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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet
Rehabilitierung von Kindersoldaten in Mosambik (G-SIG: 13013389)
Zahl der im Bürgerkrieg eingesetzten Kindersoldaten, Heraufsetzung des Rekrutierungsalters von 15 auf 18 Jahre durch ein Zusatzprotokoll zur VN-Kinderrechtskonvention, Programme und Projekte zur Rehabilitierung von Kindersoldaten, Eindämmung des weltweiten Handels mit Kleinwaffen
Fraktion
PDS
Ressort
Auswärtiges Amt
Datum
10.09.1998
Aktualisiert
26.07.2022
BT13/1136419.08.1998
Rehabilitierung von Kindersoldaten in Mosambik
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
13. Wahlperiode
Drucksache 13/11364
19. 08. 98
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Dr. Willibald Jacob und der Gruppe der PDS
Rehabilitierung von Kindersoldaten in Mosambik
Fast 17 Jahre lang herrschte in Mosambik ein blutiger
Bürgerkrieg, der das südostafrikanische Land fast völlig zerstört hat. Zu
den Opfern des vom südafrikanischen Apartheidregime
geschürten Krieges gehören besonders die Kinder: 300 000 Kinder wurden
Kriegswaise, unzählige Kinder wuchsen auf der Flucht, getrennt
von Familienangehörigen, in Gefangenschaft oder Lagern und
inmitten der Kampfhandlungen auf.
Befragungen von Kindern in Flüchtlingslagern haben ergeben,
daß fast 90 Prozent von ihnen Mißhandlungen miterlebt haben,
zwei Drittel waren entführt worden, mehr als die Hälfte wurde
gefoltert, viele Mädchen wurden vergewaltigt, schätzungsweise
10 000 Kinder von den Rebellenmilizen waren entführt und aus
den Dörfern in die Militärlager verschleppt worden. Dort wurden
sie unter Anwendung von Gewalt und Drogen als Arbeitskräfte
und Kindersoldaten mißbraucht. So wurden zehn- bis zwölfjährige
Jungen nicht nur Opfer, sondern oft auch zu Tätern, die raubten,
mordeten und brandschatzten.
Über die Anzahl dieser sog. Kindersoldaten gibt es keine
offiziellen Angaben; sie und alle anderen durch die Kriegserlebnisse
traumatisierten Kinder sind nirgends registriert. Nach dem
Friedensabkommen zwischen der ehemals sozialistischen Regierung
und den antikommunistischen Rebellen (RENAMO) von 1992 und
den ersten demokratischen Wahlen 1994 hat eine friedvolle
Entwicklung in Mosambik eingesetzt.
Neben der Reorganisation von Wirtschafts-, Politik- und
Verwaltungsstrukturen werden erhebliche Anstrengungen
unternommen, die Landwirtschaft und das Gesundheitswesen
wiederaufzubauen. Ebenso wurde auch mit der Neurekrutierung der
mosambikanischen Armee begonnen.
Die mosambikanische Regierung hat am 8. Juli 1998
bekanntgegeben, daß sie in der Zeit zwischen dem 1. August und dem
30. September mit der Einberufung von Jugendlichen in die
Armee beginnen wird. Nach dem zugrundeliegenden, im
vergangenen Jahr vom Parlament verabschiedeten Gesetz könnten
damit 200 000 Jugendliche, darunter zahlreiche, die als
Kindersoldaten oder Kindermilizen im Bürgerkrieg gedient haben,
wieder zum Militärdienst herangezogen werden.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung davon Kenntnis, daß eine große
Anzahl von Kindern im mosambikanischen Bürgerkrieg zu
Kindersoldaten wurden und durch den Krieg massenhaft
traumatisiert wurden?
Wenn ja, hat die Bundesregierung Kenntnis über die
zahlenmäßige Größenordnung?
2. Wenn nein, hat die Bundesregierung analytische Erkenntnis
über Verlauf und Folgen des mosambikanischen
Bürgerkrieges?
Woher bezieht sie ihre dafür erforderlichen Informationen?
3. Arbeitet die Bundesregierung mit
Nichtregierungsorganisationen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit
zusammen, die in Mosambik tätig sind?
Wenn ja, mit welchen (bitte namentlich auflisten)?
4. Unterstützt die Bundesregierung
Nichtregierungsorganisationen bzw. kirchliche Projekte, die sich zur Aufgabe stellen,
kriegstraumatisierte Kinder in Mosambik zu betreuen und sog.
Kindersoldaten zu rehabi litieren und zu reintegrieren?
Wenn ja, welche Organisationen, in welchem finanziellen
Umfang und im Rahmen welcher Projekte?
5. War das Thema Kindersoldaten bzw. kriegstraumatisierte
Kinder Teil von offiziellen Gesprächen zwischen deutschen
und mosambikanischen Regierungsvertretern nach Abschluß
der Friedensverhandlungen?
a) Wenn ja, wurde das Thema von mosambikanischer Seite
oder von deutscher Seite angesprochen?
b) Wenn nein, warum nicht?
c) War es Gegenstand von Verhandlungen im Rahmen der
deutsch-mosambikanischen
Entwicklungszusammenarbeit?
6. Hat die in den Vereinten Nationen geführte Diskussion über
die Heraufsetzung des Rekrutierungsalters für Soldaten
(Zusatzprotokoll zur VN-Kinderrechtskonvention) in Gesprächen
mit Mosambik je eine Rolle gespielt?
7. Wie steht die Bundesregierung zu der Forderung, durch ein
Zusatzprotokoll zur VN-Kinderrechtskonvention das
Rekrutierungsalter von 15 auf 18 Jahre heraufzusetzen?
8. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, um
im Interesse der mosambikanischen Kinder, aber auch aller
anderen Kindersoldaten auf der Welt, dieses Anliegen
voranzutreiben?
9. Welche Möglichkeiten von Programmen und Projekten sieht
die Bundesregierung, um die Rehabilitierung von
Kindersoldaten und kriegstraumatisierten Kindern in Mosambik
auszuweiten und zu verbessern?
10. Wie kann und wird die Bundesregierung auf die
mosambikanische Regierung Einfluß nehmen, um zu verhindern, daß
entsprechend dem o. g. Gesetz Kindersoldaten bzw.
kriegstraumatisierten Kinder nun als Jugendliche (wieder) rekrutiert
werden?
11. Welche Schritte wird die Bundesregierung übergreifend
unternehmen, um zu verhindern, daß immer mehr durch Kinder
bedienbare Kleinwaffen in Konfliktgebiete gelangen können,
wie das in Mosambik ebenso wie in vielen anderen
Konfliktgebieten der Fall war und ist?
12. Wird die Bundesregierung Anstrengungen unternehmen, um
den weltweiten Handel mit Kleinwaffen, der 1997 eine
Rekordmarke erreicht hat, zurückzudrängen?
Wenn ja, welche?
Wenn nein, warum nicht?
13. Wird die Bundesregierung die gerade gegründete Kampagne
zum Ausschluß von ehemaligen Kindersoldaten und
Volksmilizen aus dem Militärdienst in Mosambik unterstützen?
Wenn ja, durch welche konkreten Schritte und Maßnahmen?
14. Kann sich die Bundesregierung vorstellen, daß Programme,
Maßnahmen und Projekte zur Rehabilitierung von
Kindersoldaten und kriegstraumatisierten Kindern fester Bestandteil
eines eigenständigen Haushaltstitels zivile
entwicklungspolitische Konfliktbewältigung im Rahmen eines erweiterten und
neustrukturierten Haushalts des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden
könnte?
Bonn, den 17. August 1998
Dr. Willibald Jacob
Dr. Gregor Gysi und Gruppe]
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