom „aussätzigen Krüppel“ über medizinisches „Sorgenkind“ zum mündigen Menschenrechts-Subjekt oder der Übergang zu organisierter Selbstvertretung und viele weitere Aspekte der freien Persönlichkeitsentfaltung, der Schaffung umfassender Barrierefreiheit und der selbstbestimmten Teilhabeermöglichung usw. sind Gegenstand der Disability Studies. Die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) und die UN-Nachhaltigkeitskriterien (SDGs) sind häufig die politischen Ankerpunkte, von denen man ausgeht bzw. an die angeknüpft wird. Dennoch fristen nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller die Disability Studies in Deutschland noch immer eher ein Schattendasein. Insbesondere die eigentlich notwendige – inhaltliche und organisatorische – Verknüpfung mit anderen Forschungsbereichen und Lehrplänen ist häufig unzureichend.

Dies wird u. a. deutlich in den Bundesberichten Forschung und Innovation 2020 (Bundestagsdrucksache 19/19310), 2018 (Bundestagsdrucksache 19/2600) und 2014 (Bundestagsdrucksache 18/1510) sowie in dem Bericht der Bundesregierung zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2017 bis 2018 (Bundestagsdrucksache 19/15360 (neu)), in denen die Disability Studies überhaupt nicht vorkommen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Welchen Stellenwert misst die Bundesregierung den Disability Studies in Deutschland bei?

2

Wie viele und welche Forschungsvorhaben von Disability Studies förderte die Bundesregierung seit 2000 (bitte die jeweils fördernden Bundesministerien mit Nennung des Vorhabens, der geförderten Institution, des jeweiligen Zeitraums und der Höhe der Förderung nennen)?

3

Förderte der Bund darüber hinaus die 2002 gegründete Arbeitsgemeinschaft „Disability Studies in Deutschland“ (AGDS), die 2004 an der Universität zu Köln gegründete Internationale Forschungsstelle Disability Studies (iDiS), das 2005 an der Universität Hamburg gebildete Zentrum für Disability Studies (Zedis) sowie das 2018 an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Alice-Salomon-Hochschule Berlin gegründete deutschsprachige Netzwerk Disability Studies, und wenn ja, in welcher Weise?

4

An welchen Universitäten und Hochschulen existieren nach Kenntnis der Bundesregierung Disability-Studies-Fachbereiche bzw. Lehrstühle für Disability Studies (bitte nach Bundesländern und Hochschulstandort auflisten)?

5

Wie viele Professuren gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in den Fachbereichen bzw. an den Lehrstühlen Disability Studies, wie viele davon sind nach Kenntnis der Bundesregierung mit Frauen und wie viele von Menschen mit einer anerkannten Behinderung besetzt?

6

Wie viele der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer sind nach Kenntnis der Bundesregierung in den Fachbereichen bzw. an den Lehrstühlen Disability Studies tätig, wie viele davon haben nach Kenntnis der Bundesregierung selbst eine anerkannte Behinderung?

7

Wie viele weitere Angestellte (im akademischen Mittelbau) haben nach Kenntnis der Bundesregierung die o. g. Fachbereiche bzw. Lehrstühle, wie viele davon haben eine anerkannte Behinderung?

8

An welchen Universitäten und Hochschulen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung funktionierende inhaltliche und organisatorische Kooperationen mit anderen Fachbereichen? Welche Fachbereiche sind das?

9

Wie viele Studierende sind nach Kenntnis der Bundesregierung gegenwärtig in einem der o. g. Fachbereiche eingeschrieben (bitte nach Bundesländern, Haupt- und Nebenfach, behindert und nichtbehindert sowie nach Studierenden mit und ohne Assistenz aufschlüsseln)?

10

Wie viele Bachelor- und wie viele Masterarbeiten entstanden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2000 unter den Disability Studies in Deutschland, wie viele Promotionen konnten auf dem Gebiet erfolgreich abgeschlossen werden? Welches sind die wichtigsten Themen dieser Arbeiten?

11

Welche Anregungen, z. B. für Gesetze oder Verordnungen, konnten Disability-Studies-Forschungsergebnisse seit 2000 der Bundesregierung geben (bitte nach Bundesministerien aufschlüsseln)?

12

Welche (zusätzliche) Förderung erhalten Menschen mit Behinderungen (auch Studierende), um ihren persönlichen Assistenzpersonen die staatlich zugesagten Corona-Prämien auszahlen zu können?

Berlin, den 18. Februar 2022

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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