Stellenwert gendersensibler Jugendarbeit
der Abgeordneten Heidi Reichinnek, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata Vogtschmidt und der Fraktion Die Linke
Vorbemerkung
Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit erfüllen eine wichtige Funktion bei der sozialen, politischen und persönlichen Entwicklung junger Menschen. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf freie Entfaltung und auch im Kinder- und Jugendhilfegesetz wurde die Zielstellung definiert, dass sie in ihrer Entwicklung zu selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu unterstützen sind. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, die vielfältigen Lebensrealitäten und Bedürfnisse der Jugendlichen angemessen zu berücksichtigen. Gendersensible Ansätze in der Jugendarbeit tragen dazu bei, Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund von Geschlechtsidentität oder gesellschaftlichen Rollenerwartungen entgegenzuwirken und Räume zu schaffen, in denen sich junge Menschen frei entfalten können.
Vor diesem Hintergrund möchten die Fragestellenden erneut erfragen, wie gendersensible Jugend(sozial)arbeit bundesweit gefördert, umgesetzt und weiterentwickelt wird. Insbesondere ist zu klären, welche Maßnahmen seitens der Bundesregierung ergriffen werden, um eine geschlechtergerechte, diskriminierungssensible und inklusive Ausgestaltung der offenen und verbandlichen Jugendarbeit sicherzustellen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen23
Welche aktuellen Daten liegen der Bundesregierung zur Lebenslage und gesellschaftlichen Teilhabe von Mädchen, jungen Frauen und queeren Jugendlichen (bis 27 Jahre) in Deutschland vor, und wie häufig werden diese erhoben?
Wie werden dabei auch intersektionale Diskriminierungserfahrungen (z. B. aufgrund von Herkunft, Religion, sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Behinderung oder Armut) erfasst und ausgewertet?
Welche Projekte in den Bereichen der gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit hat die Bundesregierung im Haushaltsjahr 2024 gefördert, und wie hoch war jeweils die Summe der bereitgestellten Mittel?
a) Welche Projekte wurden im Bereich der geschlechterübergreifenden gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit oder der klischeefreien Jugendberufsberatung gefördert?
b) Welche Projekte wurden im Bereich der männlichkeitskritischen Jungen(sozial)arbeit bzw. empowernder Mädchen(sozial)arbeit gefördert?
Wie haben sich die bereitgestellten Mittel für Projekte im Bereich der gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit in den vergangenen drei Jahren entwickelt?
a) Welche Projekte wurden in diesem Zeitraum gefördert?
b) Wie hoch war jeweils die Summe der bereitgestellten Mittel?
c) Wie bewertet die Bundesregierung die Ergebnisse der erfolgten Förderung?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die für 2024 zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel für gendersensible Jugend(sozial)arbeit in den Ländern und Kommunen?
In welchem Umfang werden in bestehenden oder geplanten Förderprogrammen gezielt Mädchen, junge Frauen und queere Jugendliche mit Migrationshintergrund, Behinderung oder aus benachteiligten sozialen Lagen angesprochen, und ist deren spezifische Unterstützung vorgesehen?
Welche Vorhaben im Bereich der gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit sind für die aktuelle Legislaturperiode geplant?
Sind Bundesprogramme vorgesehen, die sich explizit an Mädchen, junge Frauen und bzw. oder queere Jugendliche richten, insbesondere mit Blick auf die Überwindung intersektionaler Mehrfachdiskriminierungen?
Plant die Bundesregierung eine langfristige und flächendeckende Strukturförderung für gendersensible Jugendsozialarbeit, vor allem auch in strukturschwachen Regionen, um dort gendersensible Angebote sicherzustellen?
Wie viel Geld ist im Haushalt 2025 spezifisch für Projekte der gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit vorgesehen?
Welchen Stellenwert hat die gendersensible Jugendarbeit im Rahmen der Gleichstellungspolitik der Bundesregierung, und wie bildet sich dies im Haushalt für 2025 ab?
Wie viel Geld ist im Haushaltsentwurf 2026 spezifisch für Projekte der gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit vorgesehen?
Welchen Stellenwert hat die gendersensible Jugendarbeit im Rahmen der Gleichstellungspolitik der Bundesregierung, und wie bildet sich dies im Haushaltsentwurf für 2026 ab?
Plant die Bundesregierung einen eigenen Förderschwerpunkt zu diskriminierungskritischen Perspektiven in der Kinder- und Jugendhilfe, z. B. im Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundes?
Welche der über den Kinder- und Jugendplan oder andere Bundesprogramme geförderten Projekte adressieren mehrfach diskriminierte Jugendliche, und wie viele junge Menschen werden damit erreicht (bitte nach Kalenderjahren 2024 und 2025 sowie nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Welche finanziellen Mittel stellt die Bundesregierung derzeit jährlich bereit, um Interessenverbände im Bereich der gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit zu unterstützen?
Welche Gespräche mit Interessenverbänden haben in den letzten fünf Jahren zu den Themen gendersensibler Jugend(sozial)arbeit stattgefunden (bitte mit Datum, Thema und Teilnehmerinnen und Teilnehmern auflisten)?
Welche Vorhaben fördert die Bundesregierung derzeit, um finanziell benachteiligten Mädchen und jungen Frauen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen?
Welche Vorhaben fördert die Bundesregierung aktuell, um von Diskriminierung betroffenen Mädchen, jungen Frauen und queeren Jugendlichen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen?
Plant die Bundesregierung verpflichtende Diversitäts- und Gleichstellungsstandards für alle geförderten Träger und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe?
Wie viele „spezielle Workshops für Mädchen und junge Frauen“ fanden seit Beginn der Programme „Respekt Coaches“ sowie „Mental Health Coaches“ statt, und wie viele Mädchen und junge Frauen haben daran teilgenommen (vgl. Bundestagsdrucksache 20/5944)?
Plant die Bundesregierung, wie es in vielen Bundesländern der Fall ist, eine Koordinierungsstelle für Mädchenarbeit einzurichten, und wenn nein, wieso nicht?
Ist in den Kontexten der im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD angekündigten Weiterentwicklung der ressortübergreifenden Gleichstellungsstrategie, der Entwicklung einer Strategie zur mentalen Gesundheit sowie der Fortschreibung der Strategie gegen Einsamkeit geplant, je auch einen Fokus spezifisch auf Mädchen und jungen Frauen sowie queere und BIPoC-Jugendliche (BIPoC = Black, Indigenous and other People of Color) zu legen und hierauf aufbauend ressortübergreifende Aktivitäten zu veranlassen (wenn ja, bitte detailliert ausführen, wenn nein, bitte die Gründe erläutern)?