Beschäftigungsbedingungen im Hotel- und Gaststättengewerbe
der Abgeordneten Klaus Ernst, Susanna Karawanskij, Jutta Krellmann, Thomas Lutze, Thomas Nord, Richard Pitterle, Michael Schlecht, Dr. Axel Troost und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes e. V. (DEHOGA) ist die wirtschaftliche Lage in der Hotel- und Gastronomiebranche derzeit gut. Rund 70 Prozent der Betriebe konnten im vergangenen Jahr ihren Umsatz erhöhen oder stabil halten. Die Mehrheit der Betriebe sehe zudem nicht nur positiv auf das vergangene Geschäftsjahr zurück, sondern erwarte auch eine sich weiter verbessernde Geschäftslage für den Sommer 2017 (vgl. DEHOGA-Branchenbericht, online unter: www.dehoga-bundesverband.de/fileadmin/Startseite/04_Zahlen___Fakten/07_Zahlenspiegel___Branchenberichte/Branchenbericht/DEHOGA-Branchenbericht_Fruehjahr_2017_final.pdf).
Gewerkschaften und Beschäftigte der Branche beklagen dagegen niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen, entgrenzte Arbeitszeiten, hohe Arbeitsverdichtung und Stress (vgl. www.zeit.de/karriere/beruf/2016-05/zimmermaedchenberuf-ausbildung, www.zeit.de/wirtschaft/2016-09/ausbildung-bedingungen-dgbstudie-gastronomie und http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/5149525/Krank-werden-das-geht-gar-nicht-).
Alle Fragen bezogen auf Beschäftigte in den Berufen des Hotel- und Gaststättengewerbes bitte gemäß dem systematischen Verzeichnis der Bundesagentur für Arbeit von 2010 unter Heranziehung folgender Berufsgruppen beantworten: Berufshauptgruppe „Tourismus, Hotel- und Gaststättenberufe“ (Nr. 63) und speziell die Berufsgruppen „Tourismus und Sport“ (631), „Hotellerie“ (Nr. 632) und „Gastronomie“ (Nr. 633). Soweit vorhanden bitte bei allen entsprechenden Fragen sowohl die Werte für die Berufshauptgruppe Nr. 63 als auch für die genannten Berufsgruppen angeben. Falls keine Daten nach der Berufsklassifikation vorliegen, bitte entsprechende Daten für das „Gastgewerbe – Abschnitt I“ der Wirtschaftsklassifikation des Statistischen Bundesamtes von 2008 verwenden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen28
Wie viele Beschäftigte in Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Tourismus, Hotel- und Gaststättenberufen tätig (bitte nach Vollzeit/Teilzeit, Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)? Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2006 bis 2016 entwickelt?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die Anzahl und der Anteil der befristet und unbefristet Beschäftigten in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben sowie jeweils die vergangenen zehn Jahre darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)?
Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die Anzahl und der Anteil der befristeten Arbeitsverträge bei den Neueinstellungen in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen von 2006 bis 2016 (bitte nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)? Wie hoch war im gleichen Zeitraum die Übernahmequote?
Wie viele Leiharbeitskräfte waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen von 2007 bis 2016 tätig (bitte jährlich ausweisen und nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)?
Wie viele Leiharbeitsverhältnisse in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen werden nach Kenntnis der Bundesregierung nach weniger als drei Monaten und nach mehr als drei Monaten beendet (bitte für den letzten verfügbaren Zeitraum in absoluten Zahlen und in Prozent angeben), und wie lang ist die durchschnittliche Beschäftigungsdauer in der Arbeitnehmerüberlassung in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen?
Wie viele Beschäftigte in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis, wie viele haben eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit, und wie viele haben eine Vollzeitarbeit (bitte nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)? Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2006 bis 2016 entwickelt?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche Arbeitszeit von Beschäftigten in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben sowie jeweils die vergangenen zehn Jahre darstellen; bitte nach Vollzeit/Teilzeit, Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Arbeitszeitvolumen in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen seit dem Jahr 2006 entwickelt (bitte sowohl die absoluten Zahlen als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Teilzeit und Vollzeit unterscheiden)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Zahlen und die Anteile von Beschäftigten in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen vor, die überlange Arbeitszeiten, Samstags- und Wochenendarbeit, Arbeitszeiten am Abend und in der Nacht oder in Schichtmodellen haben (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben sowie die vergangenen zehn Jahre darstellen; bitte nach Alter, Geschlecht und Bundesland differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Arbeit auf Abruf in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen vor, und wie hat sich die Arbeit auf Abruf in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Wie viele bezahlte und unbezahlte Überstunden wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen seit dem Jahr 2006 geleistet, und wie stellt sich diese Zahl im Vergleich zur Gesamtwirtschaft dar (bitte jährlich ausweisen und nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)? Wie vielen Vollzeitäquivalenten entspricht die Zahl der bezahlten beziehungsweise unbezahlten Überstunden bei den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen?
Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche Bruttostundenlohn und das durchschnittliche Bruttomonatsentgelt von Beschäftigten in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen, und wie hoch ist dieses Entgelt im Vergleich dazu in der Gesamtwirtschaft? Wie haben sich diese Zahlen im Zeitraum von 2006 bis 2016 entwickelt?
Welche Tarifgefüge finden nach Kenntnis der Bundesregierung in der Regel in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen Anwendung? Wie viele Beschäftigte in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen erhalten nach Kenntnis der Bundesregierung Tariflohn nach den einzelnen Tarifgefügen, und wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Ecklohngruppe für diese Beschäftigten in den jeweiligen Tarifgefügen nach fünf und nach zehn Jahren Berufserfahrung?
Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl und der Anteil der Niedriglohnbeziehenden in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen, und wie hoch ist der Anteil im Vergleich dazu in der Gesamtwirtschaft (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben sowie jeweils die vergangenen zehn Jahre darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter sowie Bundesland differenzieren)?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Anzahl und den Anteil von Beschäftigten in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen, die ergänzend zu ihrem Lohn aufstockende Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) beziehen (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben und jährlich rückwirkend bis 2007 darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter sowie Bundesland differenzieren)?
Wie hoch waren seit dem Jahr 2007 jeweils die Finanzmittel, die für aufstockende Leistungen nach dem SGB II für die Beschäftigten in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen verausgabt wurden (bitte für jedes Jahr einzeln angeben)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über durchgeführte Berufswechsel von Beschäftigten in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen vor (wenn möglich, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen darstellen)? Wie lange waren die Beschäftigten vor ihrem Berufswechsel in ihrem Beruf tätig? Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Motivation der Beschäftigten zu einem Berufswechsel vor?
Wie hoch ist das durchschnittliche Rentenzugangsalter von Beschäftigten in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen (bitte nach Geschlecht und Bundesland differenzieren)? Wie hat sich das durchschnittliche Rentenzugangsalter im Zeitraum von 2006 bis 2016 entwickelt?
Wie lange verbleiben Beschäftigte nach Kenntnis der Bundesregierung in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen, differenziert nach Alterskohorten im Erwerbsleben (bitte ab dem 45. Lebensjahr in Fünfjahresschritten und ab dem 60. Lebensjahr in einzelnen Jahren darstellen)?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten in den Berufen Tourismus und Sport, Hotellerie und Gastronomie, die bis zum regulären Renteneintritt im Beruf verbleiben (bitte nach Geschlecht und Bundesland differenzieren)?
Wie viele Beschäftigte in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen treten nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich seit 2006 in eine Erwerbsminderungsrente bzw. in eine Erwerbsunfähigkeitsrente ein (bitte nach Geschlecht, Alter und Bundesland differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Erkrankungen im Gastgewerbe vor, und wie hoch ist diese Zahl im Vergleich dazu in der Gesamtwirtschaft (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben sowie die Entwicklung seit 2012 darstellen; bitte, wenn möglich, nach Alter, Geschlecht sowie Bundesland differenzieren)?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die den Arbeitsunfähigkeitstagen zugrunde liegenden Diagnosegruppen?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über spezifische Belastungsformen, denen Beschäftigte in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen durch ihre Arbeit ausgesetzt sind?
Welche Berufe und welche Tätigkeiten in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen sind nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit besonders von psychischen Belastungen und arbeitsbedingtem Stress betroffen?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum von 2000 bis 2016 die Zahl der Arbeitsunfälle von Beschäftigten in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen entwickelt (bitte nach Geschlecht und Bundesland differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über eine zunehmende Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen vor?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus ihren Kenntnissen über die Arbeitsbedingungen in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen?