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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Trinationale Neiße-Universität ermöglichen (G-SIG: 14011326)

Kooperation der Hochschulen von Liberec/Tschechien, Wroclaw/Breslau (Polen) und Zittau/Görlitz (Deutschland) im Dreiländereck "Euro-Region Neiße", Abbau von Hürden im Ausländerrecht und bei den Zugangsvoraussetzungen

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

31.08.2000

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher Bundestag14/398511. 08. 2000

Trinationale Neiße-Universität ermöglichen

der Abgeordneten Dr. Ilja Seifert, Maritta Böttcher und der Fraktion der PDS

Vorbemerkung

Seit Jahren entsteht im Dreiländereck Deutschland/Polen/Tschechien die „Euro-Region Neiße“. In der Region gibt es praktisch keine Großbetriebe. Die Wirtschaft ist von klein- und mittelständischen Unternehmen geprägt. Umso bedeutsamer ist die Kooperation der drei in der Region bestehenden Hochschulen: der Technischen Universität Liberec (Tschechien), der Technischen Universität Wroclaw (Polen) und der Fachhochschule Zittau/Görlitz (Deutschland).

Bei dieser Kooperation liegen inzwischen gute Erfahrungen vor. Nunmehr soll – und kann – sie auf einer höheren Stufe fortgesetzt werden: in Form einer virtuell-realen „Neiße-Universität“. Sie ist virtuell, weil sie keine eigenen, zusätzlichen materiellen Grundlagen für die Ausbildung der Studentinnen und Studenten benötigt. Sie funktioniert real, weil sie real existierende Fachbereiche mit den entsprechenden technischen Ausstattungen und dem konkreten Lehrkörper zur Grundlage hat. Auf wissenschaftlichem Gebiet wird diese real-virtuelle Hochschule die fachlichen Potenzen aller drei Hochschulen akkumulieren.

Ab Wintersemester 2001 soll ein erster Studiengang „Informations- und Kommunikationsmanagement“ beginnen. Er ist als 6-semestriger Bachelor-Studiengang konzipiert. Hinzu kommt ein sprachliches Vorbereitungssemester. Anschließend besteht die Option, in weiteren vier Semestern zum Masterabschluss zu führen. Die Abschlüsse sollen in allen drei Ländern anerkannt werden.

Dem Gleichheitsgrundsatz entsprechend, werden die Studenten jährlich den Studienort wechseln. So lernen sie die Nachbarländer kennen (Fremdheitserfahrung) und machen Erfahrungen mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Traditionen und Denkmodellen (Fremdkultur). Aus Synergiegründen liegt nahe, den gesamten Studiengang in einer Sprache durchzuführen. Fachlich empfiehlt sich die englische Sprache. Das erleichtert zukünftig auch den Einsatz ausländischer Gastdozenten. Um in Deutschland studieren zu können, werden von ausländischen Studentinnen und Studenten aber gute Deutschkenntnisse gefordert. Zwar bieten alle drei beteiligten Hochschulen auch Kurse in der jeweiligen Landessprache an, jedoch wäre die Pflicht, schon vor Studienbeginn – neben Englisch – gute Deutschkenntnisse zu haben, eine zu große Hürde. Ähnlich verhält es sich damit, dass Nicht-EU-Ausländer und - Ausländerinnen, die hier studieren wollen, nicht arbeiten dürfen. Stattdessen müssen sie nachweisen, über finanzielle Bar-Mittel zu verfügen, mit denen sie alle Ausgaben bestreiten können. Auch solche Regelungen stehen dem grenzübergrei- fenden Anliegen der Neiße-Universität, die ja u. a. die Nachbarstaaten auf ihren EU-Beitritt vorbereiten hilft, entgegen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen3

1

Wie bewertet die Bundesregierung das Vorhaben der drei Hochschulen, eine virtuell-reale trinationale Neiße-Universität einzurichten?

2

Welche Schritte plant die Bundesregierung, noch bestehende Hürden – insbesondere im Ausländerrecht und bei den Zugangsvoraussetzungen ausländischer Studentinnen und Studenten – abzubauen

– in Bezug auf die Forderung, Deutschkenntnisse zu haben,

– in Bezug auf die Forderung, das Studium ohne Arbeit in Deutschland finanzieren zu können,

– in sonstigen Fragen?

3

Welche Schritte plant die Bundesregierung, um dieser neuen Neiße-Universität gleiche Bedingungen einzuräumen wie der im Mai 2000 gegründeten deutsch-französischen Hochschule?

Berlin, den 28. Juli 2000

Dr. Ilja Seifert Maritta Böttcher Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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