Sicherstellung der Nahrungsmittelsicherheit bei Cyberattacken und globalen Katastrophen
der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Die moderne Zivilisation ist im hohen Maße von einem komplexen, global vernetzten industriellen Agrar- und Ernährungssystem abhängig, das Nahrungsmittel produziert, lagert und jederzeit bereitstellt. Die Erträge basieren auf externen Inputs wie Maschinen, Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln, was es anfällig für Störungen in der Produktion und im internationalen Handel macht. Eine mögliche Ursache für Störungen könnte eine groß angelegte Schädigung des elektrischen Netzes sein, verursacht durch Cyberangriffe, Sonnenstürme oder kriegerische Auseinandersetzungen. Forscher der Universität Gießen untersuchten kürzlich, welchen Einfluss solche Determinanten auf die Nahrungsmittelproduktion haben könnten (www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/wie-ein-blackout-die-landwirtschaft-gefaehrden-wuerde-19546412.html).
Die Berechnungen der Agrarwissenschaftler zeigen im ersten Jahr der Katastrophe unter der Annahme von rationierter Verwendung von externen Inputs eine durchschnittliche Ertragsminderung von bis zu 37 Prozent. Aber auch gezielte Cyberangriffe auf die Agrarsysteme können signifikante Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit haben (www.nature.com/articles/s41598-023-42678-x).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Inwiefern ist die Bundesregierung auf mögliche Störungen in der globalen Agrarproduktion vorbereitet, insbesondere durch groß angelegte Störungen wie z. B. Cyberangriffe?
Gibt es konkrete Pläne oder Initiativen der Bundesregierung, um die Abhängigkeit von externen Inputs wie Maschinen, Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel zu reduzieren und die Selbstversorgungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu erhöhen?
Wie beurteilt die Bundesregierung die aktuelle Stabilität des globalen und des europäischen Nahrungsmittelsystems?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Bevölkerung über potenzielle Risiken und die Bedeutung der Vorsorge in Bezug auf die Nahrungsmittelsicherheit aufzuklären?
Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Resilienz der deutschen Landwirtschaft zu stärken und die Auswirkungen eines solchen Ereignisses abzufedern, und existieren Vorbereitungs- und Reaktionspläne?
Welche Initiativen plant die Bundesregierung, um die Diversifizierung landwirtschaftlicher Systeme zu fördern, die Abhängigkeit vom internationalen Handel zu verringern und die regionale oder europäische Lebensmittelproduktion zu stärken?
Inwiefern plant die Bundesregierung, ihre Bemühungen zur Schaffung genauerer Datensätze zu intensivieren, um Wissenslücken hinsichtlich kritischer Faktoren in der Land- und Ernährungswirtschaft zu schließen?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um ein tieferes Verständnis für die Reaktion des globalen Lebensmittelhandels und Produktionssystems sowie der Wirtschaft auf einen erheblichen Schock zu gewinnen?
War das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an der neunten Länder- und Ressort-übergreifenden Krisenmanagementübung (LÜKEX) im Jahr 2023 zum Thema „Cyberangriff auf das Staats- und Regierungshandeln“ (LÜKEX 2023 – BBK [bund.de]) beteiligt, und wenn nein, warum nicht?
Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der LÜKEX-Übung von 2023 für die Nahrungsmittelsicherheit in Deutschland und Europa?
Gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zwei Jahren gezielt Cyberangriffe auf die Nahrungsmittelproduktion in Deutschland oder auf die anderer EU-Mitgliedstaaten, und wenn ja, wie oft, und woher?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Cybercrime gegenüber land- und ernährungswirtschaftlichen Unternehmen in den Jahren von 2013 bis 2023 entwickelt?