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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Förderung der deutschen Sprache und des Auslandsschulwesens (G-SIG: 13012072)

Förderung der deutschen Sprache im Rahmen der Auswärtigen Kulturpolitik seit 1976, Haushaltsmittel, Deutschunterricht in den MOE/GUS-Staaten, Entwicklungstrends in anderen Regionen, Qualifizierung der Lehrer und des Fachpersonals für den Deutschunterricht

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Auswärtiges Amt

Datum

10.12.1996

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/617918.11.96

Förderung der deutschen Sprache und des Auslandsschulwesens

der Abgeordneten Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn) und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

In vielen Ländern Mittel- und Osteuropas, aber auch in anderen Regionen, ist großes und nachhaltiges Interesse am Erlernen der deutschen Sprache und an der Wahrnehmung deutschsprachiger kultureller Angebote zu verzeichnen. Dieses gründet vielfach auf Wertschätzung für die deutsche Literatur und Kultur. Dieses nachhaltige und politische „Kapital" ist ein unschätzbarer Aktivposten für die Außenpolitik insgesamt; seine Pflege und Erhaltung ist eine vorrangige Aufgabe der Auswärtigen Kulturpolitik. Sie kann nur gelingen, wenn der Personenkreis, dem diese Aufgabe anvertraut ist, fachlich und persönlich optimal für seine Arbeit ausgebildet und vorbereitet wird. Das bedeutet: Es muß eine Ausbildung stattfinden, die Kenntnisse und Einblicke in das kulturelle und soziale Umfeld des Gastlandes vermittelt. Im Bereich der Spracharbeit ist Professionalisierung notwendig. Dieses Personal braucht und verdient angemessene Bezahlung und soziale Absicherung, was gegenwärtig nicht überall der Fall ist.

Wir fragen daher die Bundesregierung:

Fragen21

1

a) Wie hat sich das Verhältnis von Programmarbeit (Kulturarbeit im engeren Sinne) zu Spracharbeit in der Förderung durch die Bundesregierung seit 1982 entwickelt?

1

b) Wie hoch waren jeweils die Gesamtausgaben für die Sprachförderung im Rahmen der Auswärtigen Kulturpolitik?

1

c) Welche finanziellen Mittel wurden zur Förderung der deutschen Sprache im Rahmen der Auswärtigen Kulturpolitik — an Schulen, — an Hochschulen, — im Tertiärbereich (außerschulischer und außeruniversitärer Bereich) in den Jahren 1976, 1981, 1986 und von 1989 bis 1996 bereitgestellt?

1

d) Welche Ausgaben sind für 1997 geplant?

2

Wie verteilen sich die Haushaltsmittel zur Förderung der deutschen Sprache in den Jahren 1976, 1981, 1986 und von 1989 bis 1996 auf die einzelnen Regionen?

3

a) Ist die Bundesregierung der Auffassung, daß sie angesichts der enormen Bedeutung der Auswärtigen Kulturpolitik genügend Mittel für Deutschkurse bereitgestellt hat, um derart die Nachfrage nach Deutschkursen im Ausland zu befriedigen?

Wie begründet die Bundesregierung ihre Auffassung?

3

b) Beabsichtigt die Bundesregierung, hierfür in Zukunft mehr Mittel zur Verfügung zu stellen?

4

a) Wie begründet die Bundesregierung, daß das Goethe-Institut aus dem Sonderprogramm zur Förderung der deutschen Sprache in den mittelosteuropäischen Staaten und in den Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (MOE/GUS-Staaten) trotz der aufwendigen Einrichtung und des Ausbaus zahlreicher neuer Kulturinstitute 1993 von 45 Mio. DM nur 4,8 Mio., 1994 von 39 Mio. DM nur 4,6 Mio., 1995 von 50 Mio. DM nur 5,9 Mio., 1996 von 73 Mio. DM nur 4,1 Mio. DM erhielt?

4

b) Wird sich der Gesamtbetrag und der Anteil, den das Goethe-Institut aus dem Sonderprogramm MOE/GUS erhält, 1997 wesentlich verändern?

5

a) Welche Entwicklungstrends neben dem Nachfragerückgang in den Niederlanden, Korea und Japan gibt es beim Lernen der deutschen Sprache im Ausland für einzelne Regionen?

5

b) Wie analysiert die Bundesregierung diese Entwicklungstrends, und welche Ursachen sieht sie?

5

c) Welche Gegenmaßnahmen plant die Bundesregierung?

6

Ist angesichts der Bedeutung der MOE/GUS-Staaten für die Verbreitung der deutschen Sprache und des massiven Bedarfs an schulischem Deutschunterricht an eine schnelle Umverteilung zugunsten der MOE/GUS-Staaten gedacht?

7

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Bedarf an beruflich einsetzbaren Deutschkenntnissen (technisches Deutsch, Wirtschaftsdeutsch, Deutsch für Verwaltungsberufe etc.) vor?

8

Wie wird sichergestellt, daß Lehrerinnen und Lehrer, die keine speziellen Qualifikationen für Deutsch als Fremdsprache/ Deutsch als Zweitsprache besitzen, das elementare fachliche Rüstzeug für ihre Arbeit vermittelt bekommen?

9

Welche Rolle spielt für die Bundesregierung die Qualifizierung von Fachpersonal für die Lehre des Deutschen als Fremdsprache?

10

a) Wie hoch ist der Anteil von Fachpersonal mit einem Hochschulabschluß für Deutsch als Fremdsprache am Personal im Auslandsschuldienst, an den Goethe-Instituten, bei den Sprachassistentinnen und -assistenten des Vereins für das Deutschtum im Ausland (VDA) und des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) und bei den Lektorinnen und Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)?

10

b) Wie hoch ist ihre Einstufung?

11

a) Wie beurteilt die Bundesregierung den Sachverhalt, daß nur Beamtinnen und Beamte im Schuldienst der Länder in den Auslandsschuldienst und nur Personen mit dem zweiten Staatsexamen für das Lehramt Landes- oder Bundesprogrammlehrerinnen und -lehrer werden können?

11

b) Wie beurteilt die Bundesregierung den Umstand, daß dadurch Personen mit einer Fachqualifikation für Deutsch als Fremdsprache (in der Regel Magisterabschlüsse) grundsätzlich vom Einsatz in Schulen im Rahmen von Sonderprogrammen und in den deutschen Auslandsschulen ausgeschlossen sind?

12

Sieht die Bundesregierung Zielkonflikte zwischen der Förderung der Entfaltung der Identität der Angehörigen der deutschen Minderheiten und der Förderung ihrer Integration in die Heimatländer als Aufgaben der schulischen Bildung?

Wenn ja, welche Rolle spielen dabei Werte wie Toleranz und Demokratie?

Bonn, den 18. November 1996

Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn) Joseph Fischer (Frankfurt), Kerstin Müller (Köln) und Fraktion

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