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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Bürgerschaftliches Engagement von Seniorinnen und Senioren

(insgesamt 32 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Datum

24.10.2025

Aktualisiert

31.10.2025

Deutscher BundestagDrucksache 21/214910.10.2025

Bürgerschaftliches Engagement von Seniorinnen und Senioren

der Abgeordneten Mandy Eißing, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke

Vorbemerkung

Mit ihrer Engagementstrategie hat die vorherige Bundesregierung unter anderem die Vielfalt des Alters und die Situation hochbetagter Menschen in den Blick genommen, um es gerade benachteiligten und älteren Personen dauerhaft leichter zu machen, sich freiwillig zu engagieren.

Der Neunte Altersbericht der Bundesregierung hebt überdies hervor, dass die Förderung des Engagements „nicht allein das freiwillige Engagement lebenslang Engagierter in den Blick nehmen, sondern auch die Gestaltung des Neubeginns freiwilligen Engagements im (hohen) Alter“ berücksichtigen sollte (Neunter Altersbericht, S. 93). Die rund 600 000 Organisationen der Zivilgesellschaft seien gefordert, älteren Menschen mehr Gelegenheiten für Engagement zu bieten, sich der Vielfalt des Alters zu öffnen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen gegen Altersdiskriminierung zu ergreifen.

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche neue Engagementmöglichkeiten für Seniorinnen und Senioren entwickelt – von generationenübergreifenden Projekten über ehrenamtliche Pflegetätigkeiten bis hin zu Austauschprogrammen mit Au-pair-Charakter. Eine hohe Beteiligung älterer Menschen am freiwilligen Engagement kann Einsamkeit vorbeugen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Der Wunsch, sich einzubringen, bleibt bei vielen Menschen bis ins hohe Alter erhalten. Freiwilliges Engagement sollte gleichzeitig jedoch nicht reguläre Arbeitsplätze ersetzen oder als notwendige Einkommensquelle – bzw. Aufstockquelle – dienen müssen.

Laut Neuntem Altersbericht (S. 92) bestehen überdies geschlechterspezifische Ungleichheiten beim Engagement besonders verstärkt in der Altersgruppe der Hochaltrigen, die die Hürden für den Zugang zum Ehrenamt insbesondere für Frauen erschweren, weil sie statistisch gesehen deutlich häufiger Sorgearbeit übernehmen.

Der sechste Freiwilligensurvey aus dem Jahr 2024 könnte zusätzliche Informationen über das Engagement älterer Menschen liefern, ist bis dato jedoch unveröffentlicht.

Vor diesem Hintergrund ist es nach Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller von großer Bedeutung, einen aktuellen Überblick über die Datenlage, bestehende Fördermaßnahmen und geplante Initiativen der Bundesregierung zu erhalten, die geeignet sind, die Bedingungen für bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen zu verbessern – insbesondere im Hinblick auf den Zugang, den Schutz vor Diskriminierung und die Förderung von intergenerationellen Projekten.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen32

1

In welchen Bereichen engagieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung wie viele Seniorinnen und Senioren aktuell (bitte nach absoluten Zahlen, nach Altersspanne von 55 bis 65 Jahren und ab 65 Jahren getrennt, Geschlecht, Ort, Art der Tätigkeit, Name des Verbandes bzw. des Trägers etc. aufschlüsseln)?

2

Wie viele Stunden engagieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung Seniorinnen und Senioren seit 2015 ehrenamtlich (bitte nach Jahren, Altersgruppen, Ort, Geschlecht, Art der Tätigkeit, insgesamt und im Durchschnitt aufschlüsseln)?

3

Welche Veränderungen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bei den von Seniorinnen und Senioren geleisteten Engagementstunden seit 2015?

a) Wie erklärt sich die Bundesregierung die beobachteten Entwicklungen, und welche Schlüsse zieht sie daraus?

b) Wie wird sich die Zahl der sich engagierenden Bundesfreiwilligendienstleistenden ab 55 Jahren nach Annahme der Bundesregierung weiterentwickeln?

c) Welche Entwicklung strebt die Bundesregierung an, und welche Maßnahmen unternimmt sie diesbezüglich?

4

Wie viele Seniorinnen und Senioren absolvieren aktuell einen Bundesfreiwilligendienst (bitte nach Alter, Geschlecht, Ort und Tätigkeitsbereich aufschlüsseln)?

5

Wie viele Seniorinnen und Senioren absolvierten seit 2015 einen Bundesfreiwilligendienst (bitte nach Jahren, Altersspanne von 55 bis 65 Jahren und ab 65 Jahren getrennt, Geschlecht, Einsatzstelle, Bundesland und Tätigkeitsbereich aufschlüsseln)?

6

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich der Bildungsabschlüsse der Seniorinnen und Senioren, die sich aktuell im Bundesfreiwilligendienst engagieren?

7

Aus welcher Erwerbssituation haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die aktuellen bundesfreiwilligendienstleistenden Seniorinnen und Senioren angemeldet?

a) Wie wird dies ermittelt?

b) Wenn nicht, weshalb erhebt die Bundesregierung diese Daten nicht?

8

Wie viele Seniorinnen und Senioren nehmen aktuell wo, über welchen Zeitraum und an welchen Bildungsveranstaltungen im Bundesfreiwilligendienst teil?

9

In welchen Bereichen sind die aktuellen Bundesfreiwilligendienstleistenden eingesetzt (bitte nach Altersspanne von 55 bis 65 Jahren und ab 65 Jahren getrennt, Orten – in Städten über und unter 100 000 Einwohnern –, Geschlecht, Alter und Einsatzbereichen aufschlüsseln)?

10

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Motivation der bundesfreiwilligendienstleistenden Seniorinnen und Senioren und Rentnerinnen und Rentner, sich im Bundesfreiwilligendienst zu engagieren?

11

Wie beurteilt die Bundesregierung die indirekte Vermittlung von Bundesfreiwilligendienststellen über die Bundesagentur für Arbeit oder Jobcenter?

a) Wie reagiert die Bundesregierung auf an die Fragestellenden herangetragene Schilderungen nach einem „sanften Druck“, dass Erwerbslose und gerade Ältere einen solchen Dienst aufnehmen sollen?

b) In welcher Form sieht die Bundesregierung gegebenenfalls das Freiwilligenprinzip verletzt (bitte begründen)?

12

Wie hoch ist nach Auffassung der Bundesregierung der wirtschaftliche Wert der Kinderbetreuung durch die Großeltern?

13

Wie viele Stunden betreuen Großeltern ihre Enkel nach Kenntnis der Bundesregierung im Durchschnitt, und wie viele Stunden sind es insgesamt?

14

Welche Strukturen wurden inzwischen als Unterstützungs- und Begleitsystem für das Engagement der Großelterndienste geschaffen, und wie werden diese angenommen (siehe Bundestagsdrucksache 17/11443)?

15

Welche Meinung vertritt die Bundesregierung zu den Au-pair-Dienstleistern für ältere Au-pairs, z. B. „Granny Au-pair“?

16

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Umfang und die Art der Arbeit der dort engagierten Seniorinnen und Senioren?

17

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie viele Stunden in der Kinderbetreuung durch Leihomas und Leihopas eingespart werden?

a) Wie hoch ist der finanzielle Effekt dieser Einsparung?

b) Strebt die Bundesregierung eine Ausweitung an?

c) Wenn ja, in welchem Ausmaß, und mit welcher Begründung?

18

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, wie viele Seniorinnen und Senioren sich in nachbarschaftlichen Vereinen engagieren und welche Aufgaben diese übernehmen?

19

Ist der Bundesregierung bekannt, wie viele Seniorinnen und Senioren sich in der Pflege engagieren, und warum sie sich dort engagieren?

20

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie groß der Anteil der bürgerschaftlich engagierten Seniorinnen und Senioren mit Migrationsgeschichte ist (bitte nach Jahren seit 2015 aufschlüsseln)?

21

In welchen Bereichen engagieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung Seniorinnen und Senioren mit Migrationsgeschichte?

22

Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung in ihren Engagementstrategien für Ältere die besonderen Bedarfe von Menschen mit Migrationsgeschichte, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen in ländlichen Räumen?

23

Hat die Bundesregierung vor, das Engagement von Seniorinnen und Senioren mit Migrationsgeschichte weiterhin besonders zu fördern, und wenn ja, wie und warum?

a) Welche Zielvorstellung hat die Bundesregierung diesbezüglich in fünf Jahren?

b) Wenn nein, warum nicht?

24

Welche Einschätzung hat die Bundesregierung hinsichtlich der Gesetzgebungskompetenz des Bundes für ein Seniorenmitwirkungsgesetz (unter Bezugnahme auf einschlägige Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages)?

a) Plant die Bundesregierung, ein Seniorenmitwirkungsgesetz zu verabschieden, z. B. ähnlich dem Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz (BerlSenG)?

b) Wenn ja, mit welchen Inhalten?

c) Sieht die Bundesregierung ein solches Gesetz als sinnvoll an, um darin neben der Mitwirkung von Seniorinnen und Senioren beim bürgerschaftlichen Engagement auch konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten z. B. im Gesetzgebungsprozess im Bund oder bei kommunalen und länderspezifischen Entscheidungen festzuschreiben (bitte begründen)?

d) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über bestehende Seniorenmitwirkungsgesetze oder vergleichbare Regelungen in den Ländern sowie in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union?

e) Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, wie viele Seniorinnen und Senioren aktuell politische Mandate in den Kommunen, Ländern oder auf Bundesebene innehaben?

25

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Barrieren, die Seniorinnen und Senioren von einem ehrenamtlichen Engagement abhalten, z. B. digitale Hürden, fehlende Mobilität, gesundheitliche Einschränkungen, und welche konkreten Maßnahmen werden dagegen ergriffen?

26

Welche Projekte oder Programme werden aus Sicht der Bundesregierung als besonders erfolgreich bewertet, um Seniorinnen und Senioren ins Ehrenamt einzubinden, und wie wird deren Wirkung gemessen?

27

Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung Mehrgenerationenhäuser und ähnliche Einrichtungen für die Einbindung von Seniorinnen und Senioren ins Ehrenamt, und wie hoch ist aktuell deren Anteil an den dort Tätigen (bitte nach Altersgruppen, Geschlecht und Tätigkeitsfeld aufschlüsseln)?

28

Welche Kooperationen bestehen zwischen Bund, Ländern, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, um gezielt Seniorinnen und Senioren für das Ehrenamt zu gewinnen?

29

Inwiefern gedenkt die Bundesregierung, die in der Engagementstrategie des Bundes veröffentlichten Maßnahmen für ältere engagierte Menschen weiterzuverfolgen, wie z. B. die Ausstattung von Seniorenorganisationen mit moderner Technik (S. 80)?

30

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um ehrenamtlich engagierte Seniorinnen und Senioren besonders zu unterstützen und zu schützen?

31

Inwiefern ist seitens der Bundesregierung geplant, die Datenlage zu Seniorinnen und Senioren im Ehrenamt zu verbessern, z. B. durch spezifische Module im Freiwilligensurvey oder in anderen bundesweiten Erhebungen?

32

Wie gedenkt die Bundesregierung, mögliche geschlechterspezifische Ungleichheiten beim Engagement in der Gruppe der Seniorinnen und Senioren zu verringern?

Berlin, den 1. Oktober 2025

Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion

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