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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Einsätze von Jugendoffizieren und Karriereberatern im Jahr 2015

Zahl der eingesetzten Jugendoffiziere und Karriereberater der Bundeswehr im Jahr 2015, Untersuchungen zur &quot;Erfolgsquote&quot;, Finanzmittel, Umfang der von ihnen an Schulen und Hochschulen durchgeführten Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Seminare, Interpretation signifikanter Abweichungen bei den Einsatzzahlen, Anzahl der erreichten Schüler, Organisation von Truppenbesuchen im Klassenrahmen, Teilnahme von Lehrkräften, Informationsveranstaltungen von Jugendoffizieren für Multiplikatoren; Einführung einer Zahlendifferenzierung nach Bundesländern<br /> (insgesamt 23 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

31.05.2016

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/830526.04.2016

Einsätze von Jugendoffizieren und Karriereberatern im Jahr 2015

der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan van Aken, Christine Buchholz, Wolfgang Gehrcke, Annette Groth, Dr. André Hahn, Heike Hänsel, Inge Höger, Andrej Hunko, Katrin Kunert, Niema Movassat, Harald Petzold (Havelland), Kathrin Vogler, Halina Wawzyniak, Jörn Wunderlich und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Der Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen ist für die Bundeswehr ein Mittel, auf Jugendliche einzuwirken. Die Jugendoffiziere nutzen die Chance, im Unterricht die Grundzüge der offiziellen Militärpolitik zu vermitteln. Dabei werden zwangsläufig auch die laufenden Militäreinsätze gerechtfertigt, da Jugendoffiziere die Sicht des Bundesministeriums der Verteidigung vermitteln müssen (http://bamm.de/files/2010/08/Handbuch_Jugendoffz_1.pdf).

Da Militäreinsätze in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden, stößt die einseitige Beeinflussung von Schülerinnen und Schülern im Sinne der offiziellen Politik auf erhebliche Proteste. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), zahlreiche Schülervertretungen und Organisationen der Friedensbewegung lehnen die Einsätze von Jugendoffizieren ab (vgl. Bundestagsdrucksache 18/4516).

Trotz eines Rückgangs der Schülerzahlen haben die Jugendoffiziere im Jahr 2014 ihre Reichweite um knapp 2000 auf insgesamt 119 000 Schüler erhöht, die vorrangig in Form von Vorträgen im Unterricht erreicht worden waren. An Besuchen in Kasernen hatten 37 000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Auch Lehrerinnen und Lehrer stehen im Fokus der Jugendoffiziere. 11 855 Referendare und Lehrer nahmen an zum Teil mehrtägigen Fortbildungsveranstaltungen der Bundeswehr teil. Sie lernen dort, was sie später im Unterricht als objektives Wissen vermitteln sollen.

Sogenannte Karriereberater der Bundeswehr gehen sogar offen mit dem Vorhaben in die Schulen, dort für eine berufliche Laufbahn in der Bundeswehr zu werben. Die Beteiligung dieser Militärwerber an Jobmessen und Berufsbildungstagen auf Schulgeländen wurde im Jahr 2014 von 600 auf 1 000 Veranstaltungen erhöht. Dabei wurden mit 185 000 Schülerinnen und Schüler doppelt so viele erreicht wie im Jahr 2013.

Aus Sicht der Fragesteller stellen diese Maßnahmen eine Militarisierung des Unterrichts dar.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen23

1

Wie viele Vorträge an Schulen und Hochschulen haben die Jugendoffiziere der Bundeswehr im Jahr 2015 gehalten (bitte nach Schultypen wie Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, berufsbildende und andere Schulen bzw. Universitäten aufgliedern)?

Ist die Bundesregierung vor dem Hintergrund ihrer Darlegung auf Bundestagsdrucksache 18/4516, die Vorträge würden im Bundesministerium der Verteidigung nicht nach Bundesländern erfasst, bereit, eine solche Aufgliederung gesondert vorzunehmen, um dem Interesse des Deutschen Bundestages zu entsprechen, eine Übersicht zu erhalten, in welchen Bundesländern die Bundeswehr besonders intensiv an Schulen vertreten ist, und wenn nein, warum nicht?

2

Wie viele Schülerinnen und Schüler wurden durch die Vorträge erreicht (bitte insgesamt sowie differenziert nach Schultypen und möglichst nach Bundesländern angeben)?

3

An wie vielen Podiumsdiskussionen im Rahmen des Unterrichts haben sich die Jugendoffiziere im Jahr 2014 beteiligt, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte nach Schultypen aufgliedern)?

4

Wie viele Seminare haben die Jugendoffiziere im Rahmen des Schulunterrichts durchgeführt, wie viele davon waren jeweils POL&IS-Seminare, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte nach Schultypen aufgliedern)?

5

Wurden Seminare für die Ziel- bzw. Altersgruppe Schülerinnen und Schüler von der Bundeswehr auch außerhalb des Schulunterrichts angeboten, und wenn ja, wie viele Seminare, mit jeweils welchem Inhalt, über welche Dauer, an welchen Orten in welchen Bundesländern, und wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich daran beteiligt?

6

Wurden Truppenbesuche für die Ziel- bzw. Altersgruppe Schülerinnen und Schüler von der Bundeswehr auch außerhalb des Schulunterrichts angeboten, und wenn ja, wie viele Besuche, und wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich daran beteiligt?

7

Wie viele Besuche bei der Truppe haben Jugendoffiziere im Klassenrahmen durchgeführt, und wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich daran insgesamt beteiligt (bitte nach Schultypen aufgliedern)?

8

Wie viele Multiplikatoren haben Jugendoffiziere jeweils im Rahmen von Vorträgen, Seminaren, Podiumsdiskussionen, Truppenbesuchen, Informationsgesprächen oder anderen Maßnahmen erreicht (bitte für jede solche Maßnahme getrennt angeben)?

a) Wie viele Lehrerinnen und Lehrer bzw. Referendarinnen und Referendare wurden dabei jeweils erreicht (bitte möglichst nach Schultypen aufgliedern)?

b) Wie viele Vertreter von Schulbehörden wurden dabei jeweils erreicht?

c) Wie viele Lehrerinnen und Lehrer haben sich an mehrtägigen, und wie viele an eintägigen Seminaren beteiligt?

d) In welche anderen Gruppen gliedern sich die Multiplikatoren auf?

e) Wie erklärt sich die hohe Anzahl „sonstiger“ Multiplikatoren in der Anlage 1 auf Bundestagsdrucksache 18/4516? Um welchen Personenkreis handelt es sich hierbei, bzw. wer gehört zum typischen Multiplikatorenkreis?

9

Wie interpretiert die Bundesregierung allfällige signifikante Abweichungen bei den Einsatzzahlen der Jugendoffiziere gegenüber dem Jahr 2014, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?

10

Welche Änderungen im Bereich der Jugendoffiziere bzw. ihrer Arbeit hat es im vergangenen Jahr gegeben bzw. sind für die Zukunft geplant?

11

Wie viele Vorträge haben Karriereberater der Bundeswehr im Jahr 2015 an Schulen und Hochschulen gehalten?

a) Wie gliedern sich diese Vorträge nach Schulformaten (Haupt-, Realschulen, Gymnasien, berufsbildende Schulen usw.) bzw. Hochschulen auf?

b) Wie viele dieser Vorträge fanden in den einzelnen Bundesländern statt?

c) An welchen Schulen bzw. Hochschulen fanden die Vorträge im Einzelnen statt (bitte unter Nennung des Schulnamens, des Bundeslandes sowie der Ortschaft mit Postleitzahl angeben)?

12

Wie viele Schülerinnen und Schüler wurden durch die Vorträge erreicht?

a) insgesamt,

b) in den unterschiedlichen (Hoch-)Schulformaten, und

c) jeweils in den einzelnen Bundesländern

13

Wie viele weitere Vorträge haben Karriereberater gehalten?

a) vor Jugendlichen,

b) vor Lehrkräften bzw. Vertretern von Schulbehörden, und

c) vor weiteren Multiplikatoren (diese bitte möglichst aufgliedern)

14

An wie vielen Ausstellungen, Projekttagen, Jobmessen, Berufswahltagen und ähnlichen Veranstaltungen haben sich Karriereberater beteiligt?

a) Wie gliedern sich diese Beteiligungen nach Schulformaten auf?

b) Wie viele dieser Beteiligungen fanden in den einzelnen Bundesländern statt?

c) Wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei insgesamt erreicht (bitte wiederum sowohl nach Bundesländern als auch nach Schulformaten aufgliedern)?

d) An welchen Schulen fanden diese Teilnahmen im Einzelnen statt?

15

Wie viele Besuche bei der Truppe haben Karriereberater im Klassenrahmen durchgeführt?

a) Wie gliedern sich diese Besuche auf die unterschiedlichen Schulformate auf?

b) Wie viele dieser Besuche gab es in den einzelnen Bundesländern?

c) Welche Schulen haben sich im Einzelnen beteiligt?

d) Wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich daran insgesamt beteiligt?

16

Wie viele Lehrkräfte bzw. Vertreterinnen und Vertreter von Schulbehörden nahmen an Besuchen bei der Truppe teil (bitte angeben, um welche Schulen es sich handelt, unter Angabe des Bundeslandes und der Ortschaft mit Postleitzahl)?

17

Wie viele weitere Truppenbesuche haben Karriereberater organisiert?

a) Wie gliedern sich diese Besuche auf die einzelnen Bundesländer auf?

b) Wie viele Jugendliche haben sich daran insgesamt beteiligt?

c) Wie viele Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben sich daran beteiligt?

d) Wo bzw. über welche Mittel wurden Jugendliche und Multiplikatoren auf die Möglichkeit des Truppenbesuchs aufmerksam gemacht?

18

Wie viele Vorträge haben Karriereberater in Jobcentern, Arbeitsagenturen und Berufsinformationszentren jeweils gehalten?

a) In welchen Bundesländern fanden jeweils wie viele derartige Vorträge statt?

b) Wie viele Personen wurden dabei insgesamt erreicht sowie jeweils pro Bundesland erreicht?

19

Wie interpretiert die Bundesregierung allfällige signifikante Abweichungen bei den Einsatzzahlen der Karriereberater zum Vorjahr, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?

20

Welche Änderungen im Bereich der Karriereberater hat es im vergangenen Jahr gegeben bzw. sind für die nächste Zeit geplant?

21

Wie viele Jugendoffiziere und Karriereberater waren im Jahr 2015 jeweils im Einsatz, und welche Personalausgaben fielen für diese jeweils an?

22

Welche Sachkosten entstanden durch die Tätigkeit von Jugendoffizieren und Karriereberatern jeweils in den Jahren 2010, 2011, 2012, 2013, 2014 und 2015?

23

Welche unterschiedliche Bedeutung haben die vorstehend genannten Werbebzw. Informationstätigkeiten an Schulen und Jobcentern für die Bundeswehr (bitte möglichst begründen)?

Berlin, den 25. April 2016

Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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