Atomenergienutzung in der Raumfahrt
der Abgeordneten Simone Probst, Ursula Schönberger und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Am 17. November 1996 geriet eine russische Mars-Rakete außer Kontrolle. Einzelteile stürzten - viel schneller als erwartet - zurück auf die Erde. Nachdem zunächst ein Absturz in Australien befürchtet wurde, versanken die Trümmer schließlich vor Chile im Pazifik. An Bord der Rakete befanden sich vier Batterien mit insgesamt 200 Gramm radioaktivem Plutonium, über deren Verbleib bisher nichts bekannt wurde. Die Freisetzung von Plutonium in der Atmosphäre kann zu einer zusätzlichen Krebsgefahr durch den nuklearen Fall-Out führen.
Bereits in der Vergangenheit ist es mehrfach zu Unfällen mit Uran- und Plutonium-Energiequellen gekommen. 1964 verglühte ein US-Navigationssatellit in der Atmosphäre und setzte sein Plutoniuminventar frei. 1978 stürzte ein russischer Aufklärungssatellit, der einen Atomreaktor mit 45 Kilogramm Uran 235 an Bord hatte, in ein dünn besiedeltes Gebiet in Kanada. Es kam zu Verstrahlungen. Kanadische und US-amerikanische Spezialisten versuchten wochenlang, radioaktive Trümmer zu orten und zu bergen.
Trotzdem ist es bisher nicht zu einer internationalen Vereinbarung gegen den Einsatz von Atom-Generatoren im Weltraum gekommen.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:
Fragen12
Welche Informationen hat die Bundesregierung über die von chilenischen oder anderen Behörden ausgeführten Messungen und deren Ergebnisse bezüglich der Folgen des Raketenabsturzes?
Kann die Bundesregierung mit Sicherheit ausschließen, daß die 200 Gramm Plutonium nicht in die Atmosphäre oder in den Ozean freigesetzt wurden bzw. werden?
Waren die Plutonium-Generatoren Bestandteil eines der zwölf deutschen Experimente dieser Mars-Mission?
Zu welchem Zweck wurden die Plutonium-Generatoren nach Kenntnis der Bundesregierung bei dieser Mission eingesetzt (Erzeugung von Strom, Wärme, sonstiges)?
Stehen z. Z. technische Alternativen für diesen Einsatzzweck zur Verfügung?
Wenn ja, warum wurden sie nicht eingesetzt?
Sind bei Weltraumprojekten unter deutscher Federführung in der Vergangenheit Uran- bzw. Plutonium-Energiequellen eingesetzt worden bzw. sollen solche Generatoren in Zukunft eingesetzt werden?
Wenn ja, bei welchen Projekten?
Zu jeweils welchem Zweck?
Wieviel Plutonium oder Uran ist jeweils enthalten?
Wie sieht die Kapselung aus?
Wie wird der Einsatz der Atom-Generatoren begründet?
Bei welchen Weltraumprojekten auf europäischer oder internationaler Ebene, an denen die Bundesrepublik Deustchland beteiligt ist, werden Atom-Generatoren gesetzt?
Welchen Zweck hat der Einsatz jeweils, und wie wird er begründet?
Wie hoch sind jeweils die Uran- bzw. Plutoniummengen, und wie ist die Kapselung beschaffen?
Wie ist die Haltung der Bundesregierung zum Einsatz von Atom-Generatoren bei Weltraum-Missionen?
Wie werden das Risiko und die Folgen einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen eingeschätzt?
Welche Forschungs- und Entwicklungsprojekte unterstützt die Bundesregierung auf nationaler oder internationaler Ebene, um Atom-Generatoren bei Weltraummissionen zu ersetzen?
Welche alternativen Energiequellen bevorzugt die Bundesregierung in diesem Zusammenhang?
Wie hoch sind die finanziellen Mittel, die von der Bundesregierung für die Entwicklung alternativer Energietechnologien zur Verfügung gestellt werden?
Wird die Bundesregierung nach diesem erneuten Unfall auf den Einsatz von Atom-Generatoren verzichten und sich auch nicht an internationalen Missionen beteiligen, die Atom-Generatoren verwenden?
Wenn nein, warum nicht?
Wird die Bundesregierung auf internationaler Ebene darauf drängen, daß in Zukunft auf den Einsatz von Atom-Generatoren bei Weltraum-Missionen verzichtet wird?
Wenn nein, warum nicht?