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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Einführung des ICE-Sprinters auf der Murrbahn

(insgesamt 15 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Verkehr

Datum

18.05.2026

Antwortdauer

21 Tage

Aktualisiert

26.05.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/560627.04.2026

Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Einführung des ICE-Sprinters auf der Murrbahn

der Abgeordneten Matthias Gastel, Tarek Al-Wazir, Victoria Broßart, Swantje Henrike Michaelsen und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Zum Fahrplanwechsel 2025 hat die Deutsche Bahn auf der Strecke Stuttgart–Berlin eine neue schnelle ICE-Verbindung (sogenannter „ICE-Sprinter“) eingerichtet, die zwischen Stuttgart und Nürnberg die Murrbahn (Strecke 4930) nutzt.

Der Laufweg dieser Fernverkehrsleistung umfasst auch den zwischen Backnang und Schwäbisch Hall-Hessental eingleisigen Streckenabschnitt und löst mit dem dort verkehrenden Nahverkehr Fahrplankonflikte aus, sodass jede Fahrt des ICE-Sprinters eine Verschiebung der Fahrplanlage der Regionalexpress-Leistung verursacht.

Für die morgendliche Fahrt des ICE-Sprinters in Fahrtrichtung Nürnberg wurde die Fahrplanlage einer Fahrt des Regionalexpress der Linie 90 verschoben, sodass dessen Abfahrt in Stuttgart nun früher erfolgt, außerdem wird diese Fahrt in Schwäbisch Hall-Hessental durch den schnelleren ICE-Sprinter überholt, wodurch sich für den Regionalexpress dadurch eine Standzeit und damit eine Fahrzeitverlängerung von ca. 14 min ergibt. Außerdem gehen durch die vorgezogene Abfahrt in Stuttgart bisherige Anschlüsse verloren. Auch durch die abendliche Fahrt des ICE-Sprinters der Gegenrichtung Nürnberg–Stuttgart wird die Fahrplanlage des Regionalexpresse verschoben sowie eine Überholung durch den ICE erforderlich. Durch die sich daraus ergebende Fahrzeitverlängerung verschiebt sich in Stuttgart die Ankunftszeit des Regionalexpresses um ca. 17 Minuten nach hinten. Dadurch gehen auch hier gleich mehrere Anschlüsse des Regionalverkehrs in Richtung Tübingen und Heilbronn sowie etliche S-Bahn-Anschlüsse verloren. Dies ist aus Sicht der Reisenden im Nahverkehr ärgerlich. Die Fahrgäste des Fernverkehrs hingegen können sich über ein sehr attraktives Angebot freuen.

Die beschriebenen Fahrlagenverschiebungen ergeben sich aus den örtlichen infrastrukturellen Gegebenheiten. Aufgrund der abschnittsweisen Eingleisigkeit der Strecke können die Fahrplanlagen nicht beliebig verschoben werden. Die Kapazität der Strecke wird stark gemindert. Durch die Eingleisigkeit und die damit verbundenen erforderlichen fixen Zugkreuzungen des ICE-Sprinters mit dem Regionalverkehr entstehen starke betriebliche Zwänge, welche im Verspätungsfalle zur Verspätungsmaximierung des Nahverkehrs und zum Verspätungsaufbau des Fernverkehrs führen. Letzteres führt beim ICE-Sprinter zum drohenden Verlust des Fahrzeitvorteils, der u. a. durch Haltverzicht in Erfurt oder Halle/Saale gewonnen wird.

Angesichts der beschriebenen negativen Auswirkungen auf den regionalen Nahverkehr fordern die betroffenen Kommunen und Landkreise deswegen die schnelle Umsetzung eines zweigleisigen Ausbaus sowie weitere Investitionen für die Digitalisierung der Leit- und Sicherheitstechnik. (www.ostalbkreis.de/sixcms/detail.php/404541) Statt eines durchgehenden zweigleisigen Ausbaus stellte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Ulrich Lange bei einem Besuch vor Ort im Februar 2026 lediglich den Bau von Doppelspurinseln in Aussicht (www.bkz.de/nachrichten/mittelfristig-kein-zweispuriger-ausbau-der-bahnstrecke-zwischen-backnang-und-murrhardt-328267.html).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Wie hat sich die Belastung der Strecke in den letzten 15 Jahren entwickelt (bitte die Anzahl der Züge für die einzelnen Jahre, getrennt nach Regional-, Fern- und Güterverkehr zwischen Backnang und Hessental angeben)?

2

Sieht die Bundesregierung neuen Handlungsbedarf bezüglich Infrastrukturmaßnahmen aufgrund des neu eingeführten Angebots im Fernverkehr und wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

3

Sieht die Bundesregierung sich für die Umsetzung dieser Infrastrukturmaßnahmen, die aufgrund eines neuen Angebots im Fernverkehr notwendig werden, zuständig?

4

Welche Änderungen und Ausweitungen sind seitens der DB Fernverkehr auf der Relation Stuttgart–Berlin über Nürnberg im nächsten Fahrplanjahr geplant?

5

Welche Änderungen für den Regionalverkehr haben sich durch die Einführung des Sprinters im Fahrplanjahr 2026 ergeben?

6

Sind die aktuell in Umsetzung befindlichen Infrastrukturmaßnahmen auf der Strecke ausreichend, um die Auswirkungen auf den Regionalverkehr wieder zu kompensieren?

7

Welche Infrastrukturmaßnahmen sind notwendig, um die Einschränkungen für den Regionalverkehr durch die Einführung des Sprinters im Fahrplanjahr 2026 bzw. durch eine mögliche Ausweitung im Fahrplanjahr 2027 zu reduzieren bzw. vollständig zu vermeiden?

8

Welche dieser Infrastrukturmaßnahmen sind in Umsetzung, was ist der Planungsstand und welche Finanzierungsvereinbarungen sind geschlossen?

9

Welche Doppelspurinseln, die der parlamentarische Staatssekretär Ulrich Lange in Aussicht gestellt hat, sind in Umsetzung, was ist der jeweilige Planungsstand und welche Finanzierungsvereinbarungen bestehen jeweils?

10

Auf welcher bahnbetrieblichen bzw. verkehrswissenschaftlichen Grundlageerfolgt die Eingrenzung der Ausbaumaßnahmen bezüglich des abschnittsweisen zweigleisigen Ausbaus?

11

Wäre ein zweigleisiger Schanztunnel in einer Fahrröhre möglich und wenn nein, warum nicht?

12

Wieso wird der bisherige Schanztunnel nicht erhalten, um eine spätere Zweigleisigkeit in dieser Strecke zu vereinfachen?

13

Wurde für die kurzfristige Verbesserung der beschriebenen Situation, insbesondere zur Wahrung der bisherigen Anschlüsse aus dem Fahrplanjahr 2025, geprüft,

a) die abendliche Fahrplanlage des ICE-Sprinters ab Oppenweiler um ein bis zwei Minuten nach hinten zu verschieben, um trotz des langen Blockabschnitts zwischen Backnang und Oppenweiler den RE und den ICE bis Waiblingen, wie auch vor Sulzbach, direkt hintereinanderfahren fahren zu lassen?

b) ein zusätzliches Blocksignal zwischen Backnang und Oppenweiler zu errichten, um den über 5 km langen Blockabschnitt zu verkürzen und die Zugfolge zu erhöhen?

14

Falls ja, welchen Umsetzungsstand haben die abgeleiteten Maßnahmen?

15

Sieht die Bundesregierung bei Ausweitung der Sprinterverkehre den Bedarf für einen zweigleisigen Ausbau der Murrbahn und wenn ja, wird die Bundesregierung diesen aufgrund der Nutzung der Strecke durch den Fernverkehr finanzieren?

Berlin, den 20. April 2026

Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion

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