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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Ausleihe der Büste der Nofretete nach Ägypten

Nennung der konkreten Expertise über Transportunfähigkeit der Nofretete-Büste nach Ägypten, mögliche Überprüfung der Transportfähigkeit durch ein deutsch-ägyptisches Expertenteam, historisch begründeter Anspruch auf temporäre Ausleihe nach Ägypten

Fraktion

DIE LINKE

Datum

12.10.2007

Antwortdauer

21 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/650221. 09. 2007

Ausleihe der Büste der Nofretete nach Ägypten

der Abgeordneten Heike Hänsel, Sevim Dağdelen, Dr. Lukrezia Jochimsen, Monika Knoche, Dr. Diether Dehm, Dr. Norman Paech und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Im April 2007 hatte die Kampagne „Nofretete geht auf Reisen“ den Kulturstaatsminister Bernd Neumann in einem Brief aufgefordert, dem mehrfach von ägyptischer Seite geäußerten Wunsch zu entsprechen und die Büste der Nofretete für eine temporäre Ausstellung nach Ägypten auszuleihen. Der Kulturstaatsminister lehnte eine Ausleihe mit der Begründung ab, Fachleute hätten „ernstzunehmende konservatorische und restauratorische Bedenken gegen einen längeren Transport“ geäußert (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Pressemitteilung Nr. 127).

Unterdessen nährten Äußerungen des Direktors des Ägyptischen Museums, Prof. Dr. Dietrich Wildung, Zweifel daran, dass tatsächlich die von Kulturstaatsminister Bernd Neumann in o. g. Zusammenhang vorgetragenen Bedenken ausschlaggebend waren, um eine Ausleihe abzulehnen. Gegenüber der ARD erläuterte er, dass die temporäre Ausleihe der Nofretete-Büste dazu angetan sei, in Ägypten, „die Emotionen der Massen zu wecken. Dass sie Reaktionen auslösen könnte, die sich schwer kontrollieren lassen.“ (in: Titel, Thesen, Temperamente vom 6. Mai 2007). Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte den Direktor mit der Einschätzung, die Büste könne im Ägyptischen Museum in Kairo eine „nicht annähernd so gute Figur machen, wie das hier bei uns der Fall ist“ (SZ, 16. April 2007).

Um Zweifel auszuräumen, forderte der ägyptische Botschafter in Berlin, S. E. Mohamed Al-Orabi, in einem Interview in der „Hauptstadtdepesche“ im Juli eine erneute Prüfung der Transportfähigkeit der Nofretete-Büste durch eine ägyptisch-deutsche Expertenkommission: „Wenn es um die Frage der Transportfähigkeit der Büste geht, könnte man doch eine ägyptisch-deutsche Kommission bilden. Es gibt sowohl hier als auch in Ägypten sehr gute Wissenschaftler. Sie könnten sich zusammensetzen und gemeinsam beraten.“ (Hauptstadtdepesche, Nr. 08, Juli 2007).

Unter Hinweis auf die Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze“, die 2006 im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt worden war, erläuterte der ägyptische Botschafter: „Erzählen Sie mir nicht, dass [die Nofretete-Büste] zu zerbrechlich sei. […] Ich glaube, das ist nur ein Vorwand, hinter dem sich die deutsche Regierung versteckt, um sie nicht an Ägypten schicken zu müssen. Erinnern Sie sich an die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau im letzten Jahr? Die Ausstellungsstücke wurden von riesigen Flugzeugen transportiert und lagen vorher 4 000 Jahre im Wasser. Aber wir haben sie sicher hierher und auch nach Paris und Bonn gebracht. Das bedeutet, dass durch die modernen Technologien alles so transportiert werden kann, als wäre es kostbares Kristall. Wir transportieren alles von Ort zu Ort – ich glaube nicht, dass das der Grund ist, und dass manche sagen, die Ägypter würden sie nicht wieder hergeben, ist nicht akzeptabel.“ (Hauptstadtdepesche, Nr. 08, Juli 2007).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen10

1

Auf welche konkrete Expertise beruft sich der Kulturstaatsminister Bernd Neumann, wenn er argumentiert, Fachleute hätten „ernstzunehmende konservatorische und restauratorische Bedenken gegen einen längeren Transport“ geäußert?

2

Wie präzisiert die Bundesregierung die angeführten konservatorischen und restauratorischen Bedenken?

3

Wie bewertet die Bundesregierung in diesem Zusammenhang die Zusicherung des Direktors der Ägyptischen Antikenverwaltung in Kairo, Zahi Hawass, die ägyptische Regierung werde „alle Garantien abgeben: sowohl für die Rückkehr der Büste als auch für ihre Sicherheit.“ (Titel, Thesen, Temperamente, 6. Mai 2007)?

4

Wie bewertet die Bundesregierung die Einschätzung des ägyptischen Botschafters bezüglich der technischen Möglichkeiten, die einen sicheren Transport der Nofretete-Büste nach Ägypten ermöglichen könnten, und den vergleichenden Verweis auf den Transport der „versunkenen Schätze“?

5

Wird die Bundesregierung dem Wunsch der ägyptischen Regierung folgen und die Transportfähigkeit der Nofretete-Büste erneut von einer Expertenkommission unter Beteiligung von Experten aus Ägypten prüfen lassen?

6

Wenn ja, wann ist eine solche Prüfung geplant? Welche konkreten Vorbereitungen gibt es dazu?

7

Wenn nein, warum lehnt die Bundesregierung eine solche Prüfung ab?

8

Teilt die Bundesregierung die Einschätzung des Direktors des Ägyptischen Museums Prof. Dr. Dietrich Wildung, der Besuch der Nofretete-Büste könnte in der ägyptischen Bevölkerung Reaktionen auslösen, die sich nur schwer kontrollieren ließen (bitte mit Begründung)?

9

Hielte die Bundesregierung gegebenenfalls dies für einen zureichenden Grund, die Ausleihe der Büste an Ägypten abzulehnen?

10

Ist die Bundesregierung der Meinung, dass die ägyptische Bevölkerung, unabhängig aller technischen Erwägungen und restauratorischen und konservatorischen Bedenken, einen historisch begründeten Anspruch auf eine leihweise temporäre Überlassung der Nofretete-Büste hat (mit Begründung), und was gedenkt die Bundesregierung gegebenenfalls zur Realisierung eines solchen Anspruchs zu unternehmen?

Berlin, den 19. September 2007

Dr. Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Fraktion

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