Stand und Entwicklung von Leiharbeit in der Pflege
der Abgeordneten Julia-Christina Stange, Nicole Gohlke, Pascal Meiser, Dr. Michael Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Zada Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Vorbemerkung
Leiharbeit im Pflegebereich boomt. Die ansonsten oft mit prekären Arbeitsbedingungen verbundene Zeitarbeitsbranche erweist sich im Pflegebereich als individueller Rettungsanker für Beschäftigte. Eine aktuelle Studie bestätigt den Trend, dass offenbar immer mehr Beschäftigte bessere Arbeitsbedingungen und mehr Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben finden, wenn sie als Pflegekräfte in der Leiharbeit tätig sind. Das trifft vor allem Frauen, denen es Zeitarbeit ermögliche, „weiterhin im Pflegebereich tätig zu bleiben, ohne die eigene physische und psychische Gesundheit zu gefährden oder private Care-Aufgaben zu vernachlässigen“ (www.bibliomed-pflege.de/news/zeitarbeit-studie-sieht-indirekte-kritik-am-system).
Für die Einrichtungen ist die Zeitarbeit allerdings oft mit erheblichen Mehrkosten verbunden, weshalb einige Einrichtungen bereits angekündigt haben, zukünftig auf Leiharbeit verzichten zu wollen (www.kma-online.de/aktuelles/pflege/detail/charite-pflegen-fast-ohne-leasingkraefte-und-zeitarbeit-54880). Darüber hinaus haben Leiharbeitsbeschäftigte in Pflegeeinrichtungen einen Sonderstatus und sind nicht im gleichen Maße in die Stammbelegschaft eingebunden, auch weil ihre Arbeit der Natur der Sache nach nicht auf Langfristigkeit und Stabilität angelegt ist (www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/wie-sinnvoll-ist-zeitarbeit-in-der-pflege-100.html).
Mit der Kleinen Anfrage wollen sich die Fragestellerinnen und Fragesteller ein Bild machen vom Stand und den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Leiharbeit im Pflegesektor.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Wie viele Leiharbeitskräfte gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung insgesamt in Pflegeberufen (bitte die aktuellen verfügbaren Daten ausweisen und jährlich seit 2020 sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pflege ausweisen und nach Teilzeit bzw. Vollzeit, Alter, Geschlecht sowie Einsatzniveau Helfer bzw. Fachkraft differenzieren und für Ost bzw. West sowie Bundesländer ausweisen)?
Wie viele der Leiharbeitsbeschäftigten in den in Frage 1 erfragten Pflegeberufen waren nach Kenntnis der Bundesregierung vor Beginn ihrer Tätigkeit in der Leiharbeit bereits in Pflegeberufen tätig (bitte für die Jahre seit 2020 sowie aktuelle verfügbare Daten sowohl absolut als auch anteilig ausweisen und nach Geschlecht sowie Alter und Einsatzniveau differenzieren)?
Wie hoch ist derzeit nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche monatliche Bruttoverdienst von vollzeitbeschäftigten Leiharbeitskräften in Pflegeberufen insgesamt, und wie hoch ist er im Vergleich dazu bezogen auf alle sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in der Pflege (bitte die aktuellen verfügbaren Daten ausweisen und jährlich seit 2020 darstellen und nach Alter, Geschlecht sowie Einsatzniveau Helfer bzw. Fachkraft differenzieren)?
Wie viele Betriebe im Bereich der Pflege unterliegen der Tarifbindung, und wie viele Beschäftigte in Pflegeberufen sind von der Tarifbindung umfasst (bitte zum Vergleich die Daten für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt ausweisen, die Jahre seit 2020 und aktuelle Daten ausweisen sowie nach Einsatzniveau differenzieren)?
Wie viele Leiharbeitsbeschäftigte in Pflegeberufen unterliegen der Tarifbindung (bitte zum Vergleich die Daten für alle Beschäftigten in der Leiharbeit insgesamt ausweisen, die Jahre seit 2020 und aktuelle Daten ausweisen sowie nach Einsatzniveau differenzieren)?
Wie viele Leiharbeitskräfte in Pflegeberufen beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung einen Niedriglohn, und wie viele Beschäftigte in Pflegeberufen sind es insgesamt (bitte zum Vergleich die entsprechenden Daten für die Leiharbeitsbeschäftigten insgesamt sowie alle abhängig Beschäftigten absolut als auch anteilig ausweisen und für die Jahre seit 2020 angeben sowie nach Alter, Geschlecht, Nationalität und Einsatzniveau differenzieren)?
Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über den Einsatz von Leiharbeitskräften im Pflegebereich, differenziert nach privater, freigemeinnütziger und öffentlicher Trägerschaft der jeweiligen Pflegeeinrichtungen, in denen Leiharbeit zum Tragen kommt?
Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über die regionale Verteilung des Einsatzes von Leiharbeit in Pflegeeinrichtungen bezüglich des Verhältnisses von Stand und Land, Bundesländern und weiteren regionalen Besonderheiten?
Welchen Einfluss hatte nach Ansicht der Bundesregierung die Einführung der Pflegepersonalregelung (PPR) 2.0 auf die Entwicklung der Leiharbeitsquote in der Pflege (bitte begründen)?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Motive von Pflegekräften zu einem Wechsel in die Leiharbeit bzw. über übereinstimmende sozioökonomische oder qualifikatorische Profile, die einen Wechsel begünstigen?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Arbeitszufriedenheit von Leiharbeitsbeschäftigten in der Pflege im Vergleich zu Stammbelegschaften?
Liegen der Bundesregierung empirische Daten zu den Auswirkungen von Leiharbeit auf die Stammbelegschaften in Pflegeeinrichtungen vor, oder beabsichtigt die Bundesregierung, diese Daten zu erheben?