BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel in Wäldern (G-SIG: 13011546)

Ursachen der Massenvermehrung von Schadinsekten, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Erfolge, Auswirkungen auf die Vogelwelt, Notwendigkeit bundeseinheitlicher Regelungen

Ressort

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Datum

08.05.1996

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/441618. 04.96

Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel in Wäldern

der Abgeordneten Susanne Kastner, Horst Sielaff, Michael Müller (Düsseldorf), Doris Barnett, Klaus Barthel, Wolfgang Behrendt, Friedhelm Julius Beucher, Lilo Blunck, Hans Büttner (Ingolstadt), Marion Caspers-Merk, Karl Diller, Marliese Dobberthien, Ludwig Eich, Petra Ernstberger, Elke Ferner, Lothar Fischer (Homburg), Gabriele Fograscher, Norbert Gansel, Günter Gloser, Angelika Graf (Rosenheim), Manfred Hampel, Liesel Hartenstein, Uwe Hiksch, Frank Hofmann (Volkach), Siegrun Klemmer, Walter Kolbow, Fritz Rudolf Körper, Thomas Krüger, Horst Kubatschka, Eckart Kuhlwein, Robert Leidinger, Klaus Lennartz, Ulrike Mascher, Christoph Matschie, Heide Mattischeck, Ulrike Mehl, Angelika Mertens, Ursula Mogg, Jutta Müller (Völklingen), Gerhard Neumann (Gotha), Manfred Opel, Martin Pfaff, Georg Pfannenstein, Renate Rennebach, Dr. Edelbert Richter, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Wieland Sorge, Siegfried Scheffler, Horst Schmidbauer, Ottmar Schreiner, Gisela Schröter, Dr. Angelica Schwall-Düren, Antje-Marie Steen, Dr. Bodo Teichmann, Jella Teuchner, Franz Thönnes, Hans Georg Wagner, Verena Wohlleben, Heidemarie Wright, Peter Zumkley

Vorbemerkung

In den letzten Jahren ist es häufig zum großflächigen Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel - Insektizide - gegen „Waldschädlinge" gekommen. Vor allem Schwammspinner-Populationen wurden mit Dimilin besprüht, vereinzelt auch Regionen mit einem hohen Anteil an Nonnenraupen. Kritiker dieser Aktionen wenden ein, daß Massenvermehrungen von Insekten keine ernsthaften Gefahren für das Öko-System darstellen, da es in einem mittelfristigen Zeitraum stets zu einer Selbstregulierung der Natur käme. Dagegen wirke sich die großflächige Vergiftung auf viele Arten äußerst negativ aus, die weitaus gravierender wären als der Insektenbefall.

Deshalb stellen wir folgende Fragen:

Fragen13

1

Was sind aus der Sicht der Bundesregierung die Ursachen für ein vermehrtes kurzzeitiges, massenhaftes Auftreten von Insektenpopulationen?

2

Welche Rolle spielen nach Erkenntnissen der Bundesregierung klimatische Faktoren für die Vermehrung von „Schädlingsbefall" in Wäldern?

3

Zeigt sich ein langfristiger Trend, daß in Zukunft mit einem verstärkten Auftreten von „Schädlingsbefall" gerechnet werden muß, u. a. weil die Widerstandskraft der Bäume, insbesondere in Monokulturen, geschwächt ist?

4

Hält die Bundesregierung den großflächigen Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel für ein geeignetes Mittel gegen die kurzzeitige Massenvermehrung von Insekten oder würde sie andere Maßnahmen befürworten?

5

Welche Mittel werden nach Erkenntnissen der Bundesregierung hierbei eingesetzt? Wie bewertet die Bundesregierung die Folgen dieser Mittel? Welche hält sie für vertretbar? Sind die Mittel so „zielgenau", daß sie nur für den beabsichtigten Zweck wirken, ohne anderweitige Schädigungen der Umwelt und Flora und Fauna zu hinterlassen?

6

In welchem Umfang hat nach Erkenntnissen der Bundesregierung der Einsatz der chemischen Pflanzenschutzmittel in Wäldern zugenommen?

7

Welche möglichen Alternativen gibt es zu einer großflächigen, chemischen Schädlingsbekämpfung?

8

Teilt die Bundesregierung die Auffassung einzelner Forstbehörden, daß der großflächige Einsatz von Insektiziden notwendig sei, zumal sich die Folgen angeblich auf die schädlichen Insekten begrenzen ließen?

9

Welche Folgerungen zieht die Bundesregierung aus vergleichenden Beobachtungen, wonach der Schädlingsbefall, gleichgültig ob es sich um eine bespritzte oder nichtbespritzte Region handelte, nahezu zu demselben Zeitpunkt endete?

10

Wie erklärt sich die Bundesregierung, daß es in den bespritzten Gebieten zu gravierenden Schädigungen der Vogelwelt gekommen ist, insbesondere einer Vervielfachung nicht ausgebrüteter Eier und toter Jungvögel?

11

Kennt die Bundesregierung die Erhebungen der Gemeinde Schwebheim in Franken, wonach die Beeinträchtigungen in der Tier- und Pflanzenwelt durch Dimilin weitaus gravierender als die Folgen der Schwammspinner-Population waren?

12

Wie steht die Bundesregierung zu der Forderung, deutliche Warnhinweise in den mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelten Waldflächen anzubringen, um mögliche Schädigungen durch Kontaminierung von Menschen mit den Insektiziden zu verhindern?

13

Welche bundeseinheitlichen Regelungen für die Anwendung von chemischen Pflanzen in Wäldern sind nach Meinung der Bundesregierung erforderlich?

Bonn, den 17. April 1996

Susanne Kastner Horst Sielaff Michael Müller (Düsseldorf) Doris Barnett Klaus Barthel Wolfgang Behrendt Friedhelm Julius Beucher Lilo Blunck Hans Büttner (Ingolstadt) Marion Caspers-Merk Karl Diller Marliese Dobberthien Ludwig Eich Petra Ernstberger Elke Ferner Lothar Fischer (Homburg) Gabriele Fograscher Norbert Gansel Günter Gloser Angelika Graf (Rosenheim) Manfred Hampel Liesel Hartenstein Uwe Hiksch Frank Hofmann (Volkach) Siegrun Klemmer Walter Kolbow Fritz Rudolf Körper Thomas Krüger Horst Kubatschka Eckart Kuhlwein Robert Leidinger Klaus Lennartz Ulrike Mascher Christoph Matschie Heide Mattischeck Ulrike Mehl Angelika Mertens Ursula Mogg Jutta Müller (Völklingen) Gerhard Neumann (Gotha) Manfred Opel Martin Pfaff Georg Pfannenstein Renate Rennebach Dr. Edelbert Richter Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast Wieland Sorge Siegfried Scheffler Horst Schmidbauer Ottmar Schreiner Gisela Schröter Dr. Angelica Schwall-Düren Antje-Marie Steen Dr. Bodo Teichmann Jella Teuchner Franz Thönnes Hans Georg Wagner Verena Wohlleben Heidemarie Wright Peter Zumkley

Ähnliche Kleine Anfragen