BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Ausgesetzte Reptilien in Badegewässern

Festgestellte bzw. eingefangene nicht heimische Reptilien in Badegewässern seit 1994, Tierarten, Überlebenschancen, Vermehrungsfähigkeit, Gefahrenpotenzial für Mensch und Umwelt, verletzte Personen, willentliche oder fahrlässige Aussetzungen, Ermittlung von Tierhaltern, Warnung der Bevölkerung, Aufspüren und Einfangen der Reptilien, Verbleib eingefangener Tiere, Kosten, Maßnahmen gegen das Aussetzen, Haltungsverbote<br /> (insgesamt 18 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

05.08.2014

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/218121.07.2014

Ausgesetzte Reptilien in Badegewässern

der Abgeordneten Dr. Kirsten Tackmann, Karin Binder, Eva Bulling-Schröter, Kerstin Kassner, Ralph Lenkert, Cornelia Möhring, Harald Petzold (Havelland) und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Im Sommer des Jahres 1994 erlangte der bis dahin völlig unbekannte Baggersee namens „Straberg-Nievenheimer See“ deutschlandweite Bekanntheit. Weder die Badequalität noch die Naturschönheit waren für diesen Bedeutungszuwachs ausschlaggebend, sondern der Brillenkaiman „Sammy“. Das Tier hatte sich beim Schwimmen mit seinem Besitzer von einer Hundeleine gelöst und konnte erst nach einigen Tagen wieder eingefangen werden. Der kleine Kaiman war ein willkommener Anlass ausführlicher Berichterstattung in den nachrichtenarmen Sommermonaten.

Immer wieder werden in der warmen Jahreszeit Reptilien aller Größen, wie Schildkröten, Kaimane, Krokodile etc., an von Menschen genutzten Badegewässern gesichtet. Das „Reptil im Badesee“ hat beinahe eine jährliche Tradition. Zuletzt sorgte in den Jahren 2013 und 2014 Schnappschildkröte „Lotti“ im Oggenrieder Weiher im Ostallgäu für Schlagzeilen, weil sie einem Jungen die Achillessehne durchtrennt haben soll. Am 11. Juli 2014 meldet die „Märkische Oderzeitung“, dass „eine 25 Zentimeter lange Schnappschildkröte aus der Spree gefischt wurde. Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde hätten das Tier in Kossenblatt (Oder-Spree) nach einem Hinweis von Bürgern gefangen, teilte der Landkreis mit“.

Was für die Einen eine willkommene Meldung zur Füllung des Sommerloches ist, kann für andere Lebewesen, einschließlich des Menschen, eine teilweise schmerzhafte Erfahrung werden und außerdem einheimische Arten im Bestand gefährden. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang der Tierhaltenden mit ihren Haustieren und dem Verbleib der Tiere sowohl nach einer erfolgreichen als auch nach einer nicht erfolgreichen sommerlichen Fangaktion.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Wie viele nicht heimische Reptilien wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zwanzig Jahren in Deutschlands Badegewässern festgestellt, und wie viele wieder eingefangen (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?

2

Um welche Tierarten (wissenschaftliche Bezeichnung und deutscher Name) handelte es sich nach Kenntnis der Bundesregierung hierbei, und von welchem Gefahrenpotenzial für Mensch und Umwelt muss jeweils ausgegangen werden (worst case scenario)?

3

Wie viele dieser nicht heimischen Reptilien wurden nach Kenntnis der Bundesregierung willentlich oder fahrlässig ausgesetzt (bitte getrennt ausweisen)?

4

Wer ist für das Aufspüren und Einfangen nicht heimischer Reptilien zuständig, und nach welchen Kriterien wird das Aufspüren und Einfangen von wem veranlasst?

5

Wer ist für das Absperren der Gewässer und die Warnung der Bevölkerung vor den ausgesetzten Reptilien zuständig, und nach welchen Kriterien wird das Absperren der Gewässer und die Warnung der Bevölkerung von wem veranlasst?

6

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den Verbleib solcher Tiere nach dem Einfangen (bitte erläutern)?

7

In welchen Fällen konnte der Verdacht auf ein entwichenes, nicht heimisches Reptil in Badegewässern nach Kenntnis der Bundesregierung nicht bestätigt werden, und welches Risiko besteht, dass sich dennoch ein solches Reptil weiter in einem Badegewässer aufhält?

8

In wie vielen Fällen willentlicher oder fahrlässiger Aussetzungen solcher Tiere sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Tierhaltenden ermittelt worden, und welche Konsequenzen hatte dies jeweils für sie (bitte erläutern)?

9

Welche konkreten Risiken und Gefahren hat die Einbringung der in Frage 2 genannten Tierarten auf die Flora und Fauna der Gewässer?

10

Welche der in Frage 2 genannten Tierarten sind in der Bundesrepublik Deutschland wie geschützt (bitte Schutzstatus und Richtlinie bzw. Gesetz angeben)?

11

Welcher der in Frage 2 genannten Tierarten dürfen nach deutschem Recht nicht als Haustiere gehalten werden (bitte nach Art und Rechtsgrundlage auflisten)?

12

Welche Überlebenschance haben die in Frage 2 genannten Tierarten unter den gegebenen klimatischen Bedingungen in der Bundesrepublik Deutschland (bitte nach Arten und Regionen aufschlüsseln)?

13

Mit welcher Vermehrungsfähigkeit solcher nicht heimischer Reptilien ist unter den gegebenen klimatischen Bedingungen in Deutschland zu rechnen, und mit welcher Reproduktionsleistung (worst case scenario, bitte nach Arten und Regionen aufschlüsseln)?

14

Wie viele verletzte Personen und/oder Haustiere sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf die in Frage 1 genannten Reptilien zurückzuführen, und um welche Verletzungen handelte es sich jeweils?

15

Wie hoch sind die Anzahl und der Prozentsatz der dadurch verletzten Personen im Verhältnis zu allen verletzten Personen beim Baden in Badeseen (bitte nach Jahren aufgliedern)?

16

Welche finanziellen und personellen Belastungen öffentlicher Haushalte sind nach Kenntnis der Bundesregierung durch solche Vorfälle verursacht worden (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

17

Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für geeignet, um das Risiko des Aussetzens nicht heimischer, mitunter gefährlicher Reptilien durch Tierhalterinnen und Tierhalter sowie die finanziellen, physischen und psychischen Folgen solcher Vorfälle zu reduzieren?

18

Plant die Bundesregierung Haltungsverbote bzw. eingeschränkte Haltungsverbote für gefährliche Reptilien durch Privatpersonen (bitte begründen)?

Berlin, den 18. Juli 2014

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen