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Kleine AnfrageWahlperiode 15Beantwortet
Perspektiven für Europol (G-SIG: 15010664)
Zugriff von Europol auf das Schengen-Informationssystem II, Stellung der deutschen Europol-Bediensteten, Zusammensetzung des Verwaltungsrats von Europol, Verfassungsentwurf zu Europol, parlamentarische Kontrolle, Zusammenarbeit zwischen Europol und der Task Force der Polizeichefs
Fraktion
CDU/CSU
Ressort
Bundesministerium des Innern
Datum
23.12.2003
Aktualisiert
26.07.2022
BT15/215309.12.2003
Perspektiven für Europol
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 15/2153
15. Wahlperiode 09. 12. 2003
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ralf Göbel, Hartmut Koschyk. Peter Hintze, Wolfgang Bosbach,
Thomas Strobl (Heilbronn), Wolfgang Zeitlmann, Günter Baumann, Clemens
Binninger, Hartmut Büttner (Schönebeck), Norbert Geis, Roland Gewalt, Reinhard
Grindel, Volker Kauder, Kristina Köhler (Wiesbaden), Dorothee Mantel, Erwin
Marschewski (Recklinghausen), Stephan Mayer (Altötting), Beatrix Philipp,
Dr. Ole Schröder, Peter Altmaier, Veronika Bellmann, Olav Gutting, Kurt-Dieter
Grill, Gunther Krichbaum, Patricia Lips, Dr. Gerd Müller, Dr. Georg Nüßlein,
Albert Rupprecht (Weiden), Anita Schäfer (Saalstadt), Thomas Silberhorn,
Michael Stübgen, Matthias Wissmann und der Fraktion der CDU/CSU
Perspektiven für Europol
Seit seiner Gründung im Jahre 1998 hat sich das Europäische Polizeiamt
(Europol) zu einer wichtigen Behörde für die polizeiliche Zusammenarbeit der EU-
Mitgliedstaaten entwickelt. Diese Zusammenarbeit ist Voraussetzung, um die
internationale organisierte Kriminalität wirksam bekämpfen zu können und die
Europäische Union als einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts
zu verwirklichen.
Aufgrund der EU-Osterweiterung und der EU-Verfassung tritt der
Integrationsprozess in eine neue Phase ein. Dies hat auch auf Europol Auswirkungen.
Die internationale organisierte Kriminalität wird sich durch die Osterweiterung
qualitativ und quantitativ verändern. Die polizeiliche Zusammenarbeit
innerhalb der EU muss zehn weitere Mitgliedstaaten einbeziehen.
Deutschland, in der geographischen Mitte einer erweiterten EU gelegen, wird
weiterhin von grenzüberschreitenden und anderen Formen von organisierter
Kriminalität besonders betroffen sein. Vor diesem Hintergrund ist sowohl die
Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt (BKA) und Europol, als
auch die Mitarbeit deutscher Polizeibeamter in dieser europäischen Behörde für
die innere Sicherheit in unserem Land von großer Bedeutung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In wie vielen Ermittlungsverfahren haben deutsche
Strafverfolgungsbehörden in den Jahren von 1999 bis 2002 Europol in Anspruch genommen?
2. Wie viele Ermittlungsverfahren, die von deutschen
Strafverfolgungsbehörden durchgeführt wurden, konnten in den Jahren von 1999 bis 2002 jeweils
nur mit Hilfe von Europol bearbeitet bzw. erfolgreich abgeschlossen
werden?
3. Wo sieht die Bundesregierung Möglichkeiten, um die Zusammenarbeit
zwischen deutschen Behörden und Europol zu verbessern?
4. Unterstützt die Bundesregierung den Vorschlag, Europol Zugriff auf das
Schengen-Informationssystem II zu gewähren, und wenn ja, bis zu welchem
Zeitpunkt soll die Zugriffsmöglichkeit realisiert werden?
5. Wie hoch ist der Anteil deutscher Bediensteter an der Gesamtzahl der
Bediensteten von Europol und auf welchen Hierarchieebenen werden diese
eingesetzt?
6. Wie viele Beamte und gegebenenfalls Angestellte sind derzeit vom Bund
zu Europol abgeordnet?
7. Welche Bundesländer haben zurzeit wie viele Beamte zu Europol
abgeordnet?
8. Wie hat sich die Anzahl der deutschen Europol-Bediensteten seit Bestehen
von Europol entwickelt?
9. Wie viele Hierarchieebenen gibt es zurzeit bei Europol und wie viele der
Führungspositionen in den einzelnen Hierarchieebenen sind von deutschen
Europol-Bediensteten besetzt?
10. Wie hat sich die Anzahl der deutschen Europol-Bediensteten in
Führungspositionen seit Bestehen von Europol entwickelt?
11. In welcher Weise wirkt sich die Verwendung bei Europol bei einer
Rückkehr in eine deutsche Dienststelle auf die weitere Laufbahn von zu
Europol abgeordneten bzw. zu Europol entsendeten (Verbindungsbeamte)
Bundesbeamten aus?
12. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um eine
Verwendung bei Europol für deutsche Beamte attraktiv zu machen?
13. Wie beurteilt die Bundesregierung den Vorschlag des Europäischen
Parlaments, in den Verwaltungsrat von Europol auch Vertreter des Europäischen
Parlaments und der EU-Kommission zu entsenden?
14. Ist es zutreffend, dass die Aufgaben der Mitglieder des Verwaltungsrates
zunehmend von der Referentenebene wahrgenommen werden, und wenn
ja, wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung mit Blick auf die
politische Kontrolle von Europol?
15. Wer ist von deutscher Seite in den Verwaltungsrat von Europol entsandt
und wer entscheidet über die Entsendung der deutschen Vertreter?
16. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass die Finanzkontrolle von
Europol zu komplex und ineffizient ist, und strebt die Bundesregierung
Veränderungen in diesem Bereich an?
17. Strebt die Bundesregierung im Zuge der Regierungskonferenz zum
EU-Verfassungsentwurf an, die Bestimmungen des Verfassungsentwurfs
zu Europol zu überarbeiten, und wenn ja, welche Veränderungen hält die
Bundesregierung für erforderlich?
18. Wie beurteilt die Bundesregierung die Regelung des Verfassungsentwurfs,
nach der die Mitwirkung von Europol an operativen Maßnahmen nicht
durch einstimmiges Votum im Rat, sondern im Wege eines einfachen
Gesetzgebungsverfahrens mit qualifizierter Mehrheit ermöglicht werden kann
(Artikel III-177 Abs. 2)?
19. Wird sich durch eine europäische Verfassung die Finanzierungsgrundlage
von Europol verändern, und wenn ja, in welcher Weise?
20. Unterstützt die Bundesregierung das Ziel des Verfassungsentwurfs, die
parlamentarische Kontrolle von Europol durch das Europäische Parlament und
die Parlamente der Mitgliedstaaten zu stärken (Artikel III-177 Abs. 2), und
wenn ja, welche Kontrollinstrumente erachtet die Bundesregierung als
sinnvoll?
21. Wie bewertet die Bundesregierung die bisherige Zusammenarbeit zwischen
Europol und der Task-Force der Polizeichefs?
Berlin, den 9. Dezember 2003
Wolfgang Bosbach
Hartmut Koschyk
Thomas Strobl (Heilbronn)
Wolfgang Zeitlmann
Günter Baumann
Clemens Binninger
Hartmut Büttner (Schönebeck)
Norbert Geis
Roland Gewalt
Reinhard Grindel
Volker Kauder
Kristina Köhler (Wiesbaden)
Dorothee Mantel
Erwin Marschewski (Recklinghausen)
Stephan Mayer (Altötting)
Beatrix Philipp
Dr. Ole Schröder
Peter Altmaier
Veronika Bellmann
Kurt-Dieter Grill
Olav Gutting
Gunther Krichbaum
Patricia Lips
Dr. Gerd Müller
Dr. Georg Nüßlein
Albert Rupprecht (Weiden)
Anita Schäfer (Saalstadt)
Thomas Silberhorn
Michael Stübgen
Matthias Wissmann
Dr. Angela Merkel, Michael Glos und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Telefax (02 21) 97 66 83 44
ISSN 0722-8333]
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