Aktuelle Herausforderungen für den Wintersport
der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Der Wintersport in Deutschland steht nach Ansicht der Fragesteller unter Druck. Aus sehr unterschiedlichen Bereichen resultieren Herausforderungen, denen er sich ausgesetzt sieht. Es beginnt mit den veränderten klimatischen Bedingungen, die zu Schneemangel führen. Die Entwicklung führt perspektivisch eventuell dazu, dass in Gegenden, die heute noch als traditionelle Wintersportorte gelten, mittel- bis langfristig kein Skisport mehr ausgeübt werden kann. Dies belegt für den internationalen Vergleich eine aufsehenerregende Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass bereits in 30 Jahren in vielen ehemaligen Gastgeberstädten für Olympische Winterspiele (4 bis 9 von 21 untersuchten Orten kämen für das Austragen der Spiele noch in Betracht) kein Wintersport auf natürlicher Basis mehr möglich ist (https://www.deutschlandfunk.de/olympische-winterspiele-klimawandel-laesst-zahl-der-austragungsorte-schrumpfen-100.html).
Eine weitere Herausforderung ist die aktuelle Energiekrise: Energieintensive Wintersportanlagen wie Eislaufhallen oder Bobbahnen kämpfen um das Überleben; dies betrifft im Fall der Eishallen nicht nur den Leistungs-, sondern auch den Breitensport (https://www.zdf.de/nachrichten/sport/eishockey-hallen-energiekrise-100.html).
Großen Schwierigkeiten sehen sich nach Kenntnis der Fragesteller schließlich die Leistungssportverbände ausgesetzt: Finanzieller Druck entsteht durch die vom Bund nicht ausgeglichenen stetig steigenden Personalkosten, wie Vertreter der Leistungssportverbände den Fragestellern berichtet haben. Bei der Trainingsstättenförderung besteht kein Inflationsausgleich. Eine nicht nur im Wintersport vorhandene Herausforderung ist die ausufernde Bürokratie, die mit dem Vollzug des Potenzialanalysesystems PotAS verbunden ist (https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/landessportbuende-kritisieren-das-bestehende-sport-foerdersystem-18341428.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen21
Entwickelt die Bundesregierung Konzepte, um den Wintersport bei der Bewältigung des Klimawandels zu unterstützen, und wenn ja, welche (bitte nach einzelnen Ressorts differenzieren)?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung auf EU- bzw. internationaler Ebene abgestimmte Konzepte?
In welcher Höhe sind gegebenenfalls finanzielle Unterstützungsleistungen seitens der Bundesregierung geplant?
Inwieweit berücksichtigt die Bundesregierung den Umstand, dass durch den Klimawandel nicht nur der Wintersport im engeren Sinne, sondern auch die Wintersportorte gerade in ländlichen Räumen durch Verluste aufgrund des ausbleibenden Tourismus betroffen sind, wie Vertreter der Kommunen den Fragestellern in zahlreichen Gesprächen berichteten?
Beabsichtigt die Bundesregierung, Vereine, die internationale Profiwettkämpfe im Wintersportbereich austragen, wie beispielsweise den FIS (Fédération Internationale de Ski)-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen, durch Förderprogramme konkret im Bereich der Veranstaltungsorganisation zu unterstützen?
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit des Bundes mit den Regierungen der betroffenen Länder in dieser Angelegenheit (vgl. Frage 5)?
Steht die Bundesregierung hier mit den betroffenen Kommunen im Austausch, und wenn ja, in welcher Form?
Hat die Bundesregierung Kenntnis, wie viele Arbeitsplätze direkt und indirekt in Deutschland vom Wintersport abhängig sind?
Mit welchen Programmen unterstützt die Bundesregierung den Wintersport in der Energiekrise gegebenenfalls finanziell?
In welcher Höhe wird der Wintersport finanziell unterstützt?
Wurde der Wintersport in den Härtefallfonds des Bundes zur Linderung der finanziellen Folgen der Energiekrise aufgenommen?
Wenn nein, warum nicht, sieht die Bundesregierung keinen Unterstützungsbedarf für den Wintersport, und wie rechtfertigt die Bundesregierung ihre Untätigkeit auch vor dem Hintergrund, dass die Länder den Wintersport durchaus in ihre Härtefallfonds einbeziehen (https://www.blsv.de/news/sportvereine-profitieren-durch-weitreichende-beschluesse/)?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung konkret, um die Wintersportverbände von den durch die hohe Inflationsrate gestiegenen Kosten zu entlasten?
Hat die Bundesregierung Maßnahmen ergriffen, um bei der Förderung der Trainingsstätten im Wintersport einen Inflationsausgleich zu gewähren, und wenn ja, welche?
Teilt die Bundesregierung die Kritik der Sportverbände, dass das Instrument PotAS von überbordender Bürokratie gekennzeichnet ist?
Wenn ja, was unternimmt die Bundesregierung gegen die bürokratischen Strukturen von PotAS?
Wenn nein, wie erklärt sich die Bundesregierung, dass betroffene Verbände dieses Manko seit geraumer Zeit beklagen?
Wie steht die Bundesregierung Überlegungen gegenüber, alle Verbände „aus einem Topf“ zu fördern und damit die Unterscheidung zwischen Sommer- und Wintersportverbänden aufzugeben?
Inwieweit überlegt die Bundesregierung, das Fördersystem für die Wintersportathleten zu verändern?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Förderung der Nachwuchskader 2 durch die Länder?
Gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, die Förderung der Nachwuchskader 2 erneut zu übernehmen?
Welche Überlegungen stellt die Bundesregierung an, um eine angemessene Umsetzung der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zur Erfassung von Arbeitszeiten (https://www.bundesarbeitsgericht.de/presse/einfuehrung-elektronischer-zeiterfassung-initiativrecht-des-betriebsrats/) im Tätigkeitsbereich der Trainer zu gewährleisten?
Wie steht die Bundesregierung dazu, eine zeitnahe Bewerbung Deutschlands für Olympische Winterspiele zu unterstützen, um Sportlern, Vereinen und Standorten des Wintersports eine langfristige Perspektive zu geben, die über nationale Wettbewerbe und jährliche internationale Wettkämpfe hinausreicht?