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Kleine AnfrageWahlperiode 15Beantwortet

Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Bekämpfung von Tsetsefliegen (G-SIG: 15010549)

Projekte zur Bekämpfung der Schlafkrankheit bzw. der Nagana-Viehseuche in Afrika, insbesondere Sterile Insect Technique (SIT)

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Datum

05.11.2003

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 15/175814. 10. 2003

Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Bekämpfung von Tsetsefliegen

der Abgeordneten Hartwig Fischer (Göttingen), Dr. Christian Ruck, Dr. Ralf Brauksiepe, Siegfried Helias, Volker Kauder, Rudolf Kraus, Conny Mayer (Baiersbronn), Sibylle Pfeiffer, Christa Reichard (Dresden), Peter Weiß (Emmendingen), Rainer Eppelmann, Norbert Geis, Dr. Egon Jüttner, Jürgen Klimke und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Die durch Tsetsefliegen in Afrika übertragenen Trypanosomen (Blutparasiten) können Mensch und Tier infizieren und führen beim Menschen zur Schlafkrankheit und bei den Nutztieren zur so genannten „Nagana-Viehseuche“. Weite Regionen Afrikas südlich des Sahel sind mit Tsetsefliegen belastet, ca. neun Millionen Quadratkilometer, eine Fläche, fast so groß wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Galt die Schlafkrankheit in den 60er Jahren als so gut wie besiegt, so sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO heute wieder 300 000 bis 500 000 Menschen mit Trypanosomen infiziert. Es handelt sich um eine Infektion, die unbehandelt zum Tode führt.

Der Parasit vermehrt sich im Blut und Lymphknoten der Infizierten, überwindet die Blut-Hirn-Schranke, dringt ins zentrale Nervensystem und verursacht schwerste, oft irreversible Störungen.

Die von Tsetsefliegen auf die afrikanischen Nutztiere (Rinder, Schafe, Ziegen, u. a.) übertragenen Trypanosomen schränken die landwirtschaftliche Nutzung der tropischen und subtropischen Gebiete Afrikas stark ein oder machen sie sogar unmöglich. Der ökonomische Schaden durch Verluste an Vieh und Ackerland wird jährlich auf vier Mrd. US-Dollar geschätzt.

Da der Parasit sehr wandelbar ist, sind sämtliche Versuche, Impfungen zu entwickeln, gescheitert. Hoffnung setzen viele afrikanische Regierungen auf ein Projekt der Wiener Atomenergiebehörde IAEA, der WHO und der UN-Ernährungsorganisation FAO. Dabei werden die Tsetsefliegen einem kurzen Puls von Gammastrahlung aus einer Kobalt-60-Quelle ausgesetzt und dadurch sterilisiert („Sterile Insect Technique“). Anschließend werden die sterilisierten Männchen in die freie Wildbahn gebracht und konkurrieren mit den fruchtbaren Männchen um die Weibchen. So kann die Population nach und nach eingedämmt werden.

Dieses Projekt hat bereits erste Erfolge aufzuweisen: auf der ostafrikanischen Insel Sansibar sind die Tsetsefliegen seit 1997 verschwunden. Seit der Ausrottung der Tsetsefliegen hat sich die Milchproduktion verdreifacht und die lokale Rindfleischproduktion verdoppelt. Befürchtungen, die Ausrottung der Tsetsefliege würde sich ungünstig auf die Umwelt der Insel und ihre Biodiversität auswirken, waren unbegründet.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen6

1

Hat die Bundesregierung Kenntnis von der so genannten Sterile Insect Technique (SIT), einem gemeinsamem Projekt der IAEA/FAO und WHO?

2

Welche Bedeutung hat die SIT im Verhältnis zu anderen Tsetsefliegen-Bekämpfungsmaßnahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit?

3

Beteiligt sich die Bundesregierung finanziell an diesem Projekt?

Wie hoch ist der Anteil der deutschen Mittel der Entwicklungszusammenarbeit, die für dieses Projekt ausgegeben werden?

4

Liegen der Bundesregierung Kenntnisse über andere Projekte vor, die die Bekämpfung der Schlafkrankheit bzw. der Nagana-Viehseuche in Afrika zum Ziel haben?

Wenn ja, welche Projekte sind dies, welche Auswirkungen und Erfolge haben sie bislang erzielt?

5

Beteiligt sich die Bundesregierung finanziell an weiteren Projekten der Zusammenarbeit, die die Bekämpfung von Trypanosomen (Schlafkrankheit oder Nagana-Viehseuche) zum Ziel haben?

Welche Partnerinstitutionen/Universitäten in Deutschland beteiligen sich an diesen Projekten?

6

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, ob es auch von Seiten der afrikanischen Länder eigene Projekte gibt?

Falls ja, welche und in welchen Ländern?

Wer ist der jeweilige Projektpartner/Projektträger in den Entwicklungsländern?

Berlin, den 14. Oktober 2003

Hartwig Fischer (Göttingen) Dr. Christian Ruck Dr. Ralf Brauksiepe Siegfried Helias Volker Kauder Rudolf Kraus Conny Mayer (Baiersbronn) Sibylle Pfeiffer Christa Reichard (Dresden) Peter Weiß (Emmendingen) Rainer Eppelmann Norbert Geis Dr. Egon Jüttner Jürgen Klimke Angela Merkel, Michael Glos und Fraktion

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