URENCO – Umgang mit abgereichertem Uran
der Abgeordneten Hubertus Zdebel, Caren Lay, Matthias W. Birkwald, Eva Bulling-Schröter, Inge Höger, Andrej Hunko, Ulla Jelpke, Kerstin Kassner, Ralph Lenkert, Birgit, Menz, Niema Movassat, Dr. Alexander S. Neu, Dr. Kirsten Tackmann, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Bei der Anreicherung von Uran in der zu URENCO gehörenden Anlage in Gronau fallen große Mengen abgereichertes Uran an. Die Verarbeitung erfolgt in Form von Uranhexafluorid (UF6). Die Anreicherung von Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken erfolgt über Zentrifugen in mehreren Schritten. Abgereichertes Uran in Form von UF6 wird auf dem Gelände der URENCO in Gronau oberirdisch unter freiem Himmel gelagert.
Ab einem bestimmten Abreicherungsgrad wird das als „Tails“ bezeichnete Uran offenbar seit Jahren von Gronau nach Frankreich transportiert, wo es schrittweise in die chemische Verbindung U3O8 konvertiert wird, weil es in dieser Form langfristig sicherer gelagert werden kann als in der Form UF6.
Demnach ist laut Angaben eines URENCO-Sprechers in den „Westfälischen Nachrichten“ vom 21. Juli 2017 (www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/ Gronau/2915369-Uranoxidlager-bei-Urenco-Inbetriebnahme-hat-keine-Prioritaet) ist ein „Teil des angefallenen abgereicherten Urans (ca. 12 700 Tonnen UF6) in Frankreich zu U3O8 (rund 10 100 Tonnen) dekonvertiert worden und lagert seitdem dort. Im Jahr 2016 ist dieses U3O8 mit unserer Schwestergesellschaft in Großbritannien gegen UF6 getauscht worden, das wiederangereichert werden soll. Hiermit wird im Übrigen auch der Nachweis erbracht, dass abgereichertes Uran ein Wertstoff ist“.
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat jüngst auf Drucksache 16/14790 vom 5. April 2017 (www.landtag.nrw.de/Dokumentenservice/portal/ WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-15046.pdf;jsessionid=0B5A66C 773CD69F2279F6BD80687ECC4.ifxworker) zu der Frage, wie viel abgereichertes Uran aus der Gronauer Anlage in Frankreich und andernorts lagert, keine Angaben über die o. g. Mengen an UF6 bzw. U3O8 gemacht.
In der Antwort der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen wird aber erwähnt, dass mit Datum des 31. März 2017 abgereichertes Uranoxid aus Gronau nicht nur in Frankreich, sondern auch bei DAHER-NCS in Hanau (8,1 Tonnen) und in der Forschungszentrum Jülich GmbH (20,18 kg) lagert.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen20
Wie viel abgereichertes Uran in Form von UF6 von URENCO in Gronau ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils nach Frankreich oder an andere Orte transportiert worden, und zu welchem Zweck erfolgten diese Transporte jeweils (bitte Menge je Standort angeben)?
Welche Mengen von abgereichertem Uran aus Gronau sind nach Kenntnis der Bundesregierung an welchem Standort von UF6 zu U3O8 umgewandelt worden?
Welche Mengen von abgereichertem Uran mit Ursprung in Gronau lagern nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit noch jeweils an welchem Standort und sollen noch zu U3O8 umgewandelt werden?
Wie viel UF6 zur Wiederanreicherung hat URENCO Gronau im Tausch gegen die genannten 10 100 Tonnen U3O8 nach Kenntnis der Bundesregierung übernommen?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Menge von U3O8, die aktuell noch der Anlage der URENCO in Gronau zuzurechnen ist, und wo wird diese jeweils gelagert?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Gehalt von Uran 235 in der von URENCO Gronau zur Wiederanreicherung übernommenen Menge UF6?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Uran 235 in der gegen UF6 zur Wiederanreicherung übernommenen Menge U3O8?
Auf welcher rechtlichen Grundlage und nach welchen Kriterien ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Tausch von abgereichertem UF6 zur Wiederanreicherung gegen Abgabe von U3O8 an die URENCO-Anlage in Capenhurst erfolgt, und welche staatlichen Stellen waren dabei in welcher Weise beteiligt?
Ist der Bundesregierung bekannt, aus welchem Grund die Wiederanreicherung des getauschten UF6 nicht in der Anreicherungsanlage in Capenhurst, sondern in der Anlage in Gronau erfolgt, und wenn ja, warum wird das so gemacht?
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass die Transporte von Capenhurst nach Gronau mit UF6 zur Wiederanreicherung unter dem Gesichtspunkt der Minimierung von Strahlenrisiken als zumindest problematisch anzusehen sind, wenn eine solche Anreicherung auch am Ausgangsstandort Capenhurst möglich wäre?
Sind die Lieferungen des UF6 zur Wiederanreicherung von Capenhurst nach Gronau im Rahmen dieses Tausches nach Kenntnis der Bundesregierung bereits erfolgt, und wenn ja, wie viele Transporte auf welchem Weg sind dafür erforderlich gewesen?
Wie viel von den mit Datum des 31. März 2017 insgesamt 20 870,3 Tonnen in Gronau lagerndem abgereicherten UF6 ist nach Kenntnis der Bundesregierung zur Umwandlung zu U3O8 vorgesehen, wo soll das erfolgen, und wie viel davon wird noch zur weiteren Anreicherung in Gronau oder an anderen URENCO-Standorten (jeweils wo) eingesetzt?
Ab welchem Abreicherungsgrad bzw. nach welchen Kriterien wird nach Kenntnis der Bundesregierung bei URENCO festgelegt, ab wann abgereichertes UF6 nicht mehr zur (Wieder-)Anreicherung eingesetzt und zu U3O8 umgewandelt wird?
Haben nach Kenntnis der Bundesregierung derartige Austausche innerhalb der URENCO-Anlagen in Gronau, Almelo, Capenhurst und New Mexico bereits früher schon stattgefunden, und wenn ja, jeweils welcher Stoff und welche Menge wurden jeweils gegeneinander getauscht und welchen Anlagen zugerechnet?
Ist der Bundesregierung bekannt, was mit den in Frankreich lagernden U3O8-Mengen nach dem Tausch zwischen URENCO Gronau und Capenhurst weiter passieren soll, und ob geplant ist, diese Mengen nach Capenhurst zur Lagerung zu transportieren, oder ob diese in das am Standort Gronau befindliche, aber noch nicht in Betrieb gegangene Lager gehen sollen?
Worin besteht aus Sicht der Bundesregierung der vom URENCO-Sprecher in der Eingangsbemerkung zitierte „Nachweis“, dass „abgereichertes Uran ein Wertstoff ist“?
Wie viel radioaktives Material bzw. wie viele Kernbrennstoffe jeweils in welcher Form lagert bzw. lagern nach Kenntnis der Bundesregierung aus welchen Gründen bei DAHER-Nuclear Cargo & Service GmbH in Hanau?
Aus welchen Gründen und zu welchen Zwecken ist nach Kenntnis der Bundesregierung abgereichertes Uranoxid aus Gronau beim Forschungszentrum Jülich gelagert, und wie groß ist diese Menge aktuell (bitte detailliert darstellen, was in Jülich mit dem Uranoxid passiert)?
Ist der Bundesregierung bekannt, wann die in Capenhurst in Bau befindliche Konversionsanlage zur Umwandlung von abgereichertem UF6 zu U3O8 fertiggestellt sein wird und in Betrieb geht, und wenn ja, wann soll die Inbetriebnahme nach gegenwärtigem Kenntnisstand erfolgen?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Gründe bezüglich der inzwischen offenbar mehrfach verschobenen Inbetriebnahme der neuen Zwischenlagerhalle am Standort Gronau, und wann rechnet die Bundesregierung damit, dass erste Einlagerungen von abgereichertem Uran dort stattfinden werden?