BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Gesundheitliche und gesellschaftliche Schäden durch Alkoholkonsum

(insgesamt 40 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

02.11.2023

Aktualisiert

02.01.2024

Deutscher BundestagDrucksache 20/881012.10.2023

Gesundheitliche und gesellschaftliche Schäden durch Alkoholkonsum

der Abgeordneten Ates Gürpinar, Susanne Ferschl, Gökay Akbulut, Nicole Gohlke, Pascal Meiser, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Dr. Petra Sitte, Jessica Tatti, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Die deutsche Bevölkerung weist einen hohen Alkoholkonsum auf. Mit durchschnittlich 10,8 Litern Reinalkohol pro Jahr je Einwohnerin und Einwohner ab 15 Jahren ist Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor Hochkonsumland. Etwa 6,7 Millionen Menschen weisen bei Umfragen in der 30-Tage-Prävalenz riskante Konsummuster auf, 1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland alkoholabhängig (Jahrbuch Sucht der DHS, 2022, S. 9 – 18).

Alkohol ist im täglichen Leben leicht erhältlich und ermöglicht eine kurzzeitige Befriedigung der Bedürfnisse durch eine anregende und entspannende Wirkung. Langfristig ist Alkohol jedoch an der Entstehung vieler Krankheiten beteiligt. Der übermäßige Alkoholkonsum birgt Risiken auf persönlicher und sozialer Ebene. Auf persönlicher Ebene kann der Konsum zu körperlichen und mentalen Gesundheitsproblemen führen. Die soziale Ebene ist betroffen, weil sich für das Umfeld der konsumierenden Person auch Risiken und Gefährdungen ergeben können. Grund ist die Wirkung, die Handeln und Verhalten verändern kann und zu Vernachlässigung von Pflichten und Erinnerungslücken führen kann (Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe der DHS, 2023, S. 30 f.). Aber auch wirtschaftlich hat dieser Alkoholkonsum weitreichende Auswirkungen. So belaufen sich die Folgekosten des Alkoholkonsums in Deutschland auf rund 57 Mrd. Euro jährlich, Tendenz steigend (Jahrbuch der Sucht der DHS, 2020, S. 225 – 234). Trotz dieser negativen Folgen wird die Droge Alkohol nur kaum reguliert. Zwar gibt es Altersbeschränkungen beim Verkauf, Werbung wird hingegen wenig eingeschränkt (Jahrbuch Sucht der DHS, 2022, S. 14).

Wir fragen die Bundesregierung :

Fragen40

1

Wie haben sich der riskante Alkoholkonsum sowie der Rauschkonsum nach Kenntnis der Bundesregierung in der Gesamtbevölkerung seit 1990 jeweils entwickelt?

a) Wie gestalten sich diese Zahlen, wenn man Frauen und Männer separat betrachtet?

b) In welcher Altersgruppe ist Rauschkonsum am verbreitetsten? Wie sieht es dort bei Frauen bzw. bei Männern aus?

c) In welcher Altersgruppe ist der riskante Konsum am verbreitetsten? Wie sieht es dort bei Frauen bzw. bei Männern aus?

2

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Krankheitslast bei Frauen im Zusammenhang mit Erkrankungen aufgrund ihres Alkoholkonsums seit 1990 entwickelt?

3

Wie viele Frauen trinken nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell riskant und/oder betreiben Rauschtrinken?

a) Wie viele davon sind Mütter?

b) Wie viele davon haben mindestens Abitur?

c) Wie viele davon sind berufstätig und wie viele im Rentenalter?

d) Wie verteilt sich der Konsum auf unterschiedliche sozioökonomische Gruppen (z. B. Einkommensklassen)?

e) Wo steht Deutschland mit diesen Zahlen im europaweiten Vergleich?

4

Wie viele Männer trinken nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell riskant und/oder betreiben Rauschtrinken?

a) Wie viele davon sind Väter?

b) Wie viele davon haben mindestens Abitur?

c) Wie viele davon sind berufstätig und wie viele im Rentenalter?

d) Wie verteilt sich der Konsum auf unterschiedliche sozioökonomische Gruppen (z. B. Einkommensklassen)?

e) Wo steht Deutschland mit diesen Zahlen im europaweiten Vergleich?

5

Wie viele Menschen über 64 Jahren betreiben nach Kenntnis der Bundesregierung Rauschtrinken? Wie viele trinken riskant? Wie viele weisen eine Abhängigkeit auf?

6

Wie viele Jugendliche unter 18 Jahren und junge Erwachsene bis 25 Jahre betreiben nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils Rauschtrinken? Wie viele trinken riskant? Wie viele weisen eine Abhängigkeit auf?

7

Wie oft ist nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1990 bei der Aufnahme ins Krankenhaus eine alkoholbezogene Störung diagnostiziert worden (bitte jeweils nach der einzelnen ICD-Diagnose [ICD = Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme] aufschlüsseln)?

a) Wie viele davon bei Frauen?

b) Wie viele davon bei Männern?

8

Wie viele Menschen leiden in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung unter einer Alkoholabhängigkeit?

a) Wie viele davon sind Frauen bzw. Männer oder divers?

b) Wie viele sind in den einzelnen Altersdezilen betroffen?

c) Wie viele sind in den verschiedenen sozioökonomischen Gruppen (z. B. Einkommensklassen) betroffen?

d) Welche weiteren besonderen sozialen und gesellschaftlichen Risikofaktoren sind der Bundesregierung bekannt?

9

Wie viele Menschen haben in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren an einer qualifizierten Entzugsbehandlung teilgenommen?

10

Wie viele stationäre Plätze für eine Entzugsbehandlung gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland? Inwiefern ist dieses Angebot nach Ansicht der Bundesregierung bedarfsdeckend?

11

Inwiefern ist Abstinenz nach Ansicht der Bundesregierung vorrangiges Ziel einer medizinisch-therapeutischen Behandlung der Alkoholabhängigkeit, und inwiefern sieht sie etwa das „kontrollierte Trinken“ als sinnvolle Ergänzung an?

12

Welche therapeutische und psychosoziale Begleitung muss für das „kontrollierte Trinken“ nach Kenntnis der Bundesregierung gegeben sein, und inwiefern sieht sie die Versorgung hier in Deutschland gewährleistet?

13

Welchen Stellenwert hat nach Ansicht der Bundesregierung die ambulante Psychotherapie bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit? Wie schätzt die Bundesregierung den Versorgungsstand ambulanter Psychotherapie insgesamt und für Betroffene von Alkoholabhängigkeit im Besonderen ein?

14

Wie viele Therapieplätze würden nach Ansicht der Bundesregierung theoretisch benötigt, um alle Menschen mit Alkoholgebrauchsstörung zu versorgen und wie viele Therapieplätze gibt es?

15

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl von Patientinnen und Patienten mit alkoholassoziierten Störungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)?

a) Wie hoch sind die Ausgaben für die Behandlung in Relation zur Prävalenz bei Brustkrebs, Prostatakarzinom sowie Darmkrebs?

16

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl von Patientinnen und Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit in der GKV, und wie hoch sind die Ausgaben für die Behandlung dieser?

17

Wie viele Kinder sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1990 pro Jahr mit der Diagnose Fetales Alkohol-Syndrom (FAS) zur Welt gekommen, und für wie hoch schätzt die Bundesregierung die entsprechenden Zahlen für die Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD)?

18

Inwieweit haben sich die konsumierten alkoholhaltigen Getränke nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten Jahrzehnten verändert?

a) Inwieweit haben sie sich bei Frauen und bei Männern verändert?

b) Inwieweit haben sie sich in den verschiedenen Altersgruppen verändert?

c) Inwieweit haben sie sich in den verschiedenen sozioökomischen Gruppen verändert?

19

Wie viel Prozent ihres Umsatzes machen die Alkoholhersteller in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung mit Menschen, die missbräuchlich oder abhängig konsumieren?

20

Wie viel Prozent ihres Umsatzes machen die Alkoholhersteller in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung mit Menschen, die riskantes oder Rauschtrinken betreiben?

21

Wie viel Geld gaben die Alkoholhersteller nach Kenntnis der Bundesregierung 2022 für Werbung aus? Wie viel Geld gab der Bund in diesem Zeitraum für Aufklärungs- und Präventionsarbeit aus?

22

Wie viele Betriebe, die alkoholische Getränke herstellen, erhalten Fördermittel durch den Bund?

23

Warum wird Wein nicht besteuert?

a) Welche indirekten Förderungen gibt es für alkoholproduzierende Unternehmen in Deutschland noch?

b) Wie viel nimmt der deutsche Staat durch alkoholbezogene Steuern ein?

24

Wie hoch wird nach Ansicht der Bundesregierung der volkswirtschaftliche Schaden im Jahr 2030 sein, wenn die Alkoholpolitik so weiterläuft wie bisher?

25

Wie viele Treffen fanden zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Alkoholindustrie und der Bundesregierung seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode statt (bitte tabellarisch nach Datum, Verband, Bundesministerium und Ebene auflisten)?

26

Wie viele Treffen fanden zwischen der Bundesregierung und Interessenvertreterinnen und Interessenvertretern der Suchthilfe seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode statt, bei denen es um Alkoholpolitik, Alkoholkonsum, Alkoholsucht oder Alkoholprävention ging (bitte tabellarisch nach Datum, Verband bzw. Verein, Bundesministerien und Ebene auflisten)?

27

Wie viele Fälle sexualisierter Gewalt gab es nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2022, bei denen

a) der Täter betrunken war,

b) das Opfer betrunken war,

c) beide betrunken waren?

d) Wie haben sich diese Zahlen seit 1990 entwickelt?

e) Wie groß schätzt die Bundesregierung die Dunkelziffer?

28

In wie viel Prozent der bundesweiten Gewaltdelikte ist nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1990 Alkohol im Spiel

a) beim Täter,

b) beim Opfer,

c) gegenüber Frauen,

d) gegenüber Männern?

29

Wie viele Delikte häuslicher Gewalt passieren nach Kenntnis der Bundesregierung unter Alkoholeinfluss?

30

Wie viele Arbeitsunfälle passieren nach Kenntnis der Bundesregierung unter Alkoholeinfluss?

31

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Straftaten, die im Jahr 2022 im Zusammenhang mit dem deutschen Profifußball standen?

a) Wie viele dieser Straftaten weisen zusätzlich einen Zusammenhang mit Alkohol auf?

32

Wie viele Übergriffe bzw. Vergewaltigungen wurden seit 1990 angezeigt, die unter Einsatz von Alkohol und/oder KO-Substanzen verübt wurden?

33

Bei wie viel Prozent der bundesweiten Polizeieinsätze spielt nach Kenntnis der Bundesregierung Alkoholkonsum eine Rolle?

34

Wie viele Verkehrsunfälle gab es nach Kenntnis der Bundesregierung unter Alkoholeinfluss, und wie viele davon mit leichtverletzten, schwerverletzten und getöteten Menschen?

35

Wie viele Alkoholunfälle wurden nach Kenntnis der Bundesregierung mit einem Blut-Alkoholgehalt von unter 0,5 Promille, 0,5 bis 1,1 Promille sowie über 1,1 Promille verursacht?

36

Wie viele Angehörige von Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland?

37

Wie viele minderjährige Kinder von alkoholabhängigen Eltern gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland? Wie hoch war die Zahl jeweils in der vergangenen zehn Jahren?

38

Haben Kinder alkoholabhängiger Eltern einen eigenständigen Hilfeanspruch, auch ohne dass bereits eine Kindeswohlbeeinträchtigung nachweisbar ist?

39

Wie viel Ausgaben wurden in den vergangenen fünf Jahren jeweils für Alkoholprävention aus dem Bundeshaushalt getätigt, und welche Ausgaben plant die Bundesregierung für 2024 in ihrem derzeitigen Haushaltsentwurf?

40

Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die schädlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die Gesellschaft und Gesundheit zu verringern?

Berlin, den 6. Oktober 2023

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen