Export von radioaktivem Natrium nach Dounreay
der Abgeordneten Simone Probst, Ursula Schönberger und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Am 8. Mai 1997 hat die schottische Überwachungsbehörde Scottish Environmental Protection Agency (SEPA) die Inbetriebnahme einer Anlage zur Behandlung radioaktiv verseuchten Natriums aus der Kühlung Schneller Brutreaktoren gestoppt. Die Anlage ist neu gebaut und ausschließlich zur Behandlung von 86 Tonnen von nicht mehr benötigtem Natriumkühlmittel aus dem stillgelegten Versuchsbrüter KNK des Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) vorgesehen. Die schottische SEPA nennt als Gründe für die Stilllegung der Anlage die nicht ausreichende Überwachung der radioaktiven Abgaben aus der Anlage und Zweifel über die Radioaktivitätsmengen des Natriums. Die SEPA befürchtet, daß eine Überschreitung der Grenzwerte erst im nachhinein entdeckt werden könnte.
Im Atomkomplex Dounreay an der Nordküste Schottlands ist es bereits in der Vergangenheit häufig zu Störfällen gekommen. Die Kinderleukämierate in der Gegend liegt über dem Landesdurchschnitt. 1977 explodierte ein Schacht, in dem leicht- und mittelradioaktive Abfälle zusammen mit Kalium und Natrium abgekippt worden waren. Seit Jahren tauchen in der Umgebung der Anlage regelmäßig radioaktive Partikel auf, deren Herkunft ungeklärt ist.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:
Fragen17
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Aktivität des vom FZK zur Entsorgung in Dounreay vorgesehenen Natriums insgesamt?
Welche Mengen welcher radioaktiven Isotope sind darin enthalten?
Wieviel Natrium stammt aus dem Primärkreislauf des KNK-Reaktors, wieviel aus dem Sekundärkreislauf?
Wurden Primär- und Sekundärnatrium in getrennten Chargen transportiert, und sollen sie auch getrennt konditioniert werden?
Wie teilt sich das radioaktive Inventar auf Primär- und Sekundärnatrium auf?
Welche Natriummenge wurde bereits nach Dounreay angeliefert, und aus welchem Hafen wurde das Material verschifft?
In welcher Teilanlage des Atomkomplexes Dounreay soll das Natrium konditioniert werden?
Wie hoch werden nach Kenntnis der Bundesregierung die radioaktiven Abgaben aus der Konditionierung des Natriums an die Umwelt sein?
(Bitte aufschlüsseln in flüssige und gasförmige Abgaben mit Angabe der wichtigsten Isotope.)
Welche Endprodukte entstehen bei dem Konditionierungsprozeß?
Handelt es sich dabei ausschließlich um Abfall oder sollen die Endprodukte z. T. weitergenutzt werden?
Im Falle einer Weiternutzung, wo und wie sollen die Produkte genutzt werden?
Werden die bei dem Prozeß entstehenden Abfälle nach Deutschland zurückgenommen?
Wenn ja, wo sollen sie gelagert werden?
Wann wurde der Entsorgungsvertrag zwischen dem FZK und der Firma AEA Technologies über die Entsorgung des Natriums geschlossen?
Wie hoch sind die Kosten für die Konditionierung des Natriums in Dounreay?
Wieviel dieser Kosten entfallen davon auf den Bau der Konditionierungsanlage, wieviel auf die Dienstleistung der Konditionierung des verstrahlten Natriums?
Falls deutsche Mittel in den Bau der Anlage geflossen sind, wieviel Prozent der Anlagenbaukosten werden nach Schätzungen der Bundesregierung von deutscher Seite getragen?
Welche Gründe haben nach Kenntnis der Bundesregierung das FZK bewogen, das Natrium nicht an Ort und Stelle in Karlsruhe zu entsorgen, sondern den Abfall zu exportieren, unter Inkaufnahme langer Transportstrecken und der Freisetzung radioaktiver Stoffe in Nordschottland?
Welche anderen Arten der Konditionierung/Entsorgung von in Deutschland angefallenen radioaktiven Abfällen (ohne Wiederaufarbeitungsabfälle und abgebrannte Brennelemente) werden nach Kenntnis der Bundesregierung im Ausland durchgeführt (z. B. Verbrennung in Studsvik/Schweden)?
Wie groß sind die Mengen an radioaktiven Abfällen, die im Mittel jährlich zu den jeweiligen ausländischen Konditionierungs-/Entsorgungsanlagen gebracht werden?
Wie ist die Rücknahme von Abfällen (Filter, Asche etc.) jeweils geregelt?