Die Entwicklung des Normalarbeitsverhältnisses in den einzelnen Bundesländern
der Abgeordneten Jutta Krellmann, Klaus Ernst, Susanna Karawanskij, Dr. Petra Sitte, Dr. Axel Troost, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung von September 2014 zeigt, dass atypische Beschäftigung schon fast zur Normalität geworden ist (vgl. Böckler-Impuls 14/2014). Insbesondere im Westen seien atypische Beschäftigungsverhältnisse weit verbreitet. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich atypische Beschäftigung und das Normalarbeitsverhältnis in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen Jahren entwickelt haben.
Diese Frage stellt sich vor allen Dingen, da atypische Beschäftigung häufig eine prekäre Form der Beschäftigung ist. Vor allen Dingen niedrige Löhne, teilweise nicht existenzsichernd, sind oft in atypischen Beschäftigungsverhältnissen anzutreffen (vgl. Böckler-Impuls 12/2014).
Das Statistische Bundesamt vermeldete sowohl für das Jahr 2012 als auch für das Jahr 2013 einen Rückgang bei der atypischen Beschäftigung und einen Zuwachs bei den Normalarbeitsverhältnissen (vgl. Pressenmitteilungen des Statistischen Bundesamtes 418/14 und 285/13). Hier stellt sich die Frage, wie sich die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern darstellt.
Es muss aber auch beleuchtet werden, wie diese Entwicklung vor dem Hintergrund der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung in den Jahren 2012 und 2013 zu bewerten ist. Die Politikwissenschaftlerin Dr. Karin Schulze Buschoff vertritt die These, dass der Rückgang der atypischen Beschäftigung angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung als eher bescheiden betrachtet werden muss (www.boeckler.de/50350_50361.htm). Sie verweist zudem auf Zahlen des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, denen zufolge sich die Zahl der Beschäftigten in Werk- oder Dienstverträgen in den Jahren 2002 bis 2011 auf 600 000 verdoppelt habe. Werkvertragsbeschäftigte gelten formal aber als Beschäftigte in einem Normalarbeitsverhältnis.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis an allen Arbeitsverhältnissen in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Beschäftigten in einem atypischen Arbeitsverhältnis in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten in einem atypischen Arbeitsverhältnis an allen Arbeitsverhältnissen in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil der Leiharbeitsbeschäftigten in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil der befristet Beschäftigten in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil der geringfügig Beschäftigten in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Teilzeitbeschäftigten in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen; bitte nach kurzer Teilzeit unter 20 Wochenstunden, mittlerer Teilzeit zwischen 20 und 30 Wochenstunden sowie langer Teilzeit mit mehr als 30 Wochenstunden differenzieren)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil von Erwerbstätigen und abhängig Beschäftigten in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Arbeitszeitvolumen in Stunden und in Vollzeitäquivalenten in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln darstellen und auch Angaben für das gesamte Bundesgebiet sowie für Ost- und Westdeutschland machen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen 20 Jahren der Niedriglohnanteil von befristet Beschäftigten, Leiharbeitskräften, Teilzeitbeschäftigten und geringfügig Beschäftigten entwickelt (bitte für jedes Jahr, für das entsprechende Zahlen vorliegen, angeben; bitte nach Bund, Ost bzw. West und Bundesländern differenzieren)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Niedriglohnanteil in den vergangenen 20 Jahren bezogen auf alle Beschäftigten entwickelt (bitte nach Bund, Ost bzw. West und Bundesländern differenzieren)?
Wie viele der Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis werden nach Erkenntnissen der Bundesregierung unterhalb der Niedriglohnschwelle entlohnt (bitte nach Bund, Ost bzw. West und Bundesländern differenzieren; bitte für die vergangenen 20 Jahre einzeln darstellen)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Entwicklung der Zahl und des Anteils von Werkvertragsbeschäftigten vor, die aufgrund von Outsourcing als solche tätig sind oder im Rahmen einer Fremdfirma in einem anderen Betrieb eingesetzt werden?
Wie wirkt sich nach Einschätzung der Bundesregierung die zunehmende Zahl von Werkvertragsbeschäftigten, sowohl im Rahmen illegaler Arbeitnehmerüberlassung als auch im Rahmen von fremdvergebenen Tätigkeiten zuvor selbst durchgeführter Arbeiten, auf die Entwicklung des Normalarbeitsverhältnisses und der atypischen Beschäftigung aus, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Werkvertragsbeschäftigung nicht als atypische Beschäftigung erfasst wird?
Wie stellt sich aus Sicht der Bundesregierung der Rückgang der atypischen Beschäftigung in den Jahren 2012 und 2013 angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung dar?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Stärkung des Normalarbeitsverhältnisses insbesondere in Hinsicht auf befristete und geringfügige Beschäftigung?