Möglichkeiten der Grünen Gentechnik zur Verbesserung der Welternährung
der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Gudrun Kopp, Marita Sehn, Daniel Bahr (Münster), Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Helga Daub, Jörg van Essen, Ulrike Flach, Otto Fricke, Horst Friedrich (Bayreuth), Dr. Karlheinz Guttmacher, Klaus Haupt, Ulrich Heinrich, Birgit Homburger, Dr. Werner Hoyer, Jürgen Koppelin, Sibylle Laurischk, Harald Leibrecht, Markus Löning, Dirk Niebel, Günther Friedrich Nolting, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Eberhard Otto (Godern), Detlef Parr, Cornelia Pieper, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Rainer Stinner, Carl-Ludwig Thiele, Dr. Dieter Thomae, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die international tätige Agrobiotechnologie-Agentur ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications) weist in ihrem Anbaubericht 2002 darauf hin, dass etwa sechs Millionen Landwirte in 16 verschiedenen Ländern im Jahr 2002 gentechnisch veränderte Organismen (GVO) angebaut haben. Etwa 3/4 davon seien Kleinbauern, die in Entwicklungs- und Schwellenländern leben. Im Jahr 2002 sei die Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit gegenüber dem Vorjahr um 12 % auf 58,7 Mio. Hektar angewachsen. Die vier Hauptanbauländer transgener Pflanzen seien die USA, Argentinien, Kanada und China. Entwicklungs- und Schwellenländer hätten 2002 ihren Anteil auf 27 % der GVO-Gesamtanbaufläche ausgebaut.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Worauf führt die Bundesregierung die weltweit zunehmende Anbaufläche von gentechnisch veränderten Pflanzen zurück?
Was sind die möglichen Vorteile für Kleinbauern in Entwicklungs- und Schwellenländern, sich für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu entscheiden?
Welche Vorteile hat der Anbau von transgenen Pflanzen für Verbraucher, Landwirte und Umwelt?
Wie bewertet die Bundesregierung den Umstand, dass allein in China im Jahr 2001 durch den Anbau transgener Pflanzen etwa 78 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel eingespart werden konnten (biotech-Brief 01/2003)?
Ist eine Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln durch den Anbau von transgenen Pflanzen aus Sicht der Bundesregierung umweltpolitisch zu begrüßen?
Wie bewertet die Bundesregierung eine Initiative der indischen Regierung, die mit Hilfe transgener Kartoffeln Unterernährung und Mangelerscheinungen bei Kindern mit eiweißreichen Kartoffeln zu bekämpfen versucht?
Wie bewertet die Bundesregierung in diesem Zusammenhang die Arbeit einer Wissenschaftlergruppe, der es bereits gelungen ist, ein Gen aus der in Südamerika heimischen Amaranth-Pflanze in Kartoffelpflanzen zu übertragen und so den Proteingehalt in den transgenen Kartoffeln um 1/3 zu erhöhen sowie den Anteil der lebenswichtigen Aminosäuren Lysin und Methionin deutlich zu steigern?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass der Anbau von Bananen in Asien, Mittelamerika und Afrika durch zwei Pilzkrankheiten und damit die Nahrungsgrundlage der dort lebenden Bevölkerung gefährdet ist?
Sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund dieses Beispiels positive Einsatzmöglichkeiten für die Grüne Gentechnik, und wenn nein, weshalb nicht?
Welche Alternativmethoden werden heute in der Forschung eingesetzt, die einen Verzicht der Übertragung von Resistenzgenen aus Wildbananen mit biotechnologischen Methoden ermöglichen, um die Züchtung neuer Bananensorten mit Pilzresistenzen voranzutreiben?
Wie bewertet die Bundesregierung die Initiative der philippinischen Regierung, durch den Anbau von insektenresistentem Bt-Mais die eigene Landwirtschaft zu stärken und damit unabhängiger von Maisimporten zu werden?
Welche positiven Effekte sieht die Bundesregierung in den in Feldversuchen erwirtschafteten höheren Maiserträgen und der Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes bei diesem Projekt der philippinischen Regierung?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass die in Indien durchgeführten Anbauversuche mit insektenresistenter Baumwolle zu einer deutlichen Ertragssteigerung und einem drastisch verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geführt haben und dies trotz der höheren Saatgutkosten zu einem höheren Gewinn für Landwirte geführt hat (genopoly: Das Wagnis grüne Gentechnik, S. 107)?
Kann nach Auffassung der Bundesregierung der so genannte Golden Rice über einen erhöhten Vitamin-A-Gehalt einen Beitrag zur Linderung einer Mangelerkrankung bei Kindern leisten?