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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Pädagogische und bildungstechnologische Herausforderungen sowie Möglichkeiten des Aufbaus von Governancestruktur der Nationalen Bildungsplattform

(insgesamt 5 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

22.03.2023

Aktualisiert

30.03.2023

Deutscher BundestagDrucksache 20/591407.03.2023

Pädagogische und bildungstechnologische Herausforderungen sowie Möglichkeiten des Aufbaus von Governancestruktur der Nationalen Bildungsplattform

der Abgeordneten Nicole Gohlke, Gökay Akbulut, Clara Bünger, Anke Domscheit-Berg, Dr. André Hahn, Susanne Hennig-Wellsow, Ina Latendorf, Cornelia Möhring, Petra Pau, Sören Pellmann, Martina Renner, Dr. Petra Sitte, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Mit der Nationalen Bildungsplattform will die Bundesregierung den Zugang zu digitalen Lehr- und Lernangeboten sämtlicher Bildungsbereiche ermöglichen. Dieses Infrastrukturprojekt kann die Bildungslandschaft maßgeblich mitgestalten und prägen. Im November 2022 wurde eine von Wikimedia Deutschland e. V. initiierte Konzeptstudie veröffentlicht, in der zugrunde gelegte bildungswissenschaftliche Werte bzw. Konzepte sowie die technologische und Governancestruktur der Nationalen Bildungsplattform untersucht wurden. Sie zeigt aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller auf, dass die Nationale Bildungsplattform einem Verständnis von Bildung und Lernen folgt, welches Bildung als Dienstleistung und Ware und rein zum Erwerb arbeitsmarktrelevanter Qualifikationen versteht (vgl. Wikimedia: Konzeptstudie Werte und Strukturen der Nationalen Bildungsplattform; Michael Seelmann et al., 2022).

Pädagogische Fragen haben bei der bisherigen Planung der Plattform offensichtlich kaum eine Rolle gespielt. Problematisch ist hierbei aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller auch, dass die wesentlichen infrastrukturellen Pfadentscheidungen vor Projektbeginn feststanden und aus rein technischpragmatischen Gründen in die Plattform integriert wurden. Es stellt sich nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller auch die Frage, inwieweit die Nationale Bildungsplattform soziale Disparitäten im digitalen Raum fortschreiben und verstärken wird. So können nach Meinung der Fragestellerinnen und Fragesteller vor allem ungleiche Bildungschancen durch die Algorithmisierung verstetigt und verfestigt werden. Eine große Leerstelle ist nach Einschätzung der Fragestellerinnen und Fragesteller zudem das Fehlen eines Konzeptes für die Governancestruktur und eines Betriebskonzeptes.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen21

1

Hat die Bundesregierung Kenntnis von der Ende 2022 veröffentlichten Konzeptstudie „Werte und Strukturen der Nationalen Bildungsplattform“ von Wikimedia Deutschland, und welche Schlussfolgerungen zieht sie ggf. daraus?

1

Werden die Empfehlungen aus der Studie Eingang in die weitere Arbeit zur Entwicklung der Nationalen Bildungsplattform finden, und wenn ja, welche Empfehlungen sollen dabei wie konkret berücksichtigt werden, insbesondere hinsichtlich der Themenfelder Barrierefreiheit, Transparenz der Anbieter zu Datenerhebung und Verarbeitung, pädagogischen Modelle, Finanzierungen und des aktuellen und des geplanten Einsatzes von KI sowie des vorgeschlagenen Userrats, und wenn nein, warum nicht?

1

Plant die Bundesregierung, aufgrund der Studienergebnisse den Projektplanungsprozess zu verändern und anzupassen, und wenn ja, welche Planungsprozesse sollen wie überarbeitet und verändert werden, und wenn nein, warum nicht?

1

Plant die Bundesregierung, Fachleute aus der Zivilgesellschaft in den Projektplanungs- und Projektumsetzungsprozess einzubeziehen? Welche Organisationen, Zusammenschlüsse, Vertretungen und potenziellen Anbieterinnen und Anbieter von Bildungsinhalten sind Teil der Fachgruppen, und wann werden diese aktiv? Plant die Bundesregierung, transparent zu machen, woran und mit wem in den Fachgruppen gearbeitet wird? Plant die Bundesregierung, Hinweise und Nominierungen an das Projektbüro zur Beteiligung an thematischen Fachgruppen zu schicken? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

2

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, inwieweit Open Educational Resources (OER) und Open Educational Practices bei der Weiterentwicklung der Nationalen Bildungsplattform einbezogen werden?

2

Welche Rolle spielt Open Source bei der Entwicklung der Nationalen Bildungsplattform (z. B. beim Code der Nationalen Bildungsplattform, bei der Produktentwicklung)?

2

Inwieweit soll eine solide Auffindbarkeit von freien Inhalten ermöglicht werden?

2

In welcher Phase befindet sich die Umsetzung der OER-Strategie? Wie sollen hierbei aus Sicht der Bundesregierung der Zeitraum und die nächsten Schritte zur Umsetzung der Strategie angelegt werden?

2

Plant die Bundesregierung eine Förderung, die auf der OER-Strategie aufbaut?

2

Welche konkreten Schlussfolgerungen und Maßnahmen zieht die Bundesregierung aus der vertiefenden Arbeit zur OER-Strategie, die beim OER-Camp im Oktober 2022 in Hamburg erfolgte?

3

Inwieweit will die Bundesregierung sicherstellen, dass mit der Nationalen Bildungsplattform soziale Disparitäten nicht in den digitalen Raum verlagert werden?

3

Mit welchen Maßnahmen will die Bundesregierung sicherstellen, dass infrastrukturelle Mechanismen in der Nationalen Bildungsplattform, wie beispielsweise durch Algorithmisierung von Empfehlungen, soziale Ungleichheiten nicht manifestieren bzw. einseitige Modelle idealtypischer Nutzenden in softwaretechnische Strukturen eingeschrieben werden?

3

Plant die Bundesregierung eine Evaluation der Nationalen Bildungsplattform oder Studien hinsichtlich der sozialen Disparitäten im digitalen Bildungsraum, und wenn ja, warum, und wenn nein, warum nicht?

3

Welche Daten der Lernenden werden nach Kenntnis der Bundesregierung für personalisierte Vorschläge für den individuellen Lernpfad verwendet, und wird den Lernenden die Logik der hierfür verwendeten Algorithmen nachvollziehbar erklärt, und falls nein, warum nicht?

4

Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der in der Vorbemerkung der Fragestellerinnen und Fragesteller genannten Konzeptstudie, dass diese einem Bildungsverständnis folgt, welchem eine Anpassungslogik an den Arbeitsmarkt zugrunde liegt, und wenn ja, warum, und wenn nein, warum nicht?

4

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, aus welchen Gründen die Nationale Bildungsplattform in erster Linie auf den Erwerb von arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen ausgerichtet ist?

4

Plant die Bundesregierung, die Nationale Bildungsplattform dahin gehend zu überarbeiten, um die derzeitige outputorientierte Kompetenz- und Zertifikatslogik aufzubrechen, damit die Plattform einen Beitrag zur individuellen Emanzipation insbesondere vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens leisten kann?

5

Wird die Bundesregierung die gemäß der in der Vorbemerkung der Fragestellerinnen und Fragesteller genannten Konzeptstudie in der bisherigen Konzeption der Nationalen Bildungsplattform fehlenden Governancestrukturen und Governanceprozesse einführen sowie ein daran angelehntes Betriebskonzept erarbeiten und integrieren, und wenn ja, wie, und wie werden diese aussehen und langfristig betrieben, und wenn nein, warum nicht?

5

Welche Inhalte und damit verbundenen Angebote werden an die Nationale Bildungsplattform angeschlossen, und in welcher Reihenfolge werden die Angebote vorgeschlagen?

5

Welche Rolle spielen freie Lizenzierung und Kostenfreiheit bei den Empfehlungsmechanismen?

5

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die IT-Sicherheit der Plattform zu erhöhen?

Berlin, den 23. Februar 2023

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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