Anbau und Nutzung von Färbepflanzen in Deutschland
der Abgeordneten Ulrike Höfken, Steffi Lemke und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Das Färben und Drucken mit natürlichen pflanzlichen Farbstoffen, die aus Färbepflanzen wie Krapp, Färberwau und Färberwaid gewonnen werden, ist seit Jahrtausenden bekannt. Neben der Färbung und Bedruckung von Textilien und Leder werden Pflanzenfarben auch zur Herstellung von Künstlerfarben und Kosmetika genutzt.
Viele Färbepflanzen zeichnen sich in besonderem Maße durch einen geringen Dünge- und Pflanzenschutzmittelaufwand aus. Beim Anbau von Krapp (Rubia tinctorum) und Wau (Reseda luteola) kann auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden. Einige Färbepflanzen wie etwa Wau sind auf nährstoffarme Böden angewiesen, können auf Grenzertragsflächen angebaut werden und leisten damit einen Beitrag zur Erhaltung landwirtschaftlicher Nutzflächen.
Das derzeitige Nachfrageverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher ist hinsichtlich eines ökologisch verträglichen Anbaus und größtmöglicher Schadstofffreiheit bei der Herstellung von Farben und gefärbter Textilien geprägt. Die Herstellung von Pigmenten und Farbstoffen aus Färbepflanzen im Labormaßstab und in einigen kommerziellen Anlagen erfolgt weitestgehend ohne ökologisch bedenkliche Verfahren und Hilfsmittel. Während bei der Produktion von synthetischen Textilfarbstoffen Sonderabfälle entstehen, können diese bei der Farben- und Pigmentherstellung aus Färbepflanzen vermieden werden. In der Textilfärbung werden die getrockneten Pflanzenteile mit Wasser ausgekocht und die Farbstoffe so in eine wäßrige Lösung überführt. Nach ihrer Nutzung können die schadstofffreien Restflotten aus der Färberei ohne besondere Behandlung Kläranlagen zugeführt werden. Alle verbleibenden Pflanzenbestandteile können kompostiert und damit einem natürlichen Stoffkreislauf zugeführt werden.
Insgesamt gibt es aus ökologischer Sicht zahlreiche Argumente, die für einen verstärkten Anbau von Färbepflanzen sowie den Einsatz von Pflanzenfarbstoffen sprechen. Pflanzliche Farbstoffe und Pigmente können eine wichtige Ergänzung zu der vorhandenen synthetischen Farbstoffpalette darstellen, zumal Deutschland das größte europäische Herstellerland für Textilfarben ist.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen7
Welche und in welchem Umfang werden derzeit Färbepflanzen in Deutschland und der EU angebaut?
Welche Förderungsmöglichkeiten und -maßnahmen bestehen beim Anbau von Färbepflanzen in Deutschland?
Welche Forschungsprojekte wurden und werden in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland zur Züchtung von Färbepflanzen, zu Anbauversuchen von Färbepflanzen, zur Aufarbeitung von Färbepflanzen zu Pflanzenfarbstoffpigmenten, zum Einsatz von Pflanzenfarbstoffen in der Textilindustrie, zum Einsatz in der Druckfarbenindustrie, zum Einsatz in der Farben- und Lackindustrie durchgeführt?
Welche Forschungsgelder wurden in den vergangenen 10 Jahren und 1996 für die o. g. Bereiche des Färbepflanzenanbaus und deren industrieller Verwendung bereitgestellt?
Welche Projekte im Bereich Färbepflanzen/Pflanzenfarben wurden bisher durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe gefördert, und ist eine gezielte Ausschreibung für diesen Bereich geplant?
Welches sind die Hindernisse für einen umfangreicheren Anbau von Färbepflanzen und eine breite industrielle Verarbeitung und Nutzung von pflanzlichen Farbstoffen und Pigmenten?
Welche Möglichkeiten und Perspektiven sieht die Bundesregierung hinsichtlich der Entwicklung von alternativen Farbstoffen und Verfahren als wichtige Ergänzung zu den heute üblichen synthetischen und mineralischen Farbstoffen?