Auswirkungen der Spannungserhöhung von 220 auf 230 Volt
der Abgeordneten Michael Müller (Düsseldorf), Harald B. Schäfer (Offenburg), Volker Jung (Düsseldorf), Klaus Lennartz, Robert Antretter, Holger Bartsch, Hans Berger, Ursula Burchardt, Marion Caspers-Merk, Peter Conradi, Karl Diller, Dr. Marliese Dobberthien, Elke Ferner, Norbert Formanski, Arne Fuhrmann, Monika Ganseforth, Günter Graf, Renate Jäger, Ilse Janz, Dr. Ulrich Janzen, Susanne Kastner, Ernst Kastning, Siegrun Klemmer, Horst Kubatschka, Dr. Klaus Kübler, Robert Leidinger, Heide Mattischeck, Ulrike Mehl, Rudolf Müller (Schweinfurt), Jutta Müller (Völklingen), Christian Müller (Zittau), Dr. Rolf Niese, Jan Oostergetelo, Manfred Reimann, Dr. Hermann Scheer, Dietmar Schütz, Ernst Schwanhold, Bodo Seidenthal, Hans Georg Wagner, Wolfgang Weiermann, Reinhard Weis (Stendal), Dr. Axel Wernitz, Inge Wettig-Danielmeier, Uta Zapf
Vorbemerkung
Die Stromkonzerne planen mit der Spannungserhöhung einen europäischen Stromverbund, der ihnen gestatten würde, den Stromabsatz auszuweiten und nationale Grenzen und politische Entscheidungen souveräner Staaten zu unterlaufen. Es ist ferner zu vermuten, daß eine höhere Netzspannung auch den Stromtransfer in die neuen Bundesländer massiv ausweiten soll, damit die Marktchancen kommunaler Energieversorger beeinträchtigt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen7
Ist es richtig, daß seit 1990 in der Bundesrepublik Deutschland die Nennspannung von bisher 220 auf 230 Volt bzw. von 380 auf 400 Volt erhöht wird? Sollen bereits 1992, wie die VDEW mitgeteilt hat, 97 Prozent aller westdeutschen Haushalte an die neue Netzspannung angeschlossen sein?
Ist es rechtmäßig, schon heute eine höhere Spannung zu liefern, obwohl die Versorgungsbestimmungen eine 200 Volt-Abgabe vorschreiben?
Was sind die Gründe für die „Harmonisierung" des Stromnetzes in Europa, obwohl die Mehrzahl der EG-Länder bereits 200 Volt hat?
Hat die Spannungserhöhung technische Gründe oder zielt sie vorrangig auf eine Erweiterung des Exportmarktes für die Elektroindustrie ab?
Bestehen Planungen, das Spannungsverhältnis längerfristig auf 240 Volt wie in Großbritannien zu erhöhen?
Führt die Spannungserhöhung zu einem merklichen Mehrverbrauch an Strom, zur Gefahr von Kabelbränden, Überhitzung von älteren Elektromotoren und zu einer verkürzten Lebensdauer handelsüblicher Glühbirnen?
Sind die Angaben verschiedener Umweltorganisationen richtig, daß infolge der Spannungserhöhung
— die Lebensdauer von Glühbirnen um rund 30 Prozent verkürzt,
— der Stromverbrauch um 4 Prozent erhöht,
— unter bestimmten Bedingungen die Gefahr von Kabelbränden sehr viel größer und
— der Verschleiß von Elektrogeräten sich beschleunigen wird?