BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Frauengesundheit in den Fokus nehmen - Stand der Endometriose-Forschung in Deutschland

(insgesamt 23 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

20.10.2022

Aktualisiert

28.10.2022

Deutscher BundestagDrucksache 20/381505.10.2022

Frauengesundheit in den Fokus nehmen – Stand der Endometriose-Forschung in Deutschland

der Abgeordneten Heidi Reichinnek, Clara Bünger, Dr. Gesine Lötzsch, Pascal Meiser, Cornelia Möhring, Dr. Petra Sitte, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

In Deutschland sind Millionen Menschen mit Uterus von Endometriose betroffen, und trotzdem ist diese Krankheit in der Breite noch viel zu unbekannt. Endometriose ist die zweithäufigste Krankheit bei Frauen, fast jede zehnte ist betroffen und trotzdem dauert es im Schnitt zehn Jahre bis zur Diagnose. In seltenen Fällen können auch Männer von Endometriose betroffen sein. Aber weil Endometriose bisher wenig erforscht und bekannt ist, gibt es nur wenige Therapiemöglichkeiten. Aktuell können die Symptome oft nur mit Schmerzmitteln oder Hormonen gelindert werden oder durch die Entfernung der Gebärmutter bzw. des betroffenen Gewebes, das überall im Bauchraum wuchern kann (vgl. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/endometriosis).

Endometriose ist eine der Hauptursachen für ungewollte Kinderlosigkeit und bedeutet für die Betroffenen sehr viel Leid. Dabei sind andere Länder mit ihrer Endometriose-Forschung schon sehr viel weiter als Deutschland. Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP zwar vereinbart, dass sie Gendermedizin zum Teil der medizinischen Ausbildung machen will, erwähnt Endometriose aber mit keinem einzigen Wort. In Frankreich hingegen hat Präsident Emmanuel Macron den nationalen Kampf gegen Endometriose eingeläutet, eine umfassende Versorgung soll im ganzen Land sichergestellt werden und es soll mehr Geld für die Forschung geben. Auch in Australien ist man schon viel weiter. Nicht nur hat sich der Gesundheitsminister bereits vor Jahren bei allen Betroffenen entschuldigt, weil man sie so lange nicht ernst genommen hat, sondern er stellte auch 2,5 Mio. Dollar für die Forschung bereit und rief einen landesweiten Aktionsplan ins Leben. Seit der Veröffentlichung des Nationalen Aktionsplans wurden insgesamt 22,5 Mio. Dollar für Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit bereitgestellt (vgl. WD 9 - 3000 - 036/22, https://www.bundestag.de/resource/blob/902628/4c5f8ae58a1bc0ca64bfe69220162dd2/WD-9-036-22-pdf-data.pdf).

Nach Ansicht der Fragestellenden widmet sich die Bundesregierung dem Thema Frauengesundheit im Allgemeinen und Endometriose im Speziellen nicht mit der gebotenen Dringlichkeit, dabei sind von der Krankheit rund 190 Millionen Menschen im reproduktiven Alter weltweit betroffen (https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/endometriosis).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen23

1

Wie viele Menschen leiden nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell an Endometriose (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln)?

2

Ist es geplant, ähnlich wie in anderen Ländern, einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Endometriose zu verabschieden?

Wenn nein, wieso nicht?

3

Ist die Bundesregierung aktuell im Austausch mit internationalen Partnern, um sich im Bereich der Endometriose-Bekämpfung auszutauschen?

a) Mit welchen Ländern fand bereits Austausch statt (bitte nach Datum und Land auflisten)?

b) Falls nein, wieso nicht?

4

Ist ein bundesweites Förderprogramm geplant, um die Ursachen von Endometriose und neue Behandlungsmöglichkeiten zu erforschen?

Falls nein, wieso nicht?

5

Welche Förderprojekte wurden seit 2000 von der Bundesregierung mit dem Themenschwerpunkt Endometriose durchgeführt oder gefördert (bitte nach Förderhöhe und Bundesministerium aufschlüsseln)?

6

Welche konkreten finanziellen Mittel sind im Haushalt für das Jahr 2023 für das Thema Endometriose vorgesehen (bitte nach Einzelplan aufschlüsseln)?

7

Plant die Bundesregierung, Betroffene von Endometriose am Arbeitsplatz zu entlasten, z. B. durch flexiblere Regelungen für Homeoffice oder Teilzeit-Krankschreibungen?

8

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Betroffene jährlich aufgrund einer Endometriose ihre Arbeitszeiten reduzieren bzw. sich krankmelden?

9

Wie unterstützt die Bundesregierung Betroffene von Endometriose, die durch die Krankheit unter starken psychischen Belastungen leiden?

10

Plant die Bundesregierung selbst eine Aufklärungskampagne, um die Bevölkerung für Endometriose zu sensibilisieren?

a) Welche Haushaltsmittel sind dafür vorgesehen?

b) An welche Zielgruppe soll sich diese Kampagne richten?

c) Falls nein, wieso nicht?

11

Plant die Bundesregierung eine Aufklärungskampagne, um medizinisches Personal für Endometriose zu sensibilisieren?

a) Welche Haushaltsmittel sind dafür vorgesehen?

b) An welche Zielgruppe soll sich diese Kampagne richten?

c) Falls nein, wieso nicht?

12

Plant die Bundesregierung, weitere spezielle Endometriose-Zentren oder Endometriose-Sprechstunden einzurichten, die sich auf die Diagnose und Behandlung von Endometriose spezialisieren?

Falls nein, wieso nicht?

13

Ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Einrichtung weiterer zertifizierter Rehabilitationskliniken für von Endometriose Betroffene geplant?

14

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um in den geplanten 1 000 Gesundheitskiosken das Thema Frauengesundheit und Endometriose zu berücksichtigen?

15

Wie plant die Bundesregierung, die durchschnittlich zehn Jahre vom ersten Auftreten der Beschwerden bis zur Diagnosestellung effektiv zu verkürzen?

16

Was plant die Bundesregierung, um dem Missstand kurzfristig Rechnung zu tragen, dass während der Corona-Pandemie unzählige Operationen (OP), die nicht akut lebensnotwendig waren, darunter auch Endometriose-Operationen, verschoben wurden?

17

Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um dem immer noch reduzierten OP-Kontingent der Kliniken zu begegnen?

18

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, den aktuell kaum oder nur reduziert angebotenen Endometriose-Sprechstunden in Kliniken und Praxen zu begegnen, die eine direkte Auswirkung auf die Diagnosestellung und dringend erforderliche Behandlungen haben?

19

Ist geplant, zusätzliche Abrechnungsziffern für die Verbesserung der ambulanten Versorgung einzuführen?

20

Hat die Bundesregierung eine Einschätzung des volkswirtschaftlichen Schadens, der durch Endometriose jährlich entsteht?

Wenn ja, wie lautet diese?

Wenn nein, warum nicht?

21

Wie ist der aktuelle Umsetzungsstand des Vorhabens, Gendermedizin als Teil des Medizinstudiums und in der Aus- und Fortbildung von Gesundheitsberufen zu etablieren?

22

Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Förderung der Frauengesundheit (siehe Frauengesundheitsbericht des RKI 2020, https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/Gesundheitliche_Lage_der_Frauen_2020.pdf?__blob=publicationFile)?

23

Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Verringerung des Gender Health Gaps in der Medizin?

Berlin, den 30. September 2022

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen