Forschungsstipendien der Alexander von Humboldt-Stiftung
der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) ist eine gemeinnützige Stiftung zur Förderung der internationalen und langfristigen Zusammenarbeit in der Forschung. Sie fördert seit 1953 Wissenschaftskooperationen ausländischer und deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In diesen beinahe 70 Jahren sind Verbindungen zu und mit 30 000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 140 Ländern nach und mit Deutschland entstanden, deren Wert nach Auffassung der Fraktion der CDU/CSU nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Über Stipendien und Preise kommen Forscherinnen und Forscher aus dem Ausland nach Deutschland, um Projekte innerhalb eines Wissenschaftsnetzwerkes durchzuführen, das langfristige Verbindungen in den meinungsbildenden Milieus beider Länder begründet und auch für die Politik fruchtbar macht.
Wenige Kulturmittler, die für Deutschland tätig sind, haben sich aus Sicht der Fragesteller über so viele Jahrzehnte einen so manifest guten Ruf erworben wie die Alexander von Humboldt-Stiftung in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft. Deshalb ist es nach Überzeugung der Fraktion der CDU/CSU wichtig, sie auch unter heute erschwerten Bedingungen zu stützen und zu stärken, nicht zuletzt über eine auskömmliche Finanzierung.
Die Stipendienraten für die Forschungsstipendien der AvH wurden nach Kenntnis der Fragesteller zuletzt im Jahre 2012 unter Berücksichtigung der Lebensbedingungen und Verbraucherpreise festgesetzt. Seither betragen sie für Postdocs 2 670 Euro pro Monat und für erfahrene Forschende 3 170 Euro pro Monat (www.humboldt-foundation.de/bewerben/foerderung-waehrend-des-aufenthalts/foerderung-waehrend-des-forschungsaufenthalts-in-deutschland/haeufige-fragen-zur-foerderung-waehrend-des-deutschlandaufenthalts).
Vergleichbare Forschungsstipendien innerhalb Deutschlands, anderer Nationen und im europäischen Ausland (vgl. Eidgenössische Technische Hochschule [ETH] Zürich Postdoc-Fellowship, ethz.ch/en/research/research-promotion/eth-fellowships.html, das Stipendium beträgt im ersten Jahr 105 000 CHF [entspricht zirka 8 854 Euro/Monat], im zweiten Jahr 110 000 CHF [entspricht zirka 9 292 Euro/Monat] und kann Zulagen für Forschung und Mobilität von bis zu 10 000 CHF [entspricht zirka 843 Euro/Monat] enthalten; Nationale Science Foundation Earth Sciences Postdoctoral Fellowships [EAR-PF], USA, www.nsf.gov/pubs/2018/nsf18565/nsf18565.htm, das Stipendium beträgt 62 000 USD/Jahr ([ntspricht 4 830 Euro/Monat] und 25 000 USD/Jahr [entspricht 2 050 Euro/Monat] für Projektkosten, Verbrauchsmaterial und Sozialversicherungskosten etc.) sind hingegen fortwährend angepasst worden. Die steigenden Lebenshaltungskosten mindern nach Kenntnis der Fragesteller die Attraktivität der AvH-Stipendien. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Forschungsstipendien der AvH droht nach Auffassung der Fragesteller ins Hintertreffen zu geraten und ist entsprechend sicherzustellen.
Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP haben diese regierungstragenden Parteien versprochen: „Wir werden Mittler, insbesondere das Goethe Institut, den Deutschen Akademischen Austauschdienst, die Alexander von Humboldt-Stiftung, das Deutsche Archäologische Institut für Auslandsbeziehungen [zu] stärken […]“ (Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“, S. 100, www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/koalitionsvertrag-2021-1990800).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Grundfinanzierung der AvH zwischen 2006 und 2021 entwickelt (bitte tabellarisch darstellen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Grundfinanzierung der AvH seit Dezember 2021 entwickelt (bitte tabellarisch für die Jahre 2021, 2022, 2023 darstellen), und welche Entwicklung ist für das Jahr 2024 vorgesehen?
Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Dezember 2021 ergriffen, um die AvH dem Koalitionsvertrag entsprechend zu stärken?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl von Stipendiatinnen und Stipendiaten der AvH zwischen 2012 und 2023 entwickelt (bitte tabellarisch die fünf größten Standorte in Deutschland von AvH-Stipendiaten auflisten)?
Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Lebenshaltungskosten in den in der Antwort zu Frage 4 aufgeführten Standorten zwischen den Jahren 2012 und 2023 gestiegen (bitte tabellarisch auflisten)?
Plant die Bundesregierung, ggf. zusätzliche Mittel für die Erhöhung der Stipendiensätze der Alexander von Humboldt-Stiftung bereitzustellen, falls ja, wann, und zu welchem Prozentsatz plant die Bundesregierung, die Stipendien an die gestiegenen Lebenshaltungskosten anzupassen, und falls nein, welche Gründe sprechen aus Sicht der Bundesregierung gegen eine Erhöhung des Stipendiensatzes?
Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Stipendien vergleichbarer staatlich finanzierter Forschungsstipendien europäischer Nachbarländer, und welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung ggf. hieraus?
Welche finanziellen Mehrbedarfe (Programmmittel) würden aus Sicht der Bundesregierung infolge einer entsprechenden Anhebung der Stipendiensätze ab dem Jahr 2024 für den Bundeshaushalt entstehen?