Aktueller Stand der Arbeit der Taskforce Schwabinger Kunstfund ein Jahr nach deren Einsetzung
der Abgeordneten Sigrid Hupach, Harald Petzold (Havelland), Dr. Rosemarie Hein, Nicole Gohlke, Dr. Petra Sitte und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Am 4. November 2013 veröffentlichte das Magazin „FOCUS“ den Artikel „Der gerettete Schatz“ und machte so den so genannten Schwabinger Kunstfund bekannt. Ein Jahr nachdem der spektakuläre Fund öffentlich wurde, stellt sich die Frage nach dem aktuellen Stand der Erforschung der Werke der Sammlung Cornelius Gurlitt und den Konsequenzen, die sich aus dem Fund ergeben haben.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Wann wird die zwischen der Schweiz, dem Kunstmuseum Bern und den deutschen Behörden ausgehandelte Annahmevereinbarung über das Erbe von Cornelius Gurlitt veröffentlicht?
Wie viele und welche Werke (bitte mit Titel, Künstler und Entstehungsjahr auflisten) werden bei Antritt des Erbes durch das Kunstmuseum Bern an dieses übergehen?
Bei wie vielen Werken der Sammlung Cornelius Gurlitt konnte bisher von der Taskforce Schwabinger Kunstfund eindeutig die Provenienz festgestellt werden (bitte mit Titel, Künstler und Entstehungsjahr auflisten)?
Bei wie vielen Werken der Sammlung Cornelius Gurlitt konnte die Taskforce Schwabinger Kunstfund den Verdacht, dass es sich um NS-Raubkunst handelt, definitiv ausschließen?
An welche Museen sollen laut Annahmevereinbarung zwischen den deutschen Behörden und dem Kunstmuseum Bern Werke aus der Sammlung Cornelius Gurlitt, die der „Entarteten Kunst“ zuzuordnen sind, als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt werden (bitte mit Namen der Museen und Titel der Werke auflisten)?
Wie viele Werke der Sammlung Cornelius Gurlitt konnten bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht von der Taskforce Schwabinger Kunstfund im Hinblick auf einen NS-Raubkunst-Verdacht überprüft werden?
In welcher Höhe wird die Arbeit der Taskforce Schwabinger Kunstfund aus Mitteln des Haushalts der Beauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters, in den Jahren 2014 und 2015 finanziert (bitte mit Angabe des Haushaltstitels)?
Welche Mitglieder der Taskforce Schwabinger Kunstfund arbeiten konkret und mit entsprechender wissenschaftlicher Qualifikation an der Klärung der Provenienzen der einzelnen Werke der Sammlung Cornelius Gurlitt?
Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die Taskforce Schwabinger Kunstfund über ausreichend Mitglieder mit einschlägiger fachlicher Qualifikation im Bereich der Provenienzforschung verfügt, um das öffentlich genannte Ziel, bis Ende des Jahres 2014 alle Werke der Sammlung Cornelius Gurlitt im Hinblick auf ihre Provenienz zu überprüfen, zu erreichen?
Kann die Bundesregierung ein Datum nennen, bis zu dem die Arbeit der Taskforce abgeschlossen sein wird?
Entspricht es den Tatsachen, dass die Taskforce Schwabinger Kunstfund auch im Fall der Annahme des Erbes von Cornelius Gurlitt durch das Kunstmuseum Bern ihre Arbeit im Bereich der Provenienzforschung zur Sammlung von Cornelius Gurlitt fortsetzen wird?
Kann die Bundesregierung begründen, warum bis heute die Geschäftsunterlagen und die Korrespondenz der Familie Gurlitt nicht digitalisiert und veröffentlicht wurden (FOCUS vom 3. November 2014 „Wohin mit dem Jahrhundertfund?“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. Oktober 2014 „Wann gibt es endlich Resultate?“), und wann plant die Bundesregierung diese Unterlagen der Öffentlichkeit, den Erben und der Forschung zur Verfügung zu stellen?
Wie viele Anfragen von Erben bzw. von Erbenvertretern wurden seit Einrichtung der Taskforce Schwabinger Kunstfund an diese gestellt?
Wie viele Anfragen von Erben bzw. von Erbenvertretern wurden innerhalb welcher Frist seit Eingang der Anfrage von Seiten der Taskforce beantwortet?
Entspricht es den Tatsachen, dass Familien von Erben des Öfteren monatelang auf eine Antwort auf eine von ihnen gestellte Anfrage an die Taskforce warten mussten?
Warum wird die Forschungsstelle „Entartete Kunst“ an der Freien Universität Berlin, die seit ihrer Gründung vor elf Jahren durch private Drittmittel, wesentlich von der Ferdinand-Möller-Stiftung (Berlin), finanziert wird, nicht in das geplante „Deutsche Zentrum Kulturgutverluste“ integriert und mit Bundesmitteln finanziert?
Plant die Bundesregierung, die Anrufungsregularien der sog. Limbach-Kommission dahingehend zu verändern, dass diese im Streitfall auch einseitig anrufbar ist, und wenn nein, warum nicht?
Teilt die Bundesregierung die Auffassung von Experten, geäußert im Oktober dieses Jahres im Rahmen der Tagung „Markt und Macht. Kunsthandel im Dritten Reich“ in Hamburg, dass zu Koordination, Strukturierung und Ausbau der Provenienzforschung die Schaffung von drei neuen Professuren an den Universitäten der Standorte Berlin, Hamburg und München wünschenswert ist und zeitnah realisiert werden sollte?