Plutoniumtransporte per Flugzeug
der Abgeordneten Ursula Schönberger und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
In dieser Woche berät eine technische Arbeitsgruppe der IAEO in Wien über einen eigenen Lufttransportstandard für Kernbrennstoffe. Plutonium soll nach Planungen der IAEO in einem neuen Behältertyp (Typ C) durch die Luft transportiert werden.
Zeitungsberichten zufolge setzt sich die bundesdeutsche Delegation, entsandt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit dafür ein, Uran/Plutonium-Mischoxyd-Brennelemente (MOX) von diesen Standards auszunehmen und in Typ-B-Behältern (Transport auf Straße und Schiene) transportieren zu können.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen20
Treffen die Presseberichte zu, daß die Bonner Delegation aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Bundesamt für Strahlenschutz sich in Wien dafür einsetzt, Lufttransporte von MOX-Brennelementen von den Sicherheitsstandards für den Lufttransport auszunehmen?
Teilt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit die Meinung, daß bei einem Flugzeugabsturz ein stärkerer Aufprall als 48 km/h (Auslegung Behälter-Typ-B) der Regelfall ist?
Warum weigert sich das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit den Behälter-Typ-C für Lufttransporte von Brennelementen vorzuschreiben, der zwar nicht mal den US-amerikanischen gesetzlichen Anforderungen entspricht, aber immerhin für einen Aufprall von 324 km/h ausgelegt ist?
In dem Arbeitspapier der deutschen Delegation heißt es, daß schwere Flugzeugunfälle „selten" seien.
Mit wie vielen Lufttransporten von MOX-Brennelementen über dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ist ab Anfang 1996 zu rechnen?
Wie viele Flugzeugabstürze gab es in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten zehn Jahren?
Wie viele Flugzeugabstürze davon fanden in oder in der Nähe von Wohngebieten statt?
Welche Wahrscheinlichkeit hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit für einen Absturz eines Flugzeugs, beladen mit MOX-Brennelementen, errechnet?
1992 stürzte in Amsterdam ein fast vollbetanktes Frachtflugzeug auf ein Wohngebiet, das daraufhin stundenlang brannte.
Wie will das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sicherstellen, daß in einem analogen Fall, in dem MOX-Brennelemente involviert sind, eine radioaktive Verseuchung ausgeschlossen werden kann, wo doch die Typ-B-Behälter nur für einen Brand von 30 Minuten bei 800 Grad ausgelegt sind?
Technische Analysen des amerikanischen Nuclear Control Institute haben eine Reihe von Unfallverläufen mit dem Transportbehälter-Typ-B ergeben, bei denen Plutonium aus MOX-Brennelementen freigesetzt werden kann.
Wie will das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Vorsorge treffen, daß eine Verseuchung durch das hochtoxische Plutonium infolge von Flugzeugabstürzen ausgeschlossen werden kann?
Wie will das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sicherstellen, daß das Feuerwehr- und Rettungspersonal am Unfallort auch bei einem stark zerstörten Flugzeug sofort erkennen kann, daß Plutonium und anderes radioaktive Material bei dem Unfall freigesetzt werden kann und dementsprechende Sicherheitsmaßnahmen trifft?
Welche Katastrophenschutzpläne existieren für einen Flugzeugabsturz mit Plutoniumfracht?
Welche Hilfestellungen gibt die Bundesregierung den zuständigen Katastrophenschutzbehörden für die Vorbereitung auf einen solchen Unfall, der nicht zum normalen Katastrophenschutzszenario einer Gemeinde gehört?
Trifft es zu, daß die deutsche Delegation in Wien Störfallgrenzwerte für die Folgen eines Flugzeugabsturzes mit Kernbrennstoffen an Bord vorgeschlagen hat?
Welche Risikoanalyse mit welchen Parametern liegen diesem Vorschlag zugrunde?
Welche zulässige Radioaktivitätsbelastung infolge von Flugzeugabstürzen mit Brennelementen wurden von Deutschland vorgeschlagen?
Mit wie vielen Mehrkosten pro Transport rechnet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bei einer Festlegung auf den Container Typ-C für den Lufttransport von Kernbrennstoffen gegenüber einem Lufttransport mit einem Container Typ-B?
Welche Verträge über welche Brennelement-Mengen existieren derzeit mit BNFL, COGEMA und Belgonucleaire über den Bezug von MOX-Brennelementen für bundesdeutsche Atomkraftwerke?