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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Auswirkungen des Klimawandels auf Seen und Fließgewässer

Ökologische Zustände von Oberflächengewässern, Erhöhung der Wassertemperatur, Einfluss des Klimawandels, Maßnahmen zur Erfassung diesbzgl. Folgen, Oberflächengewässer mit zeitweilige Austrocknung bzw. Niedrigwasser seit 2007, Auswirkungen auf Flora, Fauna sowie Wasserqualität der jeweiligen Biotope, finanzielle Folgen für Trinkwasserversorgung, Fischerei, Landwirtschaft und Tourismus, Maßnahmen zur Schadensbegrenzung<br /> (insgesamt 9 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Datum

08.06.2017

Antwortdauer

22 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/1243317.05.2017

Auswirkungen des Klimawandels auf Seen und Fließgewässer

der Abgeordneten Annalena Baerbock, Peter Meiwald, Steffi Lemke, Bärbel Höhn, Oliver Krischer, Sylvia Kotting-Uhl, Christian Kühn (Tübingen), Dr. Julia Verlinden, Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Immer wieder berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – wie etwa jüngst die der Illinois State University – von international steigenden Temperaturen in Seen durch den Klimawandel (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2015GL066235/full).

Seen reagieren oft abrupt auf Umweltveränderungen wie steigende Temperaturen oder erhöhte Nährstoffkonzentrationen. Werden bestimmte Grenzwerte erreicht, kann sich ein See plötzlich grün färben oder ganz „kippen“. Solche Veränderungen sind meist unumkehrbar und beeinflussen langfristig die Lebensgemeinschaften unter Wasser. Auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin untersucht diese Phänomene und kann in seinen Messreihen auf Beobachtungsdaten zum Stechliner See bei Neuglobsow seit dem Jahr 1960 zurückgreifen. Der See gilt als einer der klarsten, saubersten und tiefsten in Deutschland.

Im Laufe der letzten 50 Jahre hat sich das Oberflächenwasser des Stechliner Sees um mehr als 1,5° C erwärmt. Das zeigen die Langzeitmessungen. Ferner ändert sich die Dauer der Schichtungsphasen. Der Sauerstoff im See wird nun schneller aufgezehrt. Kommt es im Extremfall während der sommerlichen Schichtungsphase zu sauerstofffreien Verhältnissen in der Tiefe, ändert sich dort die Zusammensetzung der Organismen markant. Fischen und wirbellosen Tieren geht der Lebensraum vollständig verloren, und selbst die Zusammensetzung der Mikroorganismen verschiebt sich dramatisch (www.seelabor.de/index.php/seen_im_klimawandel.html).

Darüber hinaus häufen sich in den letzten Jahren Berichte über dramatisch niedrige Wasserspiegel bzw. das Trockenfallen von Oberflächengewässern. Hinzu kommt, dass im Nordosten Deutschlands laut GeoForschungsZentrum Potsdam seit über 30 Jahren sinkende Grundwasserspiegel beobachtet werden – was wiederum auch Auswirkungen auf die Natur hat (http://gfzpublic.gfz-potsdam.de/pubman/item/escidoc:65132/component/escidoc:65165/GFZ_syserde.02.01.12.pdf).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Wie viele Oberflächengewässer in Deutschland sind aufgrund der biologischen und morphologischen Qualitätskomponenten entsprechend der Oberflächengewässerverordnung nach Kenntnis der Bundesregierung in welchem ökologischen Zustand (bitte Gewässer nach Bundesländern auflisten)?

2

In welchem Oberflächengewässer in Deutschland ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Wassertemperatur gestiegen, und welche Gründe sowie Auswirkungen hat das (bitte Gewässer nach Bundesländern auflisten)?

3

Bei welchen Oberflächengewässern ist nach Kenntnis der Bundesregierung von einem Zusammenhang des ökologischen und/oder chemischen Zustands mit dem Klimawandel auszugehen (bitte Gewässer nach Bundesländern auflisten)?

4

Hat die Bundesregierung über die laut Messreihen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei stetige Erwärmung des Stechliner Sees Kenntnis?

Wenn nein, warum nicht, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?

5

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um Folgen des Klimawandels auf Seen und Fließgewässer zu erfassen und zu ergründen?

6

Wie viele Fälle von erstmaliger, zeitweiliger Austrocknung oder ungewöhnlich niedrigen Wasserständen von Oberflächengewässern in Deutschland sind der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren bekannt geworden (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

7

Welche ökologischen Auswirkungen haben diese Ereignisse nach Kenntnis der Bundesregierung für Flora, Fauna und Wasserqualität der jeweiligen Biotope?

8

Welche finanziellen Auswirkungen haben diese Ereignisse nach Kenntnis der Bundesregierung für Trinkwasserversorgung, Fischerei, Landwirtschaft und Tourismus?

9

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den Schaden an der natürlichen Vielfalt, der Trinkwasserversorgung, dem Tourismus und der Volkswirtschaft so gering wie möglich zu halten?

Berlin, den 16. Mai 2017

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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