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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Risiken durch den Einsatz des Kältemittels R1234yf in Klimaanlagen

Gesundheitliche Einschränkungen von Unfallopfern und Rettungskräften infolge von Fahrzeugbränden, Anzahl und Ursachen von Fahrzeugbränden, Unfälle bei Gefahrguttransporten von R1234yf, Freisetzung von Carbonyldifluorid bei der Verbrennung von R1234yf, Studien und Verfahren zur weiteren Risikoabschätzung, Stoffbewertung im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH, Anzahl der Kraftfahrzeuge mit R1234yf<br /> (insgesamt 14 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Datum

17.10.2014

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/271201.10.2014

Risiken durch den Einsatz des Kältemittels R1234yf in Klimaanlagen

der Abgeordneten Ralph Lenkert, Caren Lay, Dr. Dietmar Bartsch, Herbert Behrens, Karin Binder, Heidrun Bluhm, Eva Bulling-Schröter, Hubertus Zdebel und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Das hochentzündliche Kältemittel R1234yf der Firmen Honeywell und DuPont, das von der deutschen Automobilindustrie favorisiert in Klimaanlagen eingesetzt wird, produziert bei seiner Verbrennung neben hochtoxischem Fluorwasserstoff auch Carbonyldifluorid, das dem im Ersten Weltkrieg verwendeten Kampfstoff Phosgen ähnelt (vgl. M. Feller et al.: Structure and Properties of 2,3,3,3-Tetrafluoropropene – HFO-1234yf –, erschienen im Journal Chemical Sciences, Band 69, Heft 4, beim Verlag der Zeitschrift für Naturforschung, Tübingen). Carbonyldifluorid ist somit neben Fluorwasserstoff, das in Verbindung mit Wasser zu Flusssäure reagiert, ein weiteres hochtoxisches Verbrennungsprodukt des Kältemittels.

Das Kältemittel R1234yf wird seit geraumer Zeit ohne abschließende Risikobewertung im Rahmen der REACH-Stoffbewertung (vgl. Bundestagsdrucksache 17/14247) in Klimaanlagen in Fahrzeugen eingesetzt.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung statistische Erhebungen über Ursachen und Folgen etwaiger gesundheitlicher Einschränkungen von Unfallopfern, Rettungskräften und Feuerwehren infolge von Fahrzeugbränden?

Wenn ja, welche?

Wenn nein, warum nicht?

2

Wie viele Brände von Automobilen gab es nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2008 (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?

3

Wie viele dieser Brände entstanden nach Kenntnis der Bundesregierung durch Verkehrsunfälle (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?

4

Wie viele dieser Brände entstanden nach Kenntnis der Bundesregierung im einfachen Betrieb der Fahrzeuge (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?

5

Wie viele dieser Brände betrafen nach Kenntnis der Bundesregierung abgestellte Fahrzeuge (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?

6

Sind der Bundesregierung Ursachenschwerpunkte für Fahrzeugbrände bekannt?

Wenn ja, welche?

7

Hat die Bundesregierung Kenntnisse über Unfälle, in die Gefahrguttransporter verwickelt waren, die R1234yf transportierten?

8

Sind der Bundesregierung Studien bekannt, nach denen beim Verbrennen von R1234yf Carbonyldifluorid entsteht, welches dem im Ersten Weltkrieg verwendeten Kampfstoffes Phosgen chemisch ähnlich ist?

a) Wenn ja, welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den Ergebnissen der Studien bezüglich der Risikoabschätzung von R1234yf als Kältemittel in Klimaanlagen?

b) Wenn nein, wird sie solche Studien in die weitere Risikoabschätzung zum Kältemittel R1234yf einbeziehen, und wenn nein, warum nicht?

9

Wurden im Rahmen der CoRAP-Stoffbewertung durch die europäische Chemikalienagentur (ECHA) und durch die deutschen Chemikalienbehörden bereits Risiken erörtert, die mit der Freisetzung von Carbonyldifluorid bei der Verbrennung von R1234yf im Zusammenhang stehen?

Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

Wenn nein, warum nicht?

10

Inwieweit wurde im Rahmen der Stoffbewertungen unter REACH Carbonyldifluorid

a) durch das Umweltbundesamt,

b) das Bundesinstitut für Risikobewertung und

c) die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bewertet, und jeweils mit welchem Ergebnis?

11

Sind Carbonyldifluorid und Fluorwasserstoff gemäß Artikel 7 der REACH-Verordnung registrierte Stoffe?

12

Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der derzeitige Stand der Bewertung von R1234yf im Rahmen der REACH-Stoffbewertung?

13

Hat die Bundesregierung neue Kenntnisse über den Zeitplan des Komitologieverfahrens der Europäischen Kommission zum Entscheidungsentwurf der deutschen Chemikalienbehörden, die über die in der Antwort zu den Fragen 1 bis 4 auf die Kleine Anfrage „Schutz vor den giftigen Verbrennungsprodukten des Autoklimaanlagen-Kältemittels R1234yf“ auf Bundestagsdrucksache 18/1032 formulierten hinausgehen?

Wenn ja, welche?

14

Wie viele der in der Bundesrepublik Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge enthielten nach Kenntnis der Bundesregierung zum Stichtag 1. September 2014 das Kältemittel R1234yf (bitte nach Bundesland, Anzahl der Fahrzeuge und Typ aufschlüsseln)?

Berlin, den 1. Oktober 2014

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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