Umfang des Crackkonsums und Konsequenzen für Hilfsangebote und Prävention
der Abgeordneten Hubert Hüppe, Wolfgang Lohmann (Lüdenscheid), Dr. Wolf Bauer, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Dr. Hans Georg Faust, Ulf Fink, Dr. Harald Kahl, Eva-Maria Kors, Hans-Peter Repnik, Annette Widmann-Mauz, Aribert Wolf, Wolfgang Zöller und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
In jüngerer Zeit weisen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Drogenhilfebereich und andere Fachleute auf die erheblich zunehmende Problematik des Crackkonsums hin. Von einer Zunahme wird dabei besonders in städtischen Bereichen (Hamburg, Frankfurt) berichtet.
Crack hat als Kokainderivat eine sehr kurze Wirkungszeit, besitzt ein hohes Suchtpotential und trägt spezifische gesundheitliche Risiken für die Gebraucher in sich. Folgeschäden des Crackkonsums können beispielsweise die Schädigung von Gehirn, Lunge und anderen Organen und eine nachhaltige Änderung der Persönlichkeit sein.
Unkontrollierte Aggressionsausbrüche und extreme Unruhe der Crackkonsumenten sind mit einer erschwerten Ansprechbarkeit in den traditionellen Drogenberatungs- und Hilfestellen verbunden. Dies ist mit größter Besorgnis zu beobachten und wirft Fragen, insbesondere zu Umfang des Crackkonsums, Prävention und neuen Hilfsangeboten auf.
Deshalb fragen wir die Bundesregierung:
Fragen18
Wie viele aktuelle Konsumenten von Crack gibt es in der Bundesrepublik Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung?
Inwiefern unterscheidet die Bundesregierung zwischen einzelnen Gruppierungen unter den Crackkonsumenten und anhand welcher Kriterien begründet sie dies?
Wie stellen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Crackkonsumenten aufgeschlüsselt nach Alter, gesundheitlichem Zustand und sozialer Verelendung dar?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung hinsichtlich der örtlichen Verbreitung von Crack, insbesondere der regionalen Konzentration von Crackkonsumenten vor und auf welche Erhebungen und wissenschaftliche Studien stützt sie ihre Erkenntnisse?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Verlauf von Drogenkarrieren, insbesondere hinsichtlich der Konsummuster der Crackkonsumenten vor, und wie bewertet sie diese?
Welche Angaben aus den Bundesländern und den Städten hinsichtlich der Crackkonsumentenanzahl sind der Bundesregierung jeweils bekannt?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bundesweit eine von Kokainfällen separate Erfassung der Crackproblematik und von Crackfällen? Wenn ja, seit wann, durch welche Stellen und mit welchen konkreten Ergebnissen, und wie viele Fälle von Verurteilungen wegen Crackkonsums bzw. -Handels sind bekannt?
Auf welcher Grundlage und hinsichtlich welcher Merkmale werden die Crackkonsumenten nach Kenntnis der Bundesregierung bundesweit erfasst? Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung möglich, bei einer solchen Erfassung Crack unter das Ausgangsprodukt Kokain zu subsumieren und wenn ja, warum?
Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung möglich, dass die Bundesländer auf der Grundlage des 10. Betäubungsmitteländerungsgesetzes das Rauchen von Crack in Drogenkonsumräumen rechtlich absichern können und wenn ja, welche Bundesländer haben dies bereits getan?
Muss nach Auffassung der Bundesregierung zwischen Kokain- und Crackkonsum bezüglich gesundheitlicher Folgeschäden, Therapierbarkeit, Therapieweisen und sozialer Integrierbarkeit unterschieden werden und wenn ja, in welcher Hinsicht?
Gibt es von der Bundesregierung spezifische aufklärende und präventive Maßnahmen und Aktivitäten bezüglich Crack? Wenn ja, welche konkret, seit wann, durch wen und hält die Bundesregierung diese quantitativ und qualitativ für angemessen und ausreichend?
Welche psychischen und physischen Folgeschäden des Crackkonsums sind der Bundesregierung bekannt und auf welche Grundlagen bezieht sich die Bundesregierung?
Liegen der Bundesregierung Studien zu psychischen und physischen Gesundheitsstörungen infolge des Crackkonsums vor? Wenn ja, welche?
Wurden von dem Bundesministerium für Gesundheit oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Studien zu schädigenden Wirkungen von Crack sowie therapeutischen Hilfsmöglichkeiten in Auftrag gegeben oder unterstützt, und zu welchen Ergebnissen gelangten diese Studien bzw. wann sind solche Ergebnisse zu erwarten?
Hält die Bundesregierung die weitere wissenschaftliche Abklärung der Gesundheitsgefährdung durch Crack sowie therapeutischer Interventionsmöglichkeiten für geboten, und welche Anstrengungen zur Förderung solcher Forschungstätigkeit hat die Bundesregierung unternommen?
Wie bewertet die Bundesregierung das Suchtpotential von Crack im Vergleich zu Kokain und Heroin und auf welche Studien stützt sie ihre Behauptungen?
Teilt die Bundesregierung die Besorgnis vieler Drogenhilfseinrichtungen, dass traditionelle Hilfsangebote bei den häufig extrem hektischen Crackpatienten nicht greifen, und welche Möglichkeiten für neue Therapieangebote sieht sie?
Beteiligt sich die Bundesregierung bereits an Projekten, die speziell auf Crackkonsumenten zugeschnitten sind? Welche Projekte dieser Art erfahren in welcher Höhe Förderung aus Bundesmitteln?