Cholesterinsenkende Wirkstoffe: Pflanzensterinzusätze in Lebensmitteln
der Abgeordneten Ulrike Höfken, Nicole Maisch, Cornelia Behm, Hans-Josef Fell, Winfried Hermann, Peter Hettlich, Bärbel Höhn, Dr. Anton Hofreiter, Sylvia Kotting-Uhl, Undine Kurth (Quedlinburg) und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung und der Verbraucherzentralen zur Bedeutung und Risiken funktioneller Lebensmittel, insbesondere mit Pflanzensterinen, für Verbraucherinnen und Verbraucher vom Juni 2007 kommt zu dem Ergebnis, dass „Cholesterinsenkende Lebensmittel: Teuer, meist überflüssig – und trotzdem gekauft“ werden.
In der Bundesrepublik Deutschland sind mittlerweile sieben Lebensmittel mit cholesterinsenkenden Pflanzensterinen auf dem Markt, zwei Margarinen, zwei Joghurtdrinks, eine Magermilch, ein Schnittkäse und ein Sonnenblumenkernbrot. Die für die Zulassung durchgeführte Sicherheitsbewertung stellt fest, dass nur der Verzehr von 1 bis 2 g Pflanzensterine Wirkungen entfaltet, höhere Mengen nicht verzehrt werden sollten, um die dann auftretenden gesundheitlichen Risiken einer verringerten Vitaminaufnahme (Carotinoide, fettlösliche Vitamine) zu vermeiden. Deshalb sollen auch Kinder unter fünf Jahren sowie Schwangere und Stillende diese Produkte nicht verzehren. Die o. g. Studie belegt, dass die bestehenden Kennzeichnungspflichten dem Fehlverzehr nicht vorbeauen. Fast jeder zweite Konsument dieser Produkte gehört nicht der Zielgruppe mit überhöhten Cholesteringehalten an. Der Verzehr wird mit dem Arzt nicht abgestimmt. Erschreckenderweise gehören auch minderjährige Kinder zu den Verzehrern.
Der gesundheitliche Verbraucherschutz muss hier Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen haben. Die Ergebnisse der Studie und weitere Anträge auf Zulassung für neue Lebensmittelkategorien, z. B. Getränke, führen zu einem erneuten Prüfungs- und Regelungsbedarf bei Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusätzen. Eine verursachergerechte Abgabe zur Finanzierung von Sicherheitsforschung und Verbraucheraufklärung erscheint sachgerecht.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Welche Daten und evidenzbasierte Studien zum Nutzen von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusätzen liegen der Bundesregierung vor?
Welche Daten zur individuellen Aufnahme von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusätzen hat die Bundesregierung ihrer Risikobewertung zugrunde gelegt? Wie kommt die Datenbasis zustande?
Wie viele so genannte funktionelle Lebensmittel und wie viele Produkte mit Pflanzensterinen in welchen Lebensmittelkategorien sind in der Bundesrepublik Deutschland bereits zugelassen? Wo ist eine Übersicht veröffentlicht?
Welche Antwort der EU-Kommission hat die Bundesregierung auf den im Juni 2007 übermittelten Projektbericht zu Bedeutung und Risiken funktioneller Lebensmittel, insbesondere mit Pflanzensterinen erhalten?
Welche Position verfolgt die Bundesregierung bei einer zukünftigen Überarbeitung der Verordnung (EG) Nr. 258/97 über neuartige Lebensmittel (zutaten)?
Durch welche Maßnahmen setzt die Bundesregierung die Empfehlungen des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit vom 10. November 2003 um, nach denen Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusätzen nicht an Kinder, nicht vorbeugend, nicht in weiteren Lebensmittelkategorien verzehrt werden und im Handel separat angeboten werden sollen?
Welche Maßnahmen der Verbraucheraufklärung hat die Bundesregierung ergriffen, um den gesundheitsgefährdenden Fehlverzehr von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusätzen zu vermeiden?
Wann und durch wen wurde die Öffentlichkeit über das Risiko des Fehlverzehrs von cholesterinsenkenden Lebensmitteln informiert?
Mit welchen Partnern hat die Bundesregierung dabei zusammengearbeitet?
Hat die Bundesregierung auf eine verstärkt zielgerichtete Kontrolle von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusätzen hingewirkt, und wenn ja, mit welchen Erfolgen?
Hat die Bundesregierung das Problem des Fehlverzehrs und der unzureichenden Kennzeichnung mit den Herstellern und Händlern von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusätzen erörtert, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Welche weiteren Maßnahmen wurden eingeleitet?
Welches wissenschaftliche Gesamtkonzept zur Risikobewertung von Pflanzensterinen verfolgt die Bundesregierung?
Beabsichtigt die Bundesregierung die Ernährungsindustrie verursachergerecht an der Finanzierung von Sicherheitsforschung und Verbraucheraufklärung zu beteiligen?