Tagesverlauf sommerlicher Ozonkonzentrationen; seine medizinische und toxikologische Problematik
des Abgeordneten Dr. Jürgen Rochlitz und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
An Tagen mit stabilen, hohen Ozonkonzentrationen — also stundenlangem Überschreiten von 180 µg/m 3 und mehr — wird in den Morgenstunden ab neun Uhr meist ein steiler, geradezu schockartiger Anstieg der Ozonwerte registriert.
Sowohl dieser schockartige Anstieg als auch das langandauernde Konzentrationsniveau im Bereich des früheren MAK-Wertes dürften eine zusätzliche gesundheitliche Belastung darstellen, die in der gegenwärtigen Schwellenwert-Diskussion überhaupt noch nicht beachtet worden ist.
Diese Erweiterung des Diskussionsstandes ist dringend geboten. Hierzu sollen die Fakten, die durch diese Kleine Anfrage erbeten werden, dienen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Welche Kenntnisse besitzt die Bundesregierung über den steilen bis schockartigen Anstieg der Ozonkonzentrationen im Tagesverlauf einer stabilen Ozonepisode, wie z. B. an den Tagen 26. Juli/27. Juli und 28. Juli 1994?
An welchen Meßstationen der Bundesrepublik Deutschland wurden 1994 bei Ozonkonzentrationen über 200 µg/m 3 Geschwindigkeiten des Konzentrationsanstiegs von 60 bis 120µg pro m 3 und Stunde oder gar mehr beobachtet?
Gibt es bei Ozonkonzentrationen über 200 µg/m 3 Meßstationen, die — abgesehen von den in Gebirgs- oder Waldlagen liegenden — einen morgendlichen Ozonanstieg unter 40 µg pro m3 und Stunde im Jahr 1994 aufgewiesen haben?
Inwieweit sehen die Bundesregierung und die sie beratenden wissenschaftlichen Kreise die Möglichkeit, den morgendlichen Ozonanstieg für eine Ozonprognose zu nutzen?
Inwieweit gibt es zu dieser Problematik auf Länderebene Untersuchungen, die von der Bundesregierung genutzt werden könnten (z. B. durch die UMEG/Karlsruhe)?
Wie wird von medizinischer und toxikologischer Seite das Problem des schockartigen Anstiegs der Ozonkonzentration beurteilt?
Wenn es hierzu noch keine abschließende Meinung aus der Medizin und Toxikologie gibt: Wie stellt sich die Bundesregierung eine Vorsorgepolitik zur Verhinderung eines schockartigen Ozonanstiegs vor?
Wie wird von medizinischer und toxikologischer Seite das Problem der stundenlangen (meist über acht Stunden!) andauernden Überschreitung des EU-Schwellenwerts für den Gesundheitsschutz von 110 µg/m 3 in den Ozonepisoden beurteilt?
Welche epidemiologischen Erkenntnisse, z. B. auch in den besonders von langanhaltenden hohen Ozonkonzentrationen betroffenen Mittelgebirgs- und Gebirgslagen sind bisher verfügbar?
Wenn es zu den gesundheitlichen Auswirkungen langanhaltender Überschreitungen des Gesundheitsschutz-Schwellenwertes oder des MIK-Wertes keine abschließende Erkenntnis gibt: Wie stellt sich die Bundesregierung eine Vorsorgepolitik zur Verhinderung lang andauernder Überschreitungen von 110 oder 120 ug/m 3 vor?
Inwieweit verschärfen sich die angesprochenen Probleme des steilen Konzentrationsanstieges und der lang anhaltenden hohen Konzentrationen durch die Feststellung der Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ozon sei karzinogen und gentoxisch
a) aus Sicht der Bundesregierung,
b) aus Sicht von Medizinern und Toxikologen?