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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Bekämpfung des Fachkräftemangels durch gute Arbeit und Ausbildung für Fachkräfte ohne deutschen Pass

(insgesamt 18 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

31.05.2023

Aktualisiert

07.06.2023

Deutscher BundestagDrucksache 20/664603.05.2023

Bekämpfung des Fachkräftemangels durch gute Arbeit und Ausbildung für Fachkräfte ohne deutschen Pass

der Abgeordneten Alexander Ulrich, Gökay Akbulut, Jessica Tatti, Dr. Gesine Lötzsch, Matthias W. Birkwald, Klaus Ernst, Susanne Ferschl, Christian Görke, Susanne Hennig-Wellsow, Ina Latendorf, Caren Lay, Ralph Lenkert, Christian Leye, Thomas Lutze, Pascal Meiser, Victor Perli, Heidi Reichinnek, Bernd Riexinger, Dr. Petra Sitte, Dr. Sahra Wagenknecht, Janine Wissler und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Laut Bundesagentur für Arbeit tragen Zugewanderte aus Nicht-EU-Staaten am stärksten zum Beschäftigungszuwachs und damit auch zum Wohlstand in Deutschland bei (statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Migration/Generische-Publikationen/AMkompakt-Auslaendische-Arbeitskraefte-am-deutschen-Arbeitsmarkt.pdf). Viele von ihnen leiden jedoch unter schlechten Arbeitsbedingungen, schlechter Entlohnung und unsicheren Aufenthaltstiteln.

Da der Fachkräftemangel nachhaltig bekämpft werden sollte, müssen Zugewanderte eine gute Integrationsperspektive in den deutschen Arbeitsmarkt bekommen. Das geht am besten über eine berufliche Aus- und Weiterbildung, faire Löhne und attraktive Arbeitsbedingungen.

Die Fragestellerinnen und Fragesteller interessieren sich für die Zahl an Beschäftigten und Auszubildenden ohne deutsche Staatsbürgerschaft und fragen, ob der Bundesregierung spezifische Probleme dieser Gruppe auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt bekannt sind, und falls ja, was die Bundesregierung unternimmt, um diese Probleme zu verhindern bzw. wenigstens abzumindern.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Wie hoch ist aktuell bzw. zum letzten erhebungsfähigen Zeitpunkt der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne deutsche Staatsbürgerschaft (bitte, soweit möglich, die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen mit eigener Zuwanderungsgeschichte angeben) insgesamt sowie jeweils in der Reinigung, im Baugewerbe (inklusive der Bauvorbereitung), in Gastronomie und Tourismus, in der Nahrungsmittelindustrie, in der Landwirtschaft, im Einzelhandel und im Gesundheitswesen (inklusive Altenpflege)?

Welche sind die zehn Berufsgruppen mit dem höchsten Anteil an ausländischen Beschäftigten (bitte jeweils die zehn häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten sowie, sofern möglich, mit Hinweis zum Anteil an ausländischen Beschäftigten mit deutschem Bildungsabschluss angeben), und wie hat sich dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Wie sind die Durchschnittslöhne in diesen zehn Berufsgruppen?

2

Wie hoch ist aktuell bzw. zum letzten erhebungsfähigen Zeitpunkt der Anteil der geringfügig Beschäftigten ohne deutsche Staatsbürgerschaft insgesamt sowie in den zehn Berufsgruppen mit dem höchsten Anteil an ausländischen Beschäftigten (bitte jeweils die zehn häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten sowie, sofern möglich, mit Hinweis zum Anteil an ausländischen Beschäftigten mit deutschem Bildungsabschluss angeben), und wie hat sich dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren verändert?

3

Wie viele Zeitarbeits- bzw. Leiharbeitsfirmen gibt es in Deutschland, wie hoch ist dabei aktuell der Anteil an Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörigkeit (bitte nach den zehn häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten Firmen auflisten, bitte dabei, sofern möglich, angeben, wie viele der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit einen deutschen Bildungsabschluss haben), und wie hat sich der Anteil an Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörigkeit in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

4

Wie hoch ist die durchschnittliche Verweildauer von Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Zeitarbeits- bzw. Leiharbeitsfirmen (bitte, sofern möglich, mit Hinweis zum Anteil an ausländischen Beschäftigten mit und ohne deutschen Bildungsabschluss angeben), und wie hoch ist die durchschnittliche Verweildauer von allen Beschäftigten?

5

Wie hoch ist die durchschnittliche Beschäftigungsdauer von allen Erwerbstätigen bei ihrem Arbeitgeber, und wie hoch ist die Beschäftigungsdauer von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (soweit möglich, bei Angaben bitte nach Personen mit und ohne deutschen Bildungsabschluss differenzieren)?

6

Wie hat sich das durchschnittliche Monatseinkommen (Bruttolohn) von Erwerbstätigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit seit 2010 entwickelt (bitte nach Jahren und Bundesländern aufschlüsseln, Angaben bitte auch nach Menschen mit und ohne deutschen Bildungsabschluss differenzieren; bitte zur besseren Vergleichbarkeit zusätzlich angeben, wie sich das durchschnittliche Monatseinkommen von deutschen Erwerbstätigen im gleichen Zeitraum entwickelt hat)?

7

Wie definiert die Bundesregierung prekäre Beschäftigung, und wie hat sich der Anteil von Menschen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit an allen prekär Beschäftigten seit 2010 entwickelt (bitte nach Jahren, Bundesländern und den zehn häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten aufschlüsseln; bitte auch in absoluten Zahlen angeben, und bitte auch nach Menschen mit und ohne deutschen Bildungsabschluss differenzieren)?

8

Wie hat sich der Anteil der Menschen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit an den Auszubildenden seit 2010 entwickelt (bitte nach Jahren und Bundesländern aufschlüsseln, bei nichtdeutschen Staatsangehörigen bitte jeweils auch nach Menschen mit und ohne Aufenthaltstitel für einen Berufsabschluss sowie mit und ohne deutschen Schulabschluss differenzieren)?

9

Wie hoch ist der Anteil Auszubildender ohne deutsche Staatsangehörigkeit aktuell bzw. zum letzten erhebungsfähigen Zeitpunkt im Baugewerbe (inklusive Bauvorbereitung), in der Gastronomie, in der Nahrungsmittelindustrie, im Einzelhandel und im Gesundheitswesen (Angaben einzeln bitte auch in Prozent und nach Jahren aufschlüsseln, bitte jeweils nach Menschen mit und ohne Aufenthaltstitel für einen Berufsabschluss sowie mit und ohne deutschen Schulabschluss differenzieren, bitte zur besseren Vergleichbarkeit zusätzlich angeben, wie hoch der Anteil von Menschen ohne deutschen Pass in dieser Altersgruppe in Deutschland ist)?

10

Wie hat sich die Zahl an Personen, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, seit 2010 entwickelt, und wie hoch war jeweils der Anteil an Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (bitte nach Berufsgruppen, Bundesländern und Jahren aufschlüsseln; bitte auch in Prozent angeben; bei ausländischen Staatsangehörigen die zehn häufigsten Staatsangehörigkeiten angeben; bitte zudem jeweils auch nach Menschen mit und ohne Aufenthaltstitel für einen Berufsabschluss sowie mit und ohne deutschen Schulabschluss differenzieren)?

11

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Ursachen von Abbrüchen von Ausbildungen insbesondere von Auszubildenden nichtdeutscher Staatsangehörigkeit?

12

Welche aufenthaltsrechtlichen Beschränkungen bestehen für Personen mit Aufenthaltstitel zum Zwecke der Berufsausbildung, die ihre Ausbildungsstelle wechseln möchten?

13

Welche Einschränkungen bestehen für Auszubildende mit ausländischen Staatsangehörigkeiten, Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) zu beziehen?

14

Wie viele Personen ohne deutschen Pass, die zuvor in Deutschland eine Ausbildung absolviert haben, haben im letzten erhebungsfähigen Zeitraum nach ihrer Ausbildung eine Anschlusstätigkeit gefunden (bitte auch in Prozent angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln, bitte zudem nach Personen mit und ohne Aufenthaltstitel für einen Berufsabschluss sowie mit und ohne deutschen Schulabschluss differenzieren)?

15

Ist der Bundesregierung bekannt, wie viele Auszubildende ohne deutsche Staatsangehörigkeit nach ihrer Ausbildung in Deutschland in einem anderen Land arbeiten (bitte für den letzten erhebungsfähigen Zeitraum sowie mit Hinweis zu den zehn häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten der Ausgewanderten sowie den zehn häufigsten Zielländern; bitte auch in Prozent angeben; bitte jeweils nach Menschen mit und ohne deutschen Schulabschluss differenzieren; bitte zur besseren Vergleichbarkeit zusätzlich angeben, wie hoch der Anteil von Auszubildenden mit deutschem Pass ist, die nicht in Deutschland arbeiten)?

16

Welche staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen (einschließlich Vermittlungsagenturen) sind an der Gewinnung von Auszubildenden aus dem Ausland beteiligt und begleiten diese Auszubildenden während ihrer Ausbildungszeit?

Mit welchen öffentlichen oder nichtöffentlichen Mitteln und in welcher Höhe werden diese staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen gefördert?

17

Ist der Bundesregierung bekannt, ob in der Corona-Pandemie (seit März 2020) spezifische Probleme beziehungsweise Nachteile für Auszubildende ohne deutschen Pass und ohne Schulbesuch in Deutschland entstanden, etwa hinsichtlich der praktischen Ausbildung in den Betrieben wie auch bei der Vorbereitung von Prüfungen und deren Durchführung in den Berufsschulen, und wenn ja, welche?

18

Welche Voraussetzungen müssten die Berufsschulen und überbetrieblichen Bildungsstätten nach Einschätzung der Bundesregierung erfüllen, um die Ausbildung und Integration von Fachkräften und Auszubildenden aus dem Ausland besser erfüllen zu können und die Abbrecherquote zu verringern?

Berlin, den 25. April 2023

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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