BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Politik der Bundesregierung zur Menopause - eine Bestandsaufnahme

(insgesamt 13 Einzelfragen)

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

11.10.2023

Aktualisiert

05.12.2023

Deutscher BundestagDrucksache 20/852126.09.2023

Politik der Bundesregierung zur Menopause – eine Bestandsaufnahme

der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Die Wechseljahre sind ein bedeutsamer Lebensabschnitt im Leben einer jeden Frau, der mit zahlreichen physischen, psychischen und sozialen Veränderungen einhergeht. Sie markiert das Ende der reproduktiven Phase und bringt eine Vielzahl von hormonellen Veränderungen und Symptomen mit sich. Gemäß medizinischen Fachorganisationen wie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V. (DMG) definiert der Begriff „Menopause“ die letzte Regelblutung, der ein Jahr lang keine weitere Menstruationsblutung folgt und keine anderen medizinischen Gründe für das Ausbleiben der Menstruation bestehen. Die Zeit davor teilt sich in Prä- und Perimenopause, die eigentlichen Wechseljahre. Diese Definition bildet die Grundlage für viele medizinische Einschätzungen zum Thema. Die gesamte Phase heißt in der Medizin Klimakterium. Erste Symptome können ab 35 auftreten. Gerade der Beginn der Phase wird häufig nicht erkannt, weil zu diesem Zeitpunkt das bekannteste Symptom, die Hitzewallungen, noch gar nicht auftritt. Viele betroffene Frauen werden infolge von prämenopausalen Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen pauschal mit „Burn-out“ diagnostiziert und entsprechend falsch behandelt.

Die gesundheitlichen Auswirkungen der Wechseljahre sind vielfältig und reichen je nach Phase des Klimakteriums von Blutungsstörungen mit sehr unregelmäßigen und zum Teil unterschiedlich starken Blutungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen bis hin zu langfristigeren Folgen wie Osteoporose und kardiovaskulären Risiken. Laut Studien, wie der „Women's Health Initiative“-Studie, können diese Veränderungen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Frauen haben (www.aerzteblatt.de/archiv/58823/Women-s-Health-initiative). Dauer und genaue Symptomatik des Klimakteriums lassen sich schwer fassen, weil jede Frau sie individuell und anders erlebt. Viele Frauen wissen oft nicht, wieso sie leiden, denn sie wurden kaum oder wenig aufgeklärt.

Rund 9 Millionen Frauen befinden sich in Deutschland in den Wechseljahren und im Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP spielt das Thema „Wechseljahre und Klimakterium“ keine Rolle. Die Bundesregierung sorgt sich nach Ansicht der Fragesteller offenbar nicht um Frauen, die mit den Folgen der Wechseljahre zu kämpfen haben. Die Menopause hat zusätzlich auch ökonomische und soziale Implikationen, die in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen thematisiert werden (www.gov.uk/government/publications/menopause-transition-effects-on-womens-economic-participation). Untersuchungen zur Arbeitswelt, wie beispielsweise von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), beleuchten die Bedürfnisse menopausaler Frauen am Arbeitsplatz und die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen von unbehandelten Symptomen (voices.ilo.org/podcast/is-the-menopause-a-workplace-issue). Laut einer Studie der renommierten Mayo-Clinic aus diesem Jahr verliert die US-amerikanische Wirtschaft jedes Jahr 1,8 Milliarden US-Dollar durch Arbeitsausfall aufgrund von Wechseljahresbeschwerden (newsnetwork.mayoclinic.org/discussion/mayo-clinic-study-puts-price-tag-on-cost-of-menopause-symptoms-for-women-in-the-workplace/).

Laut einer Studie der europäischen Menopause Gesellschaft EMAS aus dem vergangenen Jahr 2022 erlebten etwa ein Drittel der Frauen mäßige bis starke Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Arbeit aufgrund von Wechseljahresbeschwerden. Zu den Risikofaktoren für Schwierigkeiten bei der Arbeitsbewältigung gehörten: finanzielle Benachteiligung, schlechtere Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands, Depressionen und ungünstige psychosoziale Faktoren am Arbeitsplatz, nicht aber körperliche Anforderungen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass Arbeitgeber in allen Sektoren stärker sensibilisiert werden müssen. Die Studie ergab auch, dass Frauen mit geringem Einkommen und solche mit unsicheren Arbeitsplätzen, am stärksten gefährdet sind (www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9819903/).

Trotz der Komplexität des Themas gibt es Bemühungen von medizinischen Fachgesellschaften, NGOs und Bildungseinrichtungen, um die Aufklärung und Unterstützung von Frauen während der Wechseljahre zu fördern. Initiativen wie Aufklärungskampagnen, Informationsplattformen und spezielle Fortbildungen für medizinisches Fachpersonal sollen dazu beitragen, das Bewusstsein für die Menopause zu schärfen und die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern (siehe nobodytoldme.com/oh-meno-menopause-trifft-auf-politik/).

Eine große Frauengesundheits-Studie in den USA, die SWAN-Studie, untersuchte über 16 Jahre hinweg über 1 400 Frauen in der Phase der Wechseljahre. Gut die Hälfte der Frauen litt an starken Beeinträchtigungen und Hitzewallungen. Die mittlere Dauer der Beschwerden lag bei 7,4 Jahren, davon 4,5 Jahre nach der Menopause.

Frauen, welche die ersten Hitzewallungen bereits erleben, während sie noch Periodenblutungen haben, erleben im Durchschnitt eine längere Gesamtdauer der Beschwerden (durchschnittlich ca. 11,8 Jahre) als solche, bei denen die ersten Hitzewallungen erst nach der letzten Blutung in der sogenannten Postmenopause auftreten, – sie haben im Mittel nur drei bis vier Jahre Probleme (vgl. www.swanstudy.org/), außerdem Avis NE, Crawford SL, Greendale G, Bromberger JT, Everson-Rose SA, Gold EB, Hess R, Joffe H, Kravitz HM, Tepper PG, Thurston RC; Study of Women's Health Across the Nation. Duration of menopausal vasomotor symptoms over the menopause transition. JAMA Intern Med. 2015 Apr;175(4):531-9. doi: 10.1001/jamainternmed.2014.8063. PMID: 25686030; PMCID: PMC4433164).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen13

1

Welche wissenschaftlichen Definitionen und medizinischen Kriterien verwendet die Bundesregierung zur Bestimmung des Eintritts der Wechseljahre beziehungsweise der Perimenopause?

2

Wie schätzt die Bundesregierung die gesundheitlichen Auswirkungen der Menopause auf Frauen ein, insbesondere in Bezug auf körperliche, psychische und soziale Aspekte?

3

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die gesundheitliche Aufklärung über die Menopause zu fördern?

4

Gibt es Programme oder Initiativen, die Frauen bei der Bewältigung von Symptomen der Menopause unterstützen?

5

Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung die Bedürfnisse menopausaler Frauen am Arbeitsplatz? Welche Maßnahmen sind geplant oder bereits umgesetzt, um Arbeitsbedingungen anzupassen und das Wohlbefinden dieser Frauen zu fördern?

6

In welchem Umfang stellt die Bundesregierung Haushaltsmittel zur Erforschung der Menopause und ihren gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen zur Verfügung (bitte Haushaltsansätze und Haushaltstitel auflisten)?

7

Plant die Bundesregierung, die Forschung zur Menopause und ihren Auswirkungen zu unterstützen oder zu intensivieren, und wenn ja, welche konkreten Schritte sind geplant? In welcher Höhe sollen für diese zusätzlich Haushaltsmittel bereitgestellt werden?

8

Wie bewertet die Bundesregierung die Verfügbarkeit von hormonellen und nichthormonellen Therapieoptionen zur Linderung von Menopause-Symptomen, und welche Informationen werden Frauen über diese Optionen zur Verfügung gestellt?

9

Inwiefern spielt das Thema Menopause in der Aus- und Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal eine Rolle? Werden spezifische Lehrinhalte oder Fortbildungen zu diesem Thema angeboten?

10

Wie beurteilt die Bundesregierung die Rolle von Menopause in Bezug auf die Gesundheitsversorgung im Allgemeinen und die Notwendigkeit von gezielten Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit menopausaler Frauen im Besonderen?

11

Gibt es Untersuchungen oder Statistiken zur wirtschaftlichen Auswirkung der Menopause auf die Gesellschaft, insbesondere in Bezug auf Krankheitsausfälle, medizinische Versorgungskosten und Arbeitsplatzverluste?

12

Plant die Bundesregierung die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle oder Informationsplattform, auf der menopausale Frauen verlässliche Informationen, Ressourcen und Unterstützung finden können?

13

Hat die Bundesregierung vor, eine nationale Strategie für das Thema Menopause zu entwickeln?

Berlin, den 25. September 2023

Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen