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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet
Israelfeindliche und antisemitische Äußerungen auf der Berlinale
(insgesamt 73 Einzelfragen)
Fraktion
CDU/CSU
Ressort
Beauftr. der Bundesregierung für Kultur und Medien
Datum
09.04.2024
Aktualisiert
16.04.2024
BT20/1082625.03.2024
Israelfeindliche und antisemitische Äußerungen auf der Berlinale
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
Kleine Anfrage
der Fraktion der CDU/CSU
Israelfeindliche und antisemitische Äußerungen auf der Berlinale
Nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 kommt es in Teilen der Kunst- und
Kulturszene zu einseitigen, Israel diffamierenden und delegitimierenden Äußerungen.
Einen weiteren Höhepunkt, auch in der öffentlichen Wahrnehmung, erreichten
diese im Rahmen der Berlinale 2024. So kam es während des Festivals zu
zahlreichen Störaktionen (https://www.screendaily.com/news/palestine-activists-dis
rupt-berlins-european-film-market-with-protest-inside-gropius-bau/5190747.art
icle, https://www.nzz.ch/feuilleton/no-other-land-palaestinensischer-aktivismu
s-an-der-berlinale-ld.1814655, https://www.rbb24.de/kultur/berlinale/beitraege/
2024/berlin-berlinale-cinema-for-peace-protest-hillary-clinton-sharon-ston
e.html), die im Rahmen der Abschlussgala am 24. Februar 2024 nach Ansicht
der Fragesteller eklatant kulminierten. Die Beauftragte der Bundesregierung für
Kultur und Medien (BKM) Claudia Roth hat am selben Abend die Berlinale als
politisches Filmfestival und Ort für Dialog, unterschiedliche Perspektiven,
Vielfalt und Demokratie gelobt (https://www.kulturstaatsministerin.de/SharedD
ocs/Pressemitteilungen/DE/2024/02/2024-02-24-berlinale-baerengewinne
r.html) und erst nach öffentlicher Kritik von einer „missglückten und zum Teil
unerträglichen Preisverleihung“ (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/cla
udia-roth-ueber-berlinale-eklat-es-gibt-bei-linksradikalen-diesen-ekelhaften-off
enen-antisemitismus-a-889d2cc9-0a12-4aed-852d-167a48332292) gesprochen.
Eine Aufarbeitung ist angekündigt, bereits jetzt aber stellen sich nach
Auffassung der Fragesteller viele Fragen, die einer dringenden Antwort bedürfen. Es
ist aus Sicht der Fragesteller dringend geboten, konkrete und effektive
Maßnahmen gegen Antisemitismus in Kunst und Kultur zu ergreifen. Es muss
ausgeschlossen werden, dass Kulturveranstaltungen mit Bundesmitteln gefördert
werden, die diese Mittel für antisemitische Äußerungen oder Aktionen
zweckentfremden. Kulturveranstaltungen müssen auch mit einseitigen oder sogar
abzulehnenden Beiträgen umgehen können. Das Problem ist nicht ein Beitrag mit
inakzeptablen Inhalten, das Problem ist, wenn Veranstalter das widerspruchsfrei
zulassen und ihrer kuratorischen Verantwortung nicht mit einer entsprechenden
Kontextualisierung und Einordnung gerecht werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wann und mit wem hat die Bundesregierung und im Besonderen die
Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Vorfeld der
Berlinale Gespräche über den Umgang mit dem Thema Israelhass und
Antisemitismus auf dem Filmfestival geführt, und mit welchem Ergebnis?
2. Mit wem hat sich die Bundesregierung und im Besonderen die BKM nach
der Berlinale über das Thema Israelhass und Antisemitismus
ausgetauscht, und mit welchem Ergebnis?
Deutscher Bundestag Drucksache 20/10826
20. Wahlperiode 25.03.2024
3. Hat sich die BKM und/oder die Festivalleitung im Vorfeld der Berlinale
mit Vertretern der Sponsoren über das Thema Israelhass und
Antisemitismus ausgetauscht, und mit welchem Ergebnis?
4. Hat sich die BKM und/oder die Festivalleitung während der Berlinale mit
Vertretern der Sponsoren der Berlinale über das Thema Israelhass und
Antisemitismus im Zusammenhang mit der Berlinale ausgetauscht?
5. Gab es im Vorfeld der Berlinale konkrete Maßnahmen der Festivalleitung,
um antisemitische Äußerungen oder Aktivitäten im Rahmen der Berlinale
zu verhindern oder darauf zu reagieren?
6. Nach welchen Kriterien wurden die Mitarbeiter bzw. Beschäftigten des
Festivals ausgewählt (bitte nach einzelnen Bereichen, Kriterien und
Anzahl auflisten)?
7. Gab es für die Mitarbeiterschaft der Berlinale eine Ansprechperson zum
Umgang mit dem Thema Nahost-Konflikt oder Antisemitismus, und wenn
ja, auf welcher fachlichen Grundlage, und durch wen wurde diese Person
ausgewählt, und wenn nein, warum nicht?
8. Gab es nach den „Free Palestine“-Rufen bei der Filmvorführung von „No
Other Land“ am 17. Februar 2024 Gespräche zwischen der BKM und der
Festivalleitung, und wenn ja, wann, und mit welchem Ergebnis (https://w
ww.rbb24.de/kultur/berlinale/beitraege/2024/berlin-berlinale-film-no-othe
r-land-free-palestine-rufe.html)?
9. Gab es seitens der BKM und/oder der Festivalleitung eine Reaktion auf
die bei einer Diskussionsrunde zu dem Film „No Other Land“ gefallenen
Äußerungen „Apartheid“ und „Klima der Zensur in Deutschland“ und den
öffentlichen Vorwurf, die Moderatoren seien einseitige Stichwortgeber
gewesen (https://www.nzz.ch/feuilleton/no-other-land-palaestinensischer-akt
ivismus-an-der-berlinale-ld.1814655)?
10. Gab es nach den pro-palästinensischen Mahnwachen auf dem Potsdamer
Platz im Rahmen der Berlinale Gespräche zwischen der BKM und der
Festivalleitung, und wenn ja, wann, und mit welchem Ergebnis (radioein
s.de/programm/sendungen/modo1619/wissen_denken_meinen/jens-balze
r-pro-palaestinensische_bekundungen_berlinale.html)?
11. In wessen Verantwortung fällt die Erarbeitung des „Verhaltenskodex
Antidiskriminierung“ (https://www.berlinale.de/de/antidiskrimierung.html)?
12. In wessen Verantwortung fällt die Entscheidung, welche Vereine „die
Einhaltung des Verhaltenskodex sowie der Antidiskriminierungspolitik“
während der Berlinale gewährleisten sollen, und nach welchen Kriterien
wurde diese Auswahl getroffen (https://www.berlinale.de/de/antidiskrimierun
g.html)?
13. Hält die BKM die Auswahl der für „die Einhaltung des Verhaltenskodex
sowie der Antidiskriminierungspolitik“ auf der Berlinale ausgewählten
Vereine für zielgerichtet, angesichts der massiv angestiegenen Fälle von
Antisemitismus im Kunst- und Kulturbetrieb?
14. Gab es vor oder während der Berlinale Vorfälle oder Ereignisse, die zu
einem Verstoß gegen den Verhaltenskodex geführt haben, und wenn ja,
wann, und mit welchen Konsequenzen?
15. War die BKM in die Entwicklung oder Formulierung des Verhaltenskodex
eingebunden?
16. Ist die BKM der Ansicht, dass der Verhaltenskodex eine wirksame
Maßnahme im Kampf gegen israelfeindliche oder antisemitische Äußerungen
und Aktivitäten auf der Berlinale war, und wenn nein, welche
Formulierungen wären aus Sicht der BKM notwendig und geeignet gewesen, um
israelfeindlichen oder antisemitischen Äußerungen während der Berlinale
effektiv begegnen zu können?
17. Wurden der Mitarbeiterschaft im Vorfeld der Berlinale Schulungen oder
Gespräche zum Thema Israelhass und Antisemitismus angeboten, und
wenn ja, welche?
18. Gab es vor der Berlinale Gespräche mit Mitarbeitern des Festivals über
pro-palästinensische Aktivitäten und den Umgang damit?
19. Gab es während der Berlinale Gespräche mit Mitarbeitern des Festivals
über pro-palästinensische Aktivitäten und Demonstrationen und den
Umgang damit?
20. Welche Personen waren in die Planung und Durchführung der
Abschlussgala der Berlinale eingebunden?
21. Zu welchem konkreten Zeitpunkt haben die Organisatoren und die
Moderatorin der Abschlussgala erfahren, dass der Film „No Other Land“ den
Dokumentarfilmpreis verliehen bekommt?
22. Gab es bei der Planung und Organisation der Abschlussgala aus Sicht der
dafür Verantwortlichen Hinweise für israelfeindliche oder antisemitische
Äußerungen oder Aktivitäten, und wenn ja, welche, und wenn nein, wurde
bei der Planung und Organisation der Abschlussgala über den Umgang
mit möglichen israelfeindlichen oder antisemitischen Äußerungen oder
Aktivitäten gesprochen?
23. Wurden für die Durchführung der Berlinale Sicherheitskonzepte im
Zusammenhang mit der gestiegenen Bedrohungslage durch den Nahost-
Konflikt erarbeitet, und wenn ja, welche?
24. Gab es Informationen oder Handlungsempfehlungen an die Mitarbeiter
der Berlinale für den Fall, dass es zu israelfeindlichen oder
antisemitischen Äußerungen und Handlungen während der Berlinale kommen
sollte?
25. Wer trägt die Verantwortung für den Ablauf der Abschlussgala der
Berlinale am 24. Februar 2024, und haben die dafür Verantwortlichen aus Sicht
der BKM ausreichende Maßnahmen ergriffen, um antisemitische und
israelfeindliche Äußerungen im Rahmen der Gala zu verhindern oder ihnen
zu widersprechen?
26. Wurde mit der Moderatorin über den möglichen Fall gesprochen, dass es
während der Abschlussgala zu antiisraelischen oder antisemitischen
Äußerungen kommen kann, und wenn ja, mit welchem Inhalt?
27. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung und im Besonderen die BKM
aus der Begründung der Preisrichter, dass bei der Berlinale Filme „jenseits
von ästhetischen oder formalen Kriterien“ ausgezeichnet werden sollten
(https://www.nzz.ch/meinung/israel-hass-an-der-berlinale-kommt-nicht-au
s-dem-luftleeren-raum-ld.1819432)?
28. Ist die BKM wie die Fragesteller der Auffassung, dass das von ihr im
Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages beworbene
„TinyHouse-Projekt“ mit drei Tagen deutlich zu kurz gewesen sei (https://
www.nzz.ch/feuilleton/diese-berlinale-war-kein-ort-der-debatte-sondern-e
in-safe-space-ld.1814934), und wenn nein, warum nicht?
29. Nach welchen Kriterien und durch wen wurde die Besetzung des
„TinyHouse-Projekts“ ausgewählt?
30. Welche Expertise hat der im Verhaltenskodex als Ansprechpartner
genannte „Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit e. V.“ (bdb
e. V.) im Bereich israelbezogener Antisemitismus?
a) Welche Expertise hat der im Verhaltenskodex als Ansprechpartner
genannte „Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit e. V.“ im
Bereich moderner Erscheinungsformen von Antisemitismus,
insbesondere in Kunst und Kultur?
b) Ist der BKM bekannt, dass auf der Internetseite des „bdb e. V.“ das
Thema Antisemitismus keine Erwähnung findet?
c) In welcher Höhe sind Mittel an den „bdb e. V. geflossen?
d) Wie viele Beratungs- und Unterstützungsfälle hat der „bdb e. V.“ im
Rahmen der Berlinale betreut (bitte Anzahl und thematische
Schwerpunkte auflisten)?
31. Welche Expertise hat die im Verhaltenskodex als Ansprechpartner
genannte „Landesvereinigung Selbsthilfe e. V.“ im Bereich israelbezogener
Antisemitismus?
a) Welche Expertise hat die im Verhaltenskodex als Ansprechpartner
genannte „Landesvereinigung Selbsthilfe e. V.“ im Bereich moderner
Erscheinungsformen von Antisemitismus, insbesondere in Kunst und
Kultur?
b) Ist der BKM bekannt, dass auf der Internetseite der
„Landesvereinigung Selbsthilfe e. V.“ das Thema Antisemitismus keine Erwähnung
findet?
c) In welcher Höhe sind Mittel an die „Landesvereinigung Selbsthilfe
e. V.“ geflossen?
d) Wie viele Beratungs- und Unterstützungsfälle hat die
„Landesvereinigung Selbsthilfe e. V.“ im Rahmen der Berlinale betreut (bitte Anzahl
und thematische Schwerpunkte auflisten)?
32. In welcher Höhe wurden im Rahmen der Berlinale Ausgaben in den
Bereichen Antidiskriminierung, Awareness, Inklusion und Verhaltenskodex
getätigt (bitte einzeln auflisten)?
33. In welcher Höhe wurden im Rahmen der Berlinale Ausgaben im Bereich
der Antisemitismusprävention getätigt?
34. Sind die auf der Abschlussgala der Berlinale öffentlich verwendeten
Begriffe „Apartheid“ und „ongoing genocide“ in Bezug auf Israel aus Sicht
der Bundesregierung eine antisemitische Äußerung?
35. Definiert die Bundesregierung Antisemitismus als Form von Rassismus,
und wenn ja, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage?
36. Wendet die Berlinale die IHRA-Definition (IHRA = International
Holocaust Remembrance Alliance) an, um antisemitische Äußerungen und
Stereotype zu erkennen, und wenn nein, warum nicht, und welche
stattdessen?
37. Zu welchem Zeitpunkt und wie hat die BKM erstmals von der
Veröffentlichung antisemitischer Beiträge und Posts auf dem Instagram-Kanal der
Berlinale-Sektion Panorama erfahren, und wie und wann hat sie
diesbezüglich mit der Berlinale-Leitung Kontakt gehabt?
38. Zu welchem Zeitpunkt und wie hat die Festivalleitung erstmals von der
Veröffentlichung antisemitischer Beiträge und Posts auf dem Instagram-
Kanal der Berlinale-Sektion Panorama erfahren, und wie und wann hat sie
darauf reagiert?
39. Welche Belege haben die Festivalleitung zu der Aussage veranlasst, dass
„der Instagram-Kanal der Berlinale Sektion Panorama kurzzeitig gehackt“
worden sei (https://www.berlinale.de/de/2024/news-pressemitteilungen/25
4826.html), und wer hat die Löschung der Postings veranlasst?
40. Wer hat die Blockierung von Kritikern dieser Postings auf dem Twitter-
Kanal der Berlinale veranlasst, aus welchen Gründen, und wie wurde
damit umgegangen (https://x.com/fettessen/status/1762153248058720669?
s=20)?
41. Nutzt die Berlinale standardmäßig eine Zwei-Faktoren-Authentifizierung
für ihre Social-Media-Kanäle, und wenn nein, warum nicht, und wenn ja,
wer betätigt die Zweit-Authentifizierung?
a) Wenn ja, wird dieses Verfahren auch im Falle des Instagram-Kanals
der Berlinale-Sektion Panorama angewendet, und wenn nein, warum
nicht?
b) Wie verläuft das Freigabeverfahren für Posts und Stories auf den
Instagram-Kanälen der Berlinale?
c) Wie viele Social-Media-Accounts wurden von der Berlinale betrieben
(bitte einzeln auflisten)?
d) Wie viele Mitarbeiter waren im Social-Media-Team der Berlinale tätig
(bitte für jeden Kanal und jedes Medium einzeln auflisten)?
e) Welche Kosten sind durch die Betreuung der einzelnen Accounts
(Werbung, Personal etc.) entstanden (bitte einzeln auflisten)?
f) Welche Beiträge und Stories wurden auf den Instagram-Kanälen der
Berlinale im Zuge der diesjährigen Festivalausgabe geteilt (bitte für
jeden Kanal einzeln anhand der Instagram-Funktion „Deine
Aktivitäten“ für „Interaktionen“ („Gefällt mir“-Angaben und Kommentare),
„Entfernte und archivierte Inhalte“ („Vor Kurzem gelöscht“ sowie
„Archiviert“) und „Inhalte, die du geteilt hast“ (Beiträge, Reels,
Highlights) auflisten)?
g) Welche ungewöhnlichen Anmeldungen lassen sich mit welchem
Datum und Standort anhand des Instagram-Anmeldeverlaufs
rekonstruieren (bitte für jeden Account einzeln auflisten)?
h) Wie wird ein Like durch den offiziellen Instagram-Account der
Berlinale-Sektion Generation unter dem betreffenden antisemitischen
Post der Panorama-Sektion begründet?
i) Hat die Berlinale Konsequenzen aus dem Liken antisemitischer Posts
durch die Social-Media-Teams anderer Sektionen gezogen, und wenn
ja, welche?
42. Sind der Festivalleitung und der BKM antisemitische Äußerungen,
Handlungen und Darstellungen bekannt, die während der Berlinale 2024
getätigt oder gezeigt wurden (https://www.zeit.de/kultur/film/2024-02/berlinal
e-antisemitismus-justizminister-buschmann-kritik; wenn ja, bitte
auflisten)?
43. Hat sich die Bundesregierung zu dem „collective statement“, dass im
Rahmen der Veranstaltung „Common Tongues“ am 19. Februar 2024 verlesen
wurde, eine eigene Auffassung gebildet, und wenn ja, wie lautet diese?
44. Welche Schlüsse für ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung aus
den Sprechchören, die im Rahmen eines Gesprächs mit Hillary Clinton
getätigt wurden und ebenso aus nach Auffassung der Fragesteller als
(potenziell) antisemitische und Israel dämonisierende Störaktion einzuordnen
sind (https://www.instagram.com/reel/C3ir8UNsAp9/?igsh=cnR6cmllbnU
yaDV5 und https://www.instagram.com/reel/C3irF--sc7d/?igsh=ZnB3Z2l
scndocTE=), wurden im Nachgang Maßnahmen ergriffen, und wenn ja,
welche, wenn nein, warum nicht?
45. Teilt die Bundesregierung die Ansicht der Fragesteller, nach der in den
Sprechchören und Bannern, die im Rahmen des European Film Market
(EFM) getätigt bzw. gezeigt wurden eine potenziell antisemitische
Störaktion zu sehen ist, und wenn nein, warum nicht, wurden im Nachgang
Maßnahmen ergriffen, und wenn ja, welche, wenn nein, warum nicht?
a) Fanden im Rahmen des Akkreditierungsprozesses für den EFM
Überprüfungen statt?
b) Welche Einlasskontrollen wurden beim EFM durchgeführt?
c) Welche Konsequenzen wurden oder werden nach Kenntnis der BKM
aufseiten der Berlinale gezogen, um in Zukunft Störaktionen durch
akkreditierte Teilnehmer des EFM zu verhindern (wenn keine gezogen
werden, bitte begründen)?
46. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu der Rede von Emilia Beatriz
(https://www.instagram.com/reel/C3px-4_MwQC/?igsh=MWQ4bWo5ejJ
0N2J3Zw==) im Rahmen einer Filmaufführung ihres Films „Barrunto“,
und stuft sie diese wie die Fragesteller als potenziell antisemitisch ein
(wenn nein, bitte begründen), wann und wie haben die BKM und die
Berlinale-Leitung auf diese nach Ansicht der Fragesteller einseitig
formulierte Kritik an Israel, die Unterstützung von Strike Germany und die
Unterstützung mehrerer in Teilen antisemitischer Statements reagiert, und
wenn sie nicht reagiert hat, weshalb nicht?
47. Welche konkreten Aufgaben und Zuständigkeiten hat die
Antisemitismusbeauftragte der BKM Julia Yael Alfandari?
48. Welche Projekte und Aufgaben hat die Antisemitismusbeauftragte der
BKM nach dem 7. Oktober 2023 verantwortet, und in welchem Umfang
war sie in die Planung und Durchführung der Berlinale aktiv
eingebunden?
49. Wie definiert die Bundesregierung „Antizionismus“, „israelbezogenen
Antisemitismus“ und „Israelhass“?
50. Weshalb hat sich die BKM erst am 26. Februar 2024 zu den Vorfällen auf
der Abschlussgala öffentlich geäußert, steht die BKM weiterhin hinter den
im Anschluss an die Abschlussgala (24. Februar 2024) veröffentlichen
Pressemitteilungen und Post (https://www.kulturstaatsministerin.de/Share
dDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/02/2024-02-24-berlinale-baerengewin
ner.html)?
51. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die Berlinale-Leitung ihrer
(kuratorischen) Gesamtverantwortung vollumfänglich gerecht geworden
ist, und wenn ja, bitte begründen, und wenn nein, bitte ausführen?
52. Welche Gespräche hat die BKM mit der zukünftigen Leiterin der
Berlinale, Tricia Tuttle, zum Thema Antisemitismus und Nahost-Konflikt
geführt, und welche Gespräche sind geplant (bitte im Einzelnen auflisten),
welche Rolle spielten Antisemitismuskritik und Wissen über die
spezifische deutsche Vergangenheit bei der Auswahl der neuen Berlinale-
Leitung, und wenn dies keine Rolle spielte, wurden andere
Diversitätskriterien in der Auswahl berücksichtigt?
53. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung und im Besonderen die
BKM ergreifen, um bei der kommenden Berlinale jegliche Form von
Antisemitismus und Israelhass zu verhindern, hält die BKM eine an
konkrete Zielvorgaben gekoppelte Finanzierung der Berlinale für ein
geeignetes Instrument, und wenn nein, bitte begründen?
54. Wurde an die Festivalleitung die Bitte herangetragen, im Rahmen der
Berlinale auf das Schicksal des von der Hamas entführten Schauspielers
David Cunio aufmerksam zu machen, und wenn ja, wurde auf diese Bitte
reagiert, und wenn ja, wie?
55. Wurde an die Bundesregierung und im Besonderen an die BKM die Bitte
herangetragen, im Rahmen der Berlinale auf das Schicksal des von der
Hamas entführten Schauspielers David Cunio aufmerksam zu machen,
und wenn ja, wurde auf diese Bitte reagiert, und wenn ja, wie (https://ww
w.tagesspiegel.de/kultur/vor-der-sondersitzung-zur-berlinale-die-barengal
a-david-cunio-und-claudia-roth-11335831.html)?
56. Gab es zwischen der Festivalleitung und der BKM Gespräche über den
Fall David Cunio, und wenn ja, wann, und mit welchem Ergebnis?
57. Aus welchen Gründen haben weder die Festivalleitung noch die BKM auf
zahlreiche E-Mails reagiert, die auf das Schicksal von David Cunio
aufmerksam gemacht haben (https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/k
ultur/berlinale-antisemitismus-nahost-gaza-israel-palaestinenser-e872162/
?reduced=true)?
58. Gab es einen Austausch zwischen der BKM und dem künstlerischen
Berlinale-Leiter Carlo Chatrian über die von ihm in einem öffentlichen
Statement am 1. März 2024 getätigten Äußerungen, wonach „jeder“ Film
gezeigt werden können muss, auch solche die antisemitisch, rassistisch
oder menschenverachtend sind und dass „jeder“ Gast willkommen sein
muss, auch wenn er antisemitische, rassistische oder
menschenverachtende Positionen vertritt (https://twitter.com/CarloChatrian/status/176356600
0560025822?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwte
rm%5E1763566000560025822%7Ctwgr%5E5f9ba74851de2e21962862a
5ead7636d790fdf56%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fww
w.spiegel.de%2Fkultur%2Fkino%2Fisraelkritik-bei-berlinale-carlo-chatri
an-stellt-sich-vor-filmschaffende-und-jurymitglieder-a-9b011d7b-dd5f-4d
61-a865-58795e996096)?
59. Welche konkreten Konsequenzen zieht die Bundesregierung daraus, dass
es im Rahmen der Berlinale mehrfach zu antiisraelischen und
antisemitischen Äußerungen gekommen ist?
60. Welche konkreten Schritte gab es seitens der Festivalleitung bislang, um
die israelfeindlichen und antisemitischen Äußerungen auf der Berlinale
aufzuarbeiten?
61. Welche konkreten Schritte gab es seitens der Bundesregierung bislang, um
die israelfeindlichen und antisemitischen Äußerungen auf der Berlinale
aufzuarbeiten?
62. Welche konkreten Ergebnisse hatte die Aufsichtsratssitzung der
Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) am 11. März 2024?
63. Wie ist das von der BKM in der Sitzung des Ausschusses für Kultur und
Medien am 21. Februar 2024 für Anfang März angekündigte Ergebnis des
Gutachtens von Prof. Dr. Christoph Möllers zu Vorgaben bei
Förderrichtlinien, wann wird dieses Gutachten veröffentlicht, und welche Kosten sind
mit der Erstellung des Gutachtens entstanden?
64. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass es keine Bundesförderung
für Projekte oder Veranstaltungen geben darf, die die Mittel für Israelhass
und Antisemitismus zweckentfremden, und wenn ja, mit welchen
konkreten Maßnahmen stellt sie das sicher?
65. Welche Schlüsse für ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung hierzu
aus der Forderung der Kultusministerkonferenz (KMK; https://www.kmk.
org/aktuelles/artikelansicht/gemeinsame-erklaerung-der-kulturministerkon
ferenz-der-beauftragten-der-bundesregierung-fuer-kultur-un.html),
„rechtssichere Regelungen zu erarbeiten, die darauf abzielen, dass keine
Projekte und Vorhaben gefördert werden, die antisemitische, rassistische
oder andere menschenverachtende Ziele verfolgen.“?
66. Hat sich die Bundesregierung zu dem Vorschlag des Tikvah Instituts, § 23
der Bundeshaushaltsordnung (BHO) um eine Formulierung zu ergänzen,
nach der „antisemitische, rassistische und sonstige menschenverachtende
Konzepte“ einer Zuwendung entgegenstünden (Tikvah Institut (Ed.):
Mögliche juristische und rechtspolitische Antworten auf BDS [Boykott,
Deinvestition und Sanktionen] nach dem Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts gegen die Stadt München, E-Book, Leipzig, Verlag Hentrich &
Hentrich, 2023, IV. 2., S. 33 f.), eine Meinung gebildet, und wenn ja, wie
lautet diese?
67. Wie wurde das juristische Gutachten der BKM zur documenta
ausgeschrieben und vergeben (https://www.sueddeutsche.de/kultur/christoph-m
oellers-antisemitismus-documenta-claudia-roth-kunstfreiheit-1.5735113)?
68. Was waren die Gründe dafür, den juristischen Berater der „Initiative
GG 5.3 Weltoffenheit“ (https://www.humboldtforum.org/wp-content/uplo
ads/2020/12/201210_PlaedoyerFuerWeltoffenheit.pdf) mit dem Gutachten
zu beauftragen?
69. Spielt bei der Auswahl von Prof. Dr. Christoph Möllers der Umstand eine
Rolle, dass auch der Leitende Beamte und Amtschef der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministerialdirektor Dr. Andreas
Görgen, ebenfalls Berater der „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ war, und
wenn ja, welche?
70. Welche Kosten waren mit der Erstellung des Gutachtens „Grundrechtliche
Grenzen und grundrechtliche Schutzgebote staatlicher Kulturförderung.
Ein Rechtsgutachten im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für
Kultur und Medien. Berlin, 2023“ durch Prof. Dr. Christoph Möllers
verbunden (https://www.kulturstaatsministerin.de/SharedDocs/Downloads/D
E/2023/2023-01-24-bkm-gutachten-moellers.pdf?__blob=publicationFile
&v=2)?
71. Was waren die Gründe dafür, den juristischen Berater der „Initiative
GG 5.3 Weltoffenheit“ (https://www.humboldtforum.org/wp-content/uplo
ads/2020/12/201210_PlaedoyerFuerWeltoffenheit.pdf) mit dem
neuerlichen Gutachten, rechtssicherer Formulierung von Verhaltensregeln und
dem wirkungsvollen Eintreten gegen Antisemitismus, Rassismus und
gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (Marcus Woeller: Der Druck auf
Claudia Roth wächst. Die Welt, 12. März 2024, https://www.welt.de/kultu
r/article250450774/Claudia-Roth-Verhaltenskodex-zu-Antisemitismus-De
r-Druck-auf-Claudia-Roth-waechst.html) zu beauftragen?
72. Wurde der Auftrag für ein Gutachten zu möglichen Vorgaben bei
Förderrichtlinien, welches an Prof. Dr. Christoph Möllers vergeben wurde, von
der BKM ausgeschrieben, und wenn ja, wann, und mit welchem
Ausschreibungstext, und wenn nein, wer hat die Entscheidung zur
Beauftragung von Prof. Dr. Christoph Möllers getroffen (Marcus Woeller: Der
Druck auf Claudia Roth wächst. Die Welt, 12. März 2024, https://www.we
lt.de/kultur/article250450774/Claudia-Roth-Verhaltenskodex-zu-Antisemi
tismus-Der-Druck-auf-Claudia-Roth-waechst.html)?
73. Spielt bei der Auswahl von Prof. Dr. Christoph Möllers als neuerlichem
Gutachter der Umstand eine Rolle, dass auch der Leitende Beamte und
Amtschef der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien,
Ministerialdirektor Dr. Andreas Görgen, ebenfalls Berater der „Initiative
GG 5.3 Weltoffenheit“ war, und wenn ja, welche?
Berlin, den 18. März 2024
Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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