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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Aktuelle Daten zu befristeter Beschäftigung

Anzahl befristet Beschäftigter, Neueinstellung mit befristetem Arbeitsvertrag, Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, Verlängerung mit erneuter Befristung, sachgrundlose Befristung, Niedriglohn, Berufsgruppen- und Branchenschwerpunkte; Auswirkungen von Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund und Qualifikation auf Befristungsquoten; Anteil befristet Beschäftigter in den EU-Staaten<br /> (insgesamt 12 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

20.08.2015

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/563722.07.2015

Aktuelle Daten zu befristeter Beschäftigung

der Abgeordneten Jutta Krellmann, Klaus Ernst, Susanna Karawanskij, Thomas Lutze, Thomas Nord, Richard Pitterle, Michael Schlecht, Dr. Axel Troost, Dr. Sahra Wagenknecht, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Im Zeitraum der Jahre von 1993 bis 2013 hat sich die Zahl der befristet Beschäftigten in Deutschland von 876 000 auf 2 734 000 verdreifacht (vgl. Bundestagsdrucksache 18/1029). Nahezu die Hälfte aller Neueinstellungen erfolgt mittlerweile nur noch befristet. Einen deutlichen Anstieg verzeichnen vor allem die sogenannten sachgrundlosen Befristungen.

Der Anteil der Beschäftigten, die einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle erhalten, ist bei befristeten doppelt so hoch wie bei regulären Arbeitsverhältnissen. Hinzu kommt, dass befristete Arbeitsverträge die Möglichkeit der Lebensplanung beeinträchtigen und mit einer unsicheren Berufsperspektive einhergehen.

„SPIEGEL ONLINE“ schreibt im Zusammenhang mit einem aktuellen OECD- Bericht (Skills Outlook 2015), demzufolge der Anteil von befristeten Arbeitsverhältnissen von jungen Beschäftigten in Deutschland so hoch wie in kaum einem anderen der untersuchten Länder ist: „Befristete Jobs können zwar sinnvoll sein, indem sie jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Oft sind sie aber auch mit gravierenden Nachteilen verbunden, wie die OECD ausführt: In vielen Fällen können befristet Beschäftigte ihre Fähigkeiten nicht voll in die Arbeit einbringen. Wer einen Zeitvertrag hat, hat auch geringere Chancen, an einer Weiterbildung teilzunehmen. Im schlimmsten Fall können durch die Befristungen daher Kompetenzen verkümmern, warnt die Organisation.“

Vor diesem Hintergrund wird die Bundesregierung nach ihren Kenntnissen über aktuelle Daten zu befristeter Beschäftigung befragt.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Wie viele befristet Beschäftigte gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen 20 Jahren jeweils entwickelt (bitte für das Bundesgebiet und für jedes Bundesland die Daten einzeln darstellen sowie für jedes Jahr sowohl die absoluten Zahlen als auch den Anteil an allen Beschäftigten ausweisen; bitte nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit differenzieren)?

2

Wie viele der Neueinstellungen erfolgen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern mit einem befristeten Arbeitsvertrag, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für das Bundesgebiet und für jedes Bundesland einzeln die jährlichen Daten ausweisen sowie für jedes Jahr sowohl die absoluten Zahlen der befristeten Einstellungen als auch den Anteil an allen Einstellungen ausweisen; wenn möglich, bitte nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit differenzieren)?

3

Bei wie vielen der befristeten Arbeitsverträge erfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern eine Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte für das Bundesgebiet und für jedes Bundesland die Daten einzeln darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit differenzieren)?

4

Wie viele der befristeten Arbeitsverträge werden nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern nach dem Auslaufen durch einen weiteren befristeten Arbeitsvertrag verlängert, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte für das Bundesgebiet und für jedes Bundesland die jeweiligen jährlichen Daten einzeln darstellen; wenn möglich bitte nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit differenzieren)?

5

Wie viele der befristeten Arbeitsverhältnisse werden nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern nach Auslaufen der Befristung beendet, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte für das Bundesgebiet und für jedes Bundesland die jährlichen Daten einzeln darstellen; wenn möglich bitte nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit differenzieren)?

6

Wie viele Befristungen von Arbeitsverträgen erfolgen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für das Bundesgebiet und für jedes Bundesland die jährlichen absoluten Zahlen einzeln darstellen)?

7

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den derzeitigen Anteil von sachgrundlos befristeten Arbeitsverträgen an allen befristeten Arbeitsverträgen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern vor, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für das Bundesgebiet und für jedes Bundesland die jährlichen Daten einzeln darstellen)?

8

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Anteil von Niedriglöhnen bei befristet Beschäftigten im Vergleich zur Gesamtwirtschaft in Deutschland vor (bitte nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit differenzieren)?

9

Welche zehn Berufsgruppen haben nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern den höchsten Anteil an befristeten Arbeitsverträgen (falls möglich, bitte nach Geschlecht differenzieren)?

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung in diesen zehn Berufsgruppen die Übernahmequote in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis?

10

Welche zehn Wirtschaftszweige haben nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern den höchsten Anteil an befristeten Arbeitsverträgen (falls möglich, bitte nach Geschlecht differenzieren)?

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung in diesen zehn Wirtschaftszweigen die Übernahmequote in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis?

11

Welche Auswirkungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund und Qualifikation auf Befristungsquoten?

Wie stellen sich derzeit die Befristungsquoten differenziert nach diesen Merkmalen dar?

12

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit jeweils der Anteil von Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen an allen Beschäftigten in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (falls möglich, bitte nach Geschlecht und Alter differenzieren)?

Berlin, den 22. Juli 2015

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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