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Kleine AnfrageWahlperiode 21Noch nicht beantwortet

Fragen zu an öffentlichen Schulen stattfindenden Lesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld

Fraktion

AfD

Datum

04.05.2026

Aktualisiert

06.05.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/570904.05.2026

Fragen zu an öffentlichen Schulen stattfindenden Lesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld

der Abgeordneten Martin Reichardt, Sebastian Maack, Gereon Bollmann, Dr. Götz Frömming, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Christian Zaum, Angela Rudzka, Dr. Anna Rathert, Nicole Höchst, Beatrix von Storch, Tobias Ebenberger, Jan Feser, Claudia Weiss, Otto Strauß, Martina Kempf, Johann Martel, Lukas Rehm und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Am 14. April 2026 meldeten mehrere Nachrichtenportale, dass der Buchautor und Linksaktivist Jakob Springfeld am Folgetag im niedersächsischen Barsinghausen am dortigen Hannah-Arendt-Gymnasium eine Lesung aus seinem Buch ,,Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist“ abhalten werde (vgl. etwa https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2026/schueler-werden-zu-veranstaltung-der-omas-gegen-rechts-verpflichtet/; zuletzt abgerufen am 14. April 2026).

Aus einem veröffentlichten Informationsschreiben eines am genannten Gymnasium tätigen und für das Fach Politik verantwortlichen Oberstudienrates zur Veranstaltung geht hervor, dass ,,die Jahrgänge 9 und 10 geschlossen“ an der Lesung teilnehmen würden. Ferner werde die Veranstaltung während der fünften und sechsten Unterrichtsstunde in der Aula des Gymnasiums stattfinden und von den ortsansässigen ,,Omas gegen Rechts“ organisiert (https://nius.de/gesellschaft/schulen-verpflichten-schueler-zu-omas-gegen-rechts-lesungen, zuletzt abgerufen am 14. April 2026).

Auf der Internetseite des Gymnasiums wird die Lesung mit Springfeld u. a. dahingehend angekündigt, dass die Lesung ,,[…] ein aktueller Beitrag zur eigenständigen Meinungsbildung im Rahmen der politischen Bildung sei. […] Die Lesung wird organisiert von der Fachgruppe Politik und den ´Omas gegen Rechts´, Barsinghausen“ (www.han-nah.de/aktuelles/anzeige/nachricht/details/einzel/lesung-mit-jakob-springfeld.html, zuletzt abgerufen am 14. April 2026).

Die Schulleiterin des Barsinghäuser Gymnasiums soll auf Anfrage hin zu verstehen gegeben haben, dass während der Veranstaltung mit Springfeld keine Gegenpositionen zu seinen Ausführungen diskutiert werden sollen. Die Lesung werde allerdings im Unterricht ,,vor- und nachbereitet“ werden (https://nius.de/gesellschaft/schulen-verpflichten-schueler-zu-omas-gegen-rechts-lesungen, zuletzt abgerufen am 14. April 2026).

Auch am Matthias-Claudius-Gymnasium im benachbarten Gehrden soll Springfeld in den Morgenstunden des 15. April 2026 in der Schulaula vor Schülern der 11. und 12. Jahrgangsstufe aus seinem Buch ,,Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen rechts“ vorlesen (https://mcg.gehrden.de/portal/meldungen/aktueller-terminplan-98-60.html?rubrik=618, zuletzt abgerufen am 14. April 2026). Aus eben diesem Buch wollte Springfeld bereits vor Jahren an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (FH) vortragen. Doch die Hochschulleitung erteilte der geplanten Veranstaltung im November 2023 eine Absage und zwar mit der Begründung, dass der Auftrag der Hochschule Lehre und Forschung und Springfelds Buchvorstellung ,,zu politisch“ sei (www.htwk-leipzig.de/hochschule/aktuelles/newsdetail/artikel/unter-nazis-an-der-htwk-leipzig, zuletzt abgerufen am 14. April 2026).

In seinem in Barsinghausen auf dem Programm stehenden Buch ,,Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ stellt Springfeld u. a. bedauernd die Behauptung auf, dass ,,Ampel und CDU […] AfD-Politik […] betreiben“ würden, die politische Brandmauer gegen die Alternative für Deutschland (AfD) ,,schon lange gefallen“ sei und hält in diesem Zusammenhang fest: ,,Ja, staatliche Behörden, die Bundeswehr, unser Justizsystem […] sind Teil des Problems“ (Jakob Springfeld, Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist, Köln 2024, Seiten 57,117,147).

In seinem in Gehrden auf dem Programm stehenden Buch berichtet Springfeld von einer Demonstration gegen eine Kundgebung der AfD in Zwickau: ,,Ich bin aus Halle gekommen, um mit meinen Freund*innen ordentlich Lärm zu machen. ,Fuck AfD!‘ Wir fühlen uns stark […] Doch […] als die Demo endet, kippt die Stimmung. Die Polizei fordert uns auf, die Zigarettenstummel, die an dem Ort unseres Gegenprotests rumliegen, zu entsorgen. Mir kommt das wie Schikane vor“ (Jakob Springfeld mit Issio Ehrlich, Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen rechts, Köln 2022, Seite 159).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen7

1

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, ob die ,,Omas gegen Rechts“ Hannover Land und bzw. oder die ,,Omas gegen Rechts“, Ortsgruppe Barsinghausen (https://omasgegenrechts-nord.de/tag/barsinghausen/, zuletzt abgerufen am 14. April 2026), in den Jahren 2020 bis 2026 mittelbar oder unmittelbar mit Bundesmitteln gefördert worden sind bzw. gefördert werden und

a) wenn ja, in welcher Höhe (bitte aufschlüsseln nach Kalenderjahr)?

b) wenn ja, erfolgte die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms ,,Demokratie leben!“?

2

Sind in den Jahren seit 2022 Jakob Springfelds Buchprojekte, Veranstaltungen, Engagements, Lesungen unmittelbar oder mittelbar mit Bundesmitteln gefördert worden und wenn ja, welche genau und in welcher Höhe?

3

Hat die Bundesregierung Kenntnis, ob die Lesung Jakob Springfelds am Gehrdener Gymnasium ebenfalls auf eine Initiative der ,,Omas gegen Rechts“ zurückgeht?

4

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob öffentliche Schulen in Deutschland weitere Lesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld während der Regelunterrichtszeit planen, deren Teilnahme für Schüler verpflichtend sind und wenn ja, welche sind dies?

5

Steht die Bundesregierung zu den genannten Schullesungen des Anti-AfD-Aktivisten Springfeld im Austausch mit der niedersächsischen Landesregierung und

a) wenn ja, was sind die Inhalte dieses Austauschs?

b) wenn nicht, wird die Bundesregierung hierzu in einen Austausch mit der niedersächsischen Landesregierung treten?

6

Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung dazu gebildet, ob in den genannten Schullesungen des Anti-AfD-Aktivisten Springfeld, die jeweils während der Regelunterrichtszeit im jeweils zentralen Fest- und Versammlungssaal der Schulen stattfinden, d. h. für die betroffenen Schüler nicht fakultativ sind, ein Verstoß gegen das Überwältigungsverbots des Beutelsbacher Konsenses gesehen werden kann, wenn ja, welche Auffassung ist dies und welche Schritte zur künftigen Unterbindung derartiger Lesungen an Schulen in Deutschland wird die Bundesregierung ggf. unternehmen?

7

Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung dazu gebildet, ob in den genannten Schullesungen des Anti-AfD-Aktivisten Springfeld, die jeweils während der Regelunterrichtszeit im jeweils zentralen Fest- und Versammlungssaal der Schulen stattfinden, d. h. für die betroffenen Schüler nicht fakultativ sind, einen Verstoß gegen den zweiten didaktischen Leitgedanken des Beutelsbacher Konsenses – ,,Was in […] Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen“ -, wenn ja, welche Auffassung ist die und welche Schritte zur künftigen Unterbindung derartiger Lesungen an Schulen in Deutschland wir die Bundesregierung ggf. unternehmen?

Berlin, den 30. April 2026

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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