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Kleine AnfrageWahlperiode 21Noch nicht beantwortet

Maßnahmen gegen invasive Arten in Deutschland und Europa

(insgesamt 15 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Datum

31.03.2026

Aktualisiert

17.04.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/512331.03.2026

Maßnahmen gegen invasive Arten in Deutschland und Europa

der Abgeordneten Marcel Queckemeyer, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Thomas Korell, Dr. Paul Schmidt und der Fraktion AfD

Vorbemerkung

Invasive gebietsfremde Arten stellen eine erhebliche Bedrohung für die biologische Vielfalt, heimische Ökosysteme und teilweise auch für die Land- und Forstwirtschaft dar. In Deutschland sind mehrere Arten bereits etabliert oder befinden sich in starker Ausbreitung, ohne dass sie derzeit auf der Unionsliste der Europäischen Union stehen. Dazu gehören insbesondere die Killer-Garnele (Dikerogammarus villosus), die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis), die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys), die Rotgerandete Turmschnecke (Melanoides tuberculata), der Asiatische Felskrebs (Hemigrapsus sanguineus), der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis, www.bfn.de/neobiota), der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa), die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), die Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus) sowie die Kartoffel-Rose (Rosa rugosa, https://gd.eppo.int). Eine Aufnahme in die Unionsliste könnte präventive Maßnahmen, strengere Import- und Handelskontrollen, Eradikationspflichten bei Neubefall sowie einheitliches Monitoring deutlich stärken (www.bfn.de/grundwissen-ueber-neobiota).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Welche aktuellen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über den Etablierungsgrad und die weitere Ausbreitung der Killer-Garnele (Dikerogammarus villosus) in zentralen Flusssystemen wie Rhein, Donau und Elbe sowie in neuen Gewässern vor, und welche konkreten Maßnahmen werden ggf. derzeit ergriffen bzw. sind geplant, um eine weitere Verbreitung über Schifffahrt und Ballastwasser zu verhindern?

2

Inwiefern plant die Bundesregierung ggf., die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) aufgrund der bereits eingetretenen Ernteverluste in deutschen Obstbauregionen (u. a. Bodensee, Altes Land, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz) aktiv in die Unionsliste der EU aufzunehmen, und welche zusätzlichen Import- und Warenkontrollen wurden seit 2020 eingeführt oder sind geplant (www.bmleh.de/SharedDocs/Archiv/Pressemitteilungen/2021/088-schadwanzen.html)?

3

Welche Daten liegen der Bundesregierung ggf. über Vorkommen und Ausbreitungstendenz der Rotgerandeten Turmschnecke (Melanoides tuberculata) in wärmeren Gewässern (z. B. Rhein mit Industrieabwärme, Thermalanlagen) vor, und wie werden derzeit der Handel und die Haltung im Aquarienbereich reguliert, um weitere Freisetzungen und die Übertragung von Parasiten (z. B. Trematoden) zu unterbinden?

4

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. zum Vorkommen, zur Verbreitung sowie zu den ökologischen Eigenschaften der Robinie (Robinia pseudoacacia) in Deutschland vor, wie bewertet die Bundesregierung deren Bedeutung für Waldökosysteme und andere Standorte, und inwiefern schätzt die Bundesregierung diese Baumart als invasive Art ein?

5

Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Verbreitungssituation der Roteiche (Quercus rubra) in Deutschland dar, welche ökologischen Merkmale werden dieser Art zugeschrieben, welche Einschätzung nimmt die Bundesregierung hinsichtlich deren Funktion in Waldökosystemen sowie deren Bedeutung für die forstwirtschaftliche Praxis vor, und inwiefern schätzt die Bundesregierung diese Baumart als invasive Art ein?

6

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf. derzeit gegen die zunehmende Etablierung und Ausbreitung des Blauglockenbaums (Paulownia tomentosa) in urbanen Gebieten, Ruderalflächen und potenziell sensiblen Lebensräumen in Süd- und Mitteldeutschland, gibt es Pläne für ein Import- und Handelsverbot sowie eine systematische Eradikation in Schutzgebieten, und wenn ja, welche?

7

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf. gegen die Ausbreitung der Kartoffelrose (Rosa rugosa) in Küsten- und Dünenlebensräumen sowie in Schutzgebieten, und gibt es Pläne zur Einschränkung von Anpflanzung und Handel sowie zur systematischen Entfernung und Wiederherstellung betroffener Dünenvegetation?

8

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf. zur Eindämmung der Vielblättrigen Lupine (Lupinus polyphyllus), insbesondere in naturschutzfachlich sensiblen Offenlandlebensräumen (z. B. mageres Grünland, Heide- und Bergwiesen), und inwieweit werden Saatgut- und Begrünungsprogramme sowie der Handel im Gartenbau so reguliert, dass eine weitere Ausbreitung verhindert wird?

9

Welche Strategien und Zeitpläne verfolgt die Bundesregierung ggf. zur Eindämmung der Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina), insbesondere hinsichtlich der Verhinderung weiterer Anpflanzungen, der Entnahme in Schutzgebieten sowie der Unterstützung der Länder bei langfristigem Management (wiederholte Entnahme, Wiederbewaldungsmaßnahmen, Monitoring)?

10

Welche Daten liegen der Bundesregierung zu Vorkommen und Ausbreitungsdynamik der Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) in deutschen Gewässern (insbesondere Bundeswasserstraßen und große Seen) vor, welche Biosecurity- und Reinigungsstandards (z. B. für Sportboote, Arbeitsgeräte und Wasserfahrzeuge) werden angewandt oder geplant, und wie wird eine weitere Verbreitung über Schifffahrt und Gewässervernetzung verhindert?

11

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. zu Auswirkungen des Asiatischen Marienkäfers (Harmonia axyridis) auf heimische Marienkäferarten und weitere Insektengemeinschaften vor, und welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung zur Prävention weiterer Einträge (z. B. über Handels- oder Freisetzungspfade im Kontext biologischer Schädlingsbekämpfung) sowie zum Management in sensiblen Schutzgebieten vor?

12

Welche aktuellen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über Vorkommen, Etablierungsgrad und Ausbreitung des Asiatischen Felskrebses (Hemigrapsus sanguineus) in deutschen Küstengewässern (Nordsee, Ostsee) vor, welche Maßnahmen zum bundesweiten Monitoring und zur Unterbindung von Verschleppungspfaden (insbesondere über Schifffahrt, Ballastwasser, Fouling an Schiffsrümpfen sowie Import von Muscheln bzw. Aquakultur) werden ggf. ergriffen, und welche Länder- und Kommunalprogramme werden dabei durch den Bund fachlich oder finanziell unterstützt?

13

Welche konkreten Initiativen hat die Bundesregierung in den vergangenen drei Jahren ggf. auf europäischer Ebene unternommen, um die Aufnahme der genannten Arten in die Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung (Verordnung (EU) Nr. 1143/2014) voranzutreiben, und mit welchem Zeitplan wird eine solche Listung ggf. angestrebt?

14

Welche wirtschaftlichen Schäden (soweit bezifferbar) haben die genannten invasiven Arten in den Jahren von 2020 bis 2025 nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland verursacht, und wie verteilen sich diese Schäden jeweils auf die Bereiche Landwirtschaft und Obstbau (Agrarschäden, Ernteverluste), Forstwirtschaft (Waldumbau, Pflege- und Entnahmeaufwand, Ertragsausfälle), Gewässerökologie und wasserwirtschaftliches Management (z. B. Monitoring, Eindämmung, ökologische Folgekosten), Forschung, Prävention und Verwaltung (z. B. wissenschaftliche Begleitforschung, Risikobewertungen, Informations- und Kontrollaufwand), und welche konkreten Bekämpfungs- und Präventionsmaßnahmen werden hierzu derzeit auf Bundesebene ggf. finanziert und koordiniert (bitte nach den genannten Bereichen aufgliedern)?

15

Welche invasiven gebietsfremden Arten hat die Bundesregierung derzeit im Fokus ihrer Beobachtung und Bekämpfung, und welche dieser Arten plant die Bundesregierung, ggf. mit welchem Zeitplan aktiv in die Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung (Verordnung (EU) Nr. 1143/2014) eintragen zu lassen?

Berlin, den 18. März 2026

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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