Situation der Meeres- und Küstentiere an Nord- und Ostsee
der Abgeordneten Steffi Lemke, Annalena Baerbock, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Peter Meiwald, Dr. Julia Verlinden, Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Die deutschen Meeresgebiete befinden sich in keinem guten ökologischen Zustand, so die Anfangsbewertung der Meeresstrategierahmenrichtlinie (www.meeresschutz.info/berichte.html). Die Nord- und Ostsee sind stark belastet und strapaziert. Fischfang, Bergbau, schädliche Einträge durch die Flüsse, Schifffahrt oder auch der viele Müll belasten die deutschen Meere. Selbst in ausgewiesenen Natura 2000 Schutzgebieten findet eine uneingeschränkte Nutzung statt. Der zunehmende Nutzungsdruck auf die Meere hat Auswirkungen auf Meeressäugetiere, Fische und Vogelarten.
Die rote Liste der Meeresorganismen, die im Jahr 2014 veröffentlicht wurde, fungiert als Inventar der Arten in der deutschen Nord- und Ostsee. Die Liste macht den Gefährdungsgrad deutlich. Ein Drittel der 1 700 untersuchten Meerestiere und Pflanzen sind gefährdet. Vor allem viele Arten, die in den Anhängen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie (FFH: Fauna Flora Habitat) als besonders schutzbedürftig gelistet sind, sind in keinem guten Erhaltungszustand (www.bfn.de/0401_pm.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=4909&cHash=4f2ca82b5fca7a9fffe560bc3df25037).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Wie bewertet die Bundesregierung die Ergebnisse der Roten Liste Meeresorganismen? Welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Welche Faktoren tragen nach Kenntnis der Bundesregierung besonders zu der Gefährdungslage bei?
Wie hat sich der Bestand der Meeressäugetiere und Fische des Anhangs II der FFH-Richtlinie in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) seit dem Jahr 1980 entwickelt (bitte nach Art und Jahr aufschlüsseln)? Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Welche „Arten nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands“ (sog. Verantwortungsarten) leben in der Nord- und Ostsee, und wie hat sich ihr Bestand seit dem Jahr 1980 entwickelt (bitte nach Verantwortungsarten und Jahren aufschlüsseln)?
Wie hat sich der Bestand der Vogelarten der Europäischen Vogelschutzrichtlinie in der AWZ seit dem Jahr 1980 entwickelt (bitte nach Art und Jahr aufschlüsseln)? Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Wird die Bundesregierung die in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt aufgeführten Handlungsziele zu den Verantwortungsarten („Wiederherstellung und Sicherung der Lebensräume der Arten, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortlichkeit hat, bis 2020“ und „Sicherung der Bestände aller heute gefährdeten Arten und solcher, für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt“) erreichen?
Wie hat sich der Bestand der regelmäßig auftretenden Zugvogelarten in der AWZ seit dem Jahr 1980 entwickelt (bitte nach Art und Jahr aufschlüsseln)? Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Wie viele der Meeressäugetiere, Fische, Vogelarten und Zugvogelarten in der AWZ sind in einem kritischen Zustand? Wie viele dieser Arten sind seit den 60er-Jahren in Deutschland ausgestorben?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Bestand des Schweinswals in der Nord- und Ostsee seit dem Jahr 1980 entwickelt (bitte nach Nord- und Ostsee aufschlüsseln)? Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dieser Entwicklung?
Wie ist nach Kenntnis die Bundesregierung die Situation der Meeressäuger in der Nord- und Ostsee? Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
Von wie vielen als Beifang gefangenen und getöteten Meeressäugern geht die Bundesregierung in den letzten fünf Jahren aus (bitte nach Jahr und Art aufschlüsseln)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Bestand des Alpenstrandläufers seit dem Jahr 1980 entwickelt? Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dieser Entwicklung?
Wie viel Prozent der Fläche in der Nord- und Ostsee ist laut Bundesregierung bisher komplett von der Nutzung ausgenommen und dient ausschließlich dem Ziel, einen günstigen Erhaltungszustand für diese unter Natura 2000 geschützten Tierarten zu gewährleisten?
In welchen Gebieten in der AWZ sind die höchsten Populationsrückgänge der geschützten Arten zu beobachten? Welche Ursachen waren hier nach Einschätzung der Bundesregierung ausschlaggebend?