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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Internationale Kritik am Milchviehfutterzusatz Bovaer - Aktuelle Situation in Deutschland

(insgesamt 16 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat

Datum

31.03.2026

Aktualisiert

27.04.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/472217.03.2026

Internationale Kritik am Milchviehfutterzusatz Bovaer – Aktuelle Situation in Deutschland

der Abgeordneten Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Bovaer ist ein vom niederländischen Unternehmen DSM Firmenich (www.dsm-firmenich.com/anh/home.html) entwickeltes Futterzusatzmittel. Es enthält 3-Nitrooxypropanol (3-NOP), eine Verbindung, die methanproduzierende Enzyme im Verdauungssystem einer Kuh hemmen soll (Anmerkung der Fragesteller: Das ist fachlich falsch. Methan wird durch im Darm ansässige Bakterien produziert; korrekt müsste es also heißen: „[…] Verbindung, welche die methanbildenden Bakterien im Verdauungssystem der Kühe in ihrer Aktivität beim letzten Schritt der Methanogenese hemmt.“). Es soll die Methanemissionen um bis zu 30 Prozent pro Tier senken können. Interessant dabei ist in den Augen der Fragesteller, dass Bovaer in einem ersten Feldversuch in Neuseeland getestet wurde, dort aber keine Zulassung durch die zuständige Behörde Agricultural Compounds and Veterinary Medicines (ACVM) (www.farmersweekly.co.nz/technology/bovaer-making-waves-on-methane-but-not-in-nz/) erlangt hat. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hingegen kam zu dem Schluss, dass Bovaer kein Risiko für Milchkühe darstelle (https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2021.6905). Daraufhin genehmigte die EU-Kommission den Futterzusatz 2022 für die Verwendung in der Milchviehfütterung. „Als die Kunden in Großbritannien hörten, dass die Molkereigenossenschaft Arla den Methaninhibitor Bovaer bei der Fütterung von Kühen testweise einsetzt, hagelte es Beschwerden und Boykottaufrufe. Dort machen Kritiker Stimmung gegen das Mittel. Sie warnen vor Problemen mit der Sicherheit bestimmter darin enthaltener Verbindungen und Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Milchverarbeiter distanzieren sich in den sozialen Medien von Arla Foods und seinem Test des Futterzusatzes Bovaer der Firma DSM auf britischen Milchviehbetrieben“ (www.topagrar.com/rind/news/shitstorm-gegen-arla-wegen-methan-reduzierter-milchviehfutterung-mit-bovaer-a-20009467.html).

Dänische Milchviehbetriebe mit mehr als 50 Kühen müssen laut Gesetz seit dem Jahr 2025 den Futtermittelzusatz Bovaer zufüttern, um Methanemissionen zu verringern. Nun treten vermehrt akute Krankheitsfälle wie „geringere Futteraufnahme, gefallene Milchleistung oder sogar Zusammenbrechen der Kühe“ auf. Landwirte führen das auf den Futtermittelzusatzstoff Bovaer zurück. „Derzeit mischen rund 1 400 Landwirte das gesetzlich vorgeschriebene Futtermittel ihrer Ration bei. In den darauffolgenden Wochen traten in einigen Betrieben die genannten Probleme auf, sodass teilweise sogar Tiere eingeschläfert werden mussten. In mehreren Fällen sollen Landwirte die Fütterung des Zusatzstoffes eingestellt haben, woraufhin sich die Tiere erholten. Bei erneutem Einsatz sollen die Probleme wieder aufgetreten sein“ (www.topagrar.com/rind/news/landwirte-aus-danemark-vermuten-bovaer-als-grund-fur-kranke-kuhe-b-20019706.html). Negative Schlagzeilen und virale Bildposts zu Bovaer verbreiten sich auf vielen Seiten und in Chatgruppen im Netz.

Wie die norwegische Zeitung „Verdens Gang“ (VG) berichtet, streicht Tine, die größte Molkerei des Landes, Milch von Kühen, die mit Bovaer gefüttert wurden. Man werde keine Produkte mehr von Kühen an Verbraucher liefern, deren Futter mit den Methanhemmern versetzt wurde. Der methanhemmende Futterzusatz Bovaer hat in letzter Zeit viel Kritik erfahren. Es besteht der Verdacht, dass der Zusatz zu Krankheiten bei Kühen führen kann. Deshalb werde die Verwendung nun eingestellt. Tine reagiere damit auf die zunehmende Skepsis sowohl bei Verbrauchern als auch bei Milchbauern. Gine Wang-Reese, Konzernleiterin für Kommunikation, Politik und Eigentümerorganisation bei Tine, erklärte: „Die Rücksichtnahme auf die Verbraucher und das Vertrauen in norwegische Milch haben großes Gewicht. Bovaer ist eines von mehreren Instrumenten zur Emissionsreduzierung. Der Klimawandel muss auf eine Weise erfolgen, die breites Vertrauen genießt – bei den Landwirten, Verbrauchern und unseren Kunden“ (www.agrarheute.com/tier/rind/futterzusatz-unerwuenscht-molkerei-streicht-milch-bovaer-kuehen-638794).

In Deutschland gab es vor allem Pilotprojekte auf einzelnen Höfen (www.zdfheute.de/panorama/kuehe-sterben-bovaer-methan-klimaschutz-faktencheck-100.html).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen16

1

Sind der Bundesregierung die Berichte aus dem Ausland über mögliche Gesundheitsschäden durch das Futterzusatzmittel Bovaer bekannt?

2

Wenn Frage 1 bejaht wird, in welcher Form, und wann hat die Bundesregierung ggf. auf diese Berichte reagiert?

3

Wenn Frage 1 bejaht wird, es auf diese Berichte aber bisher keinerlei Reaktion der Bundesregierung gegeben hat, warum nicht (bitte einzelne Gründe benennen)?

4

Liegen der Bundesregierung Kenntnisse über die Qualität der am Markt befindlichen Präparate im Allgemeinen, des Präparats Bovaer im Speziellen, des niederländischen Unternehmens DSM Firmenich vor (wenn ja, bitte ausführen)?

5

Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen, Bovaer oder wirkstoffähnliche Mittel, ähnlich, wie in Dänemark, per Gesetz verabreichen zu lassen?

6

Wenn Frage 5 bejaht wird, welche Anzahl an Tieren je Betrieb soll als Kenngröße für die gesetzlich verordnete Verabreichung von Bovaer oder wirkstoffähnlichen Mitteln herangezogen werden, wie viele Betriebe und wie viele Tiere wären davon betroffen (bitte nach Bundesländern, Anzahl der Betriebe bzw. Anzahl der Rinder allgemein, Anzahl der Milchkühe, Anzahl der restlichen Wiederkäuer auflisten)?

7

In wie vielen deutschen landwirtschaftlichen Betrieben wurde bzw. wird Bovaer nach Kenntnis der Bundesregierung bereits eingesetzt (bitte nach Bundesländern, Anzahl der Betriebe bzw. Anzahl der Rinder allgemein, Anzahl der Milchkühe, Anzahl der restlichen Wiederkäuer auflisten)?

8

Werden nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland dem Futterzusatzmittel Bovaer in Zusammensetzung, Wirkung und Zielsetzung vergleichbare Futterzusätze eingesetzt?

9

Wenn Frage 8 bejaht wird, welche Mittel sind das, und an wie viele Tiere werden diese Mittel verabreicht (bitte je Mittel nach Bundesländern, Anzahl der Betriebe bzw. Anzahl der Rinder allgemein, Anzahl der Milchkühe, Anzahl der restlichen Wiederkäuer auflisten)?

10

Gibt es auch zu den möglicherweise in Frage 9 genannten Futterzusätzen negative Berichte (bitte die negativen Auswirkungen, Krankheitsbilder und Schadensfolgen auflisten)?

11

Setzt, sollten sich die berichteten Krankheitsfälle als ursächlich Bovaerbedingt herausstellen, die deutsche Bundesregierung die Zulassung von Bovaer aus, und

a) wenn ja, in welchem Zeitrahmen,

b) wenn nein, warum nicht (bitte die Gründe auflisten)?

12

Würde dieser Zulassungsentzug aus Sicherheitsüberlegungen auch für alle anderen mit Bovaer in Zusammensetzung sowie in Wirkung und Zielsetzung vergleichbaren Futterzusätze gelten, und wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige Begründung auflisten)?

13

Werden von der Bundesregierung weitergehende Untersuchungen betreffend eine Gefährdung für den Menschen bzw. Konsumenten durch Bovaer und wirkstoffähnliche Mittel angedacht?

a) Wenn ja, welche Maßnahmen werden das sein (bitte nach Art, Umsetzungszeitpunkt, Auswirkung aufschlüsseln)?

b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige Begründung auflisten)?

14

Sind seitens der Bundesregierung Maßnahmen angedacht, bis zur endgültigen Klärung der Sachlage, Milch und andere Milchprodukte (z. B. Joghurt, Butter, Molke, Käse, …) von mit Bovaer und/oder wirkstoffähnlichen Mitteln gefütterten Kühen nicht in den Lebensmittelhandel gelangen zu lassen?

a) Wenn ja, welche Maßnahmen werden das sein (bitte nach Art, Umsetzungszeitpunkt, Auswirkung aufschlüsseln)?

b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige Begründung auflisten)?

15

Wird es bei Bestätigung der Gesundheitsgefährdung durch Bovaer und/oder wirkstoffähnliche Mittel für Tier und Mensch für nachweislich betroffene Landwirte eine Entschädigung (unbürokratisch, schnell, kostenneutral) geben?

a) Wenn ja, welcher Art, in welcher Form, und wofür (Tier, Futterzusatzmittel, Tierarzt)?

b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige Begründung auflisten)?

16

Wird es bei Bestätigung der Gesundheitsgefährdung durch Bovaer und/oder wirkstoffähnliche Mittel für Tier und Mensch für nachweislich betroffene Konsumenten eine Entschädigung (unbürokratisch, schnell, kostenneutral) geben?

a) Wenn ja, welcher Art, in welcher Form und wofür (Medikamente, medizinische Versorgung, Arzt, etc.)?

b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige Begründung auflisten)?

Berlin, den 16. März 2026

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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