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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Fachkräftemangel und Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige (G-SIG: 16012087)

Personalbedarf für geplanten Ausbau der Kinderbetreuung bei einem Betreuungsschlüssel von nicht mehr als fünf Kindern pro Erzieher, Aufwertung des Erzieherberufs, Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Berücksichtigung der Integration möglichst aller behinderten Kinder in öffentliche Kindertagesbetreuung bei Konzeption des Krippenausbaus und der Berechnung des Fachkräftebedarfs <p> </p>

Fraktion

DIE LINKE

Datum

23.05.2007

Antwortdauer

16 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/523107. 05. 2007

Fachkräftemangel und Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige

der Abgeordneten Diana Golze, Klaus Ernst, Dr. Martina Bunge, Katja Kipping, Cornelia Hirsch, Elke Reinke, Volker Schneider (Saarbrücken), Dr. Ilja Seifert, Frank Spieth, Dr. Kirsten Tackmann, Jörn Wunderlich und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Der „Krippengipfel“ am 2. April 2007 von Bund, Ländern und Gemeinden hat sich grundsätzlich auf ein Bekenntnis zum Ausbau der Betreuungsangebote für Unter-Dreijährige auf eine Platz-Kind-Relation von 35 Prozent bis 2013 ausgesprochen. Damit will auch Deutschland das auf dem Barcelona-Gipfel der EU im Jahr 2003 festgelegte Ziel eines Angebots für 33 Prozent aller Unter- Dreijährigen erreichen.

Nach Berechnungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind 100 000 neue Erzieherinnen und Erzieher notwendig, um das Ausbauziel einer 35-Prozent-Betreuungsquote mit einem Betreuungsschlüssel von 5 Kindern pro Beschäftigter/m zu realisieren. Auch der Deutsche Kinderschutzbund fordert im Interesse der Qualität der Betreuung einen Betreuungsschlüssel von nicht mehr als 5 Kindern pro Beschäftigter/m. Bereits jetzt ist absehbar, dass wegen einer zu erwartenden Pensionierungswelle in den ostdeutschen Bundesländern der Personalbedarf ab 2009 noch deutlich steigen wird. Derzeit sind 16 000 Erzieherinnen und Erzieher arbeitsuchend gemeldet. Die Deckung des absehbaren Personalbedarfs ist also unter den heutigen Bedingungen, auch nach Einschätzung der GEW, nicht zu realisieren (Frankfurter Rundschau vom 23. April 2007).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Wie schätzt die Bundesregierung den für den geplanten Ausbau der Kindertagesbetreuung notwendigen Bedarf an zusätzlichen Fachkräften ein, wenn eine angestrebte Betreuungsquote von maximal 5 Kindern pro Beschäftigter/m unterstellt wird?

2

Wie hoch ist die Zahl der voraussichtlich fehlenden Fachkräfte unter der Berücksichtigung der bis 2010 pensionierten Erzieherinnen und Erzieher und der Zahl der bis 2010 voraussichtlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Absolvent/inn/en dieser Berufsgruppe (bitte nach Bundesländern ausweisen)?

3

Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der GEW, dass der Personalbedarf die Zahl der vorhandenen und in Ausbildung befindlichen Fachkräfte weit übersteigt?

4

Wie viele in der Betreuung der 3- bis 5-Jährigen tätigen Fachkräfte können nach Einschätzung der Bundesregierung wegen sinkender Kinderzahlen für die Betreuung der unter Dreijährigen gewonnen werden?

5

Wie viele der derzeit in der Tagespflege tätigen Personen haben eine Ausbildung als Erzieherin/Erzieher und könnten für die Betreuung der unter Dreijährigen gewonnen werden?

6

Welche Strategien entwickelt die Bundesregierung zur Aufwertung des Berufs der Erzieherin/des Erziehers?

7

Inwieweit ist aus Sicht der Bundesregierung eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Erzieherinnen und Erziehern (Arbeitszeiten, Betreuungsschlüssel, Vor- und Nachbereitungszeiten der Arbeit mit den Kindern, tarifliche Entlohnung) erforderlich, um einem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen und das Berufsbild aufzuwerten?

8

Welche Strategien entwickelt die Bundesregierung, um einer Abwanderung qualifizierter Erzieherinnen und Erzieher aus Ostdeutschland entgegenzuwirken?

9

Inwieweit berücksichtigt die Bundesregierung bei der Konzeption des Krippenausbaus und der Berechnung des Fachkräftebedarfs das Ziel, möglichst alle Kinder mit Behinderungen in öffentliche Kindertagesbetreuung zu integrieren?

Berlin, den 3. Mai 2007

Dr. Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Fraktion

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